Rothund
RTierart – Säugetiere > Raubtiere – Hunde (wild)
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cuon alpinus
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Hunde (Canidae)
- Gattung: Cuon
- Lebensraum: Wälder, Steppen und Gebirgsregionen Süd- und Südostasiens
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 76–113 cm, Schulterhöhe ca. 42–55 cm
- Gewicht: 12–21 kg
- Lebenserwartung: 10–13 Jahre in freier Wildbahn, bis 16 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Rothund – auch als Asiatischer Wildhund oder Dhole bekannt – ist ein mittelgroßer Vertreter der Familie der Hunde. Sein Erscheinungsbild erinnert auf den ersten Blick an einen schlanken Haushund mit fuchsähnlichen Zügen. Das dichte Fell ist je nach Unterart und Verbreitungsgebiet variabel gefärbt: Es reicht von rostrot über sandfarben bis zu einem dunkleren Braunton am Rücken. Die Unterseite, die Brust und Teile der Beine sind heller, oft gelblich-weiß. Der buschige Schwanz ist dunkel gefärbt und erreicht eine Länge von 40 bis 50 cm.
Im Vergleich zu Wölfen und anderen Wildhunden besitzt der Rothund einen kürzeren, breiteren Schädel mit einer auffallend kurzen Schnauze. Die Ohren sind groß und abgerundet. Ein taxonomisch bedeutsames Merkmal ist das Gebiss: Rothunde haben im Unterkiefer nur zwei statt der bei Caniden üblichen drei Molaren, sodass sich die Gesamtzahl der Zähne auf 40 reduziert. Dieser Unterschied gegenüber anderen Vertretern der Familie Canidae war einer der Gründe, den Rothund in eine eigene Gattung – Cuon – zu stellen.
Lebensraum & Verbreitung
Das historische Verbreitungsgebiet des Rothundes erstreckte sich einst von Zentralasien über den gesamten indischen Subkontinent bis nach Südostasien, China und die Malaiische Halbinsel. Heute ist das Areal stark fragmentiert. Größere Populationen existieren noch in Indien, Myanmar, Thailand, Laos und Bhutan. In weiten Teilen Chinas, Russlands und der Mongolei gilt die Art als ausgestorben oder extrem selten.
Was das Habitat betrifft, zeigt sich der Rothund erstaunlich anpassungsfähig. Er besiedelt tropische Regenwälder, trockene Laubwälder, alpine Steppen und Gebirgslagen bis über 4.000 Meter Höhe. Entscheidend für die Wahl des Biotops sind ein ausreichendes Beuteangebot und das Vorhandensein von Deckung in Form dichter Vegetation oder felsiger Strukturen, die als Rückzugsorte und Wurfhöhlen dienen.
Ernährung
Der Rothund ist ein ausgeprägter Fleischfresser. Im Rudel jagt er bevorzugt mittelgroße bis große Huftiere wie Axishirsche, Sambarhirsche, Muntjaks und Wildschweine. In Gebirgsregionen gehören auch Blauschafe und Tahr zur Beute. Kleinere Säugetiere, Hasen und gelegentlich auch Vögel oder Eidechsen ergänzen den Speiseplan.
Die Jagdstrategie der Rothunde basiert auf Ausdauer und Kooperation. Das Rudel hetzt die Beute über längere Distanzen, wobei einzelne Tiere abwechselnd die Verfolgung übernehmen. Diese koordinierte Hetzjagd ermöglicht es den vergleichsweise leichten Hunden, Beutetiere zu erlegen, die ein Vielfaches ihres eigenen Körpergewichts wiegen. Die Beute wird in der Regel am Fangplatz gemeinsam gefressen, wobei Welpen und jüngere Rudelmitglieder Vorrang erhalten – ein Verhalten, das bei anderen Caniden in dieser Ausprägung selten zu beobachten ist.
Verhalten & Lebensweise
Rothunde sind hochsoziale Tiere, die in Rudeln von durchschnittlich 5 bis 12 Individuen leben. In nahrungsreichen Gebieten wurden gelegentlich auch Verbände von bis zu 40 Tieren beobachtet. Das Rudel besteht in der Regel aus einem dominanten Paar und dessen Nachkommen verschiedener Jahrgänge sowie einzelnen nicht verwandten Tieren. Die Hierarchie innerhalb des Rudels ist weniger starr als etwa bei Wölfen und wird selten durch aggressive Auseinandersetzungen durchgesetzt.
Die Aktivitätsmuster variieren je nach Lebensraum und Beuteverfügbarkeit. In den meisten Gebieten sind Rothunde vorwiegend in der Dämmerung und am frühen Morgen aktiv, können aber auch tagsüber jagen. Nachtaktives Verhalten wurde insbesondere in Regionen mit hohem menschlichem Störungsdruck dokumentiert.
Die Kommunikation erfolgt über ein breites Repertoire an Lautäußerungen. Charakteristisch sind pfeifende, fast vogelartige Rufe, mit denen sich Rudelmitglieder in dichter Vegetation verständigen. Im Gegensatz zu Wölfen heulen Rothunde nicht. Das Revier wird durch Kot- und Urinmarkierungen an markanten Stellen gekennzeichnet und kann je nach Beutedichte Flächen von 40 bis über 800 Quadratkilometern umfassen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in den meisten Verbreitungsgebieten auf die Monate Oktober bis Januar. Nach einer Tragzeit von etwa 60 bis 63 Tagen bringt das Weibchen durchschnittlich vier bis sechs Welpen zur Welt, in Ausnahmefällen bis zu zwölf. Die Jungtiere werden in Erdhöhlen oder Felsspalten geboren und sind bei der Geburt blind und hilflos.
Die Aufzucht ist eine Gemeinschaftsleistung des gesamten Rudels. Nicht nur die Mutter, sondern auch andere erwachsene Tiere – einschließlich der Rüden – würgen vorverdaute Nahrung hervor, um die Welpen zu füttern. Einzelne Rudelmitglieder bleiben als Wächter bei den Jungen zurück, während der Rest des Rudels auf die Jagd geht. Die Welpen werden mit etwa zwei Monaten entwöhnt und nehmen ab einem Alter von rund drei Monaten an den Jagdzügen teil. Die Geschlechtsreife tritt mit etwa einem Jahr ein.