Rotfuchs
RTierart – Säugetiere > Raubtiere – Hunde (wild)
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Vulpes vulpes
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Hunde (Canidae)
- Gattung: Vulpes
- Lebensraum: Wälder, Kulturlandschaften, Steppen, Halbwüsten, Siedlungsgebiete
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 60–90 cm, Schwanzlänge 35–45 cm, Schulterhöhe 35–40 cm
- Gewicht: 4–10 kg, selten bis 14 kg
- Lebenserwartung: In freier Wildbahn 3–5 Jahre, in Gefangenschaft bis 15 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Rotfuchs ist ein mittelgroßer Vertreter der Familie der Hunde mit schlankem Körperbau, spitzer Schnauze und auffallend großen, dreieckigen Ohren. Das Fell ist auf der Oberseite überwiegend rostrot bis rotbraun gefärbt, wobei regionale Variationen von gelblich bis tiefrot vorkommen. Die Unterseite – Kehle, Brust und Bauch – ist weiß bis grauweiss. Die Vorderseiten der Läufe und die Rückseiten der Ohren sind schwarz gefärbt, was als typisches Erkennungsmerkmal dient.
Der buschige Schwanz, in der Jägersprache als „Lunte" bezeichnet, macht etwa ein Drittel der Gesamtkörperlänge aus und endet meist mit einer weißen Spitze. Er dient als Balanceorgan bei schnellen Richtungswechseln und als wärmendes Polster im Winter. Das Winterfell ist deutlich dichter und länger als das Sommerfell und wird im Frühjahr durch den sogenannten Haarwechsel abgelöst. Neben der typischen Rotfärbung treten Farbvarianten auf: Der Kreuzfuchs zeigt eine dunkle Zeichnung über Schultern und Rücken, der Silberfuchs ist nahezu schwarz mit silbrig bereiftem Fell. Beide gehören derselben Art an.
Im Gebiss fallen die langen, spitzen Eckzähne auf. Die Zahnformel umfasst 42 Zähne – typisch für Caniden. Die Pupillen sind im Gegensatz zu den meisten anderen Hundeartigen schlitzförmig, eine Anpassung an die vorwiegend dämmerungs- und nachtaktive Lebensweise.
Lebensraum & Verbreitung
Der Rotfuchs besitzt das größte natürliche Verbreitungsgebiet aller wildlebenden Raubtiere. Sein Areal erstreckt sich über nahezu die gesamte Nordhalbkugel: von Nordamerika über Europa und Nordafrika bis nach Asien, einschließlich des indischen Subkontinents und Japans. In Australien wurde er im 19. Jahrhundert durch den Menschen eingeführt und gilt dort als invasive Art, die erheblichen Druck auf die einheimische Fauna ausübt.
Hinsichtlich seines Habitats zeigt sich der Rotfuchs extrem anpassungsfähig. Er besiedelt Laub- und Mischwälder ebenso wie offene Agrarlandschaften, Heidelandschaften, Dünengebiete und alpine Regionen bis über 2.500 Meter Höhe. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dringen Rotfüchse zunehmend in Stadtgebiete vor. In Großstädten wie London, Berlin oder Zürich leben mittlerweile stabile Stadtfuchspopulationen, die Parks, Gärten, Industriebrachen und Bahndämme als Biotop nutzen. Dieses Phänomen der Urbanisierung ist eine der auffälligsten ökologischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte bei dieser Art.
Ernährung
Der Rotfuchs ist ein ausgesprochener Nahrungsopportunist. Obwohl er taxonomisch zu den Raubtieren gehört, ernährt er sich omnivor. Hauptbestandteile der Nahrung sind Kleinsäuger – insbesondere Wühlmäuse und Feldmäuse –, die er durch den charakteristischen „Mäusesprung" erbeutet: Er lokalisiert die Beute akustisch, richtet sich steil auf und stößt mit den Vorderpfoten voran in die Schneedecke oder Grasnarbe.
Ergänzt wird der Speiseplan durch Kaninchen, Vögel und deren Eier, Insekten, Regenwürmer, Aas sowie pflanzliche Kost wie Beeren, Obst und Feldfrüchte. In Siedlungsnähe bedienen sich Stadtfüchse an Abfällen und Komposthaufen. Die Nahrungszusammensetzung variiert stark je nach Jahreszeit, Region und Verfügbarkeit. Bei Nahrungsüberschuss legt der Rotfuchs Vorräte an, die er vergräbt und dank seines guten räumlichen Gedächtnisses später wiederfindet.
Verhalten & Lebensweise
Rotfüchse sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, können aber insbesondere in ruhigen Gebieten oder während der Jungenaufzucht auch tagsüber aktiv sein. Sie leben in der Regel als Einzelgänger und verteidigen ein Revier, dessen Größe je nach Nahrungsangebot zwischen 10 und mehreren hundert Hektar schwanken kann. Die Reviermarkierung erfolgt durch Urin, Kot und das Sekret der Violdrüse an der Schwanzoberseite.
Als Unterschlupf dienen selbstgegrabene Erdbaue oder übernommene Baue anderer Tiere, etwa von Dachsen. Diese Baue – in der Jägersprache „Fuchsbau" genannt – können über Jahre genutzt und erweitert werden, sodass ausgedehnte unterirdische Gangsysteme mit mehreren Ein- und Ausgängen entstehen. Außerhalb der Fortpflanzungszeit ruhen Füchse häufig auch oberirdisch in dichter Vegetation.
Die Kommunikation umfasst ein vielfältiges Lautrepertoire: Neben dem bekannten heiseren Bellen zur Kontaktaufnahme verwenden Rotfüchse Winseln, Keckern und während der Ranzzeit (Paarungszeit) durchdringende Schreie, die vor allem in Winternächten weithin hörbar sind.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Ranzzeit fällt in Mitteleuropa in die Monate Januar und Februar. Rüde und Fähe – so die Bezeichnungen für das Männchen und das Weibchen – finden sich als Paar zusammen, wobei die Bindung saisonal oder auch über mehr