T Tierlexikon.net
← Lexikon

Rotschenkel

R

Tierart – Vögel > Wasservögel – Watvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tringa totanus
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
  • Gattung: Wasserläufer (Tringa)
  • Lebensraum: Feuchtwiesen, Salzwiesen, Wattenmeer, Marschen, Flussufer
  • Größe: 27–29 cm Körperlänge, Flügelspannweite 45–52 cm
  • Gewicht: 85–155 g
  • Lebenserwartung: 10–15 Jahre, in Ausnahmefällen über 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Rotschenkel ist ein mittelgroßer, kompakt gebauter Watvogel, der sich durch seine namensgebenden leuchtend orangeroten Beine von verwandten Arten gut unterscheiden lässt. Der gerade, mittellange Schnabel ist an der Basis ebenfalls orangerot gefärbt und weist eine dunkle Spitze auf. Im Prachtkleid zeigt das Gefieder der Oberseite eine warmbraune Grundfärbung mit dunklen Flecken und Strichelungen. Die Unterseite ist heller, weißlich bis rahmfarben, mit deutlicher dunkler Strichelung und Fleckung an Brust und Flanken.

Im Schlichtkleid wirkt der Rotschenkel insgesamt blasser und gleichmäßiger graubraun gefärbt. Ein auffälliges Bestimmungsmerkmal im Flug ist der breite, weiße Hinterrand der Flügel sowie der weiße Bürzel, der sich keilförmig auf den Rücken erstreckt. Diese Merkmale ermöglichen eine sichere Unterscheidung von ähnlichen Arten wie dem Dunklen Wasserläufer (Tringa erythropus), der im Schlichtkleid ähnlich wirken kann, aber längere Beine und keinen weißen Flügelstreif besitzt. Jungvögel ähneln adulten Vögeln im Schlichtkleid, zeigen jedoch eine stärker geschuppte Oberseite mit warm ockerfarbenen Federsäumen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Rotschenkels erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Die Art brütet von Island und Westeuropa ostwärts bis nach Zentralasien und in die Mandschurei. In Europa liegen die Schwerpunkte des Brutvorkommens in den Küstenregionen der Nord- und Ostsee, auf den Britischen Inseln, in Skandinavien und in den Feuchtgebieten Osteuropas. In Deutschland ist der Rotschenkel ein verbreiteter, aber im Bestand rückläufiger Brutvogel, der vor allem in den Küstenmarschen und auf küstennahen Feuchtwiesen Niedersachsens und Schleswig-Holsteins siedelt.

Als Habitat bevorzugt der Rotschenkel offene, feuchte bis nasse Grünlandflächen mit kurzer bis mittlerer Vegetation. Salzwiesen der Meeresküsten, Überschwemmungswiesen in Flussniederungen und extensiv bewirtschaftete Feuchtwiesen stellen die typischen Brutbiotope dar. Außerhalb der Brutzeit hält sich die Art an Schlickflächen des Wattenmeers, an Flussmündungen, in Lagunen und an flachen Küstenabschnitten auf. Europäische Populationen überwintern größtenteils an den Küsten Westeuropas, des Mittelmeerraums und Westafrikas. Isländische Vögel ziehen bis an die Küsten der Britischen Inseln und Frankreichs.

Ernährung

Der Rotschenkel ernährt sich von einer Vielzahl wirbelloser Tiere. Im Wattenmeer stochert er mit dem Schnabel systematisch im weichen Schlick nach Würmern, kleinen Schnecken, Muscheln und Krebstieren. Auf den Brutwiesen nehmen Insekten und deren Larven – darunter Käfer, Fliegen und Mückenlarven – einen großen Anteil an der Nahrung ein. Auch Spinnen und kleine Schnecken werden regelmäßig aufgenommen.

Die Nahrungssuche erfolgt sowohl visuell, durch schnelles Aufpicken von der Oberfläche, als auch taktil, durch rhythmisches Sondieren im weichen Boden. Im flachen Wasser watet der Rotschenkel mit typischen, zügigen Schrittbewegungen und schnappt Beutetiere von der Wasseroberfläche oder aus der oberen Sedimentschicht. Im Winterquartier bilden Schlickwürmer der Gattung Nereis und kleine Wattschnecken (Hydrobia) einen Hauptbestandteil der Nahrung.

Verhalten & Lebensweise

Der Rotschenkel ist überwiegend tagaktiv, kann aber insbesondere während der Zugzeit und in den Rastgebieten auch nachts aktiv sein und nach Nahrung suchen – abhängig vom Gezeitenrhythmus. Während der Brutzeit verteidigen die Paare ein Revier, das sie lautstark gegen Artgenossen und Eindringlinge abgrenzen. Die Rufe des Rotschenkels sind durchdringend und weithin hörbar: ein melodisches, abfallendes „tjü-lü-lü" im Flug und ein aufgeregtes, wiederholtes „tjük-tjük-tjük" bei Störungen.

Aufgrund seines ausgeprägten Warnverhaltens wird der Rotschenkel im norddeutschen Sprachraum gelegentlich als „Wächter der Salzwiese" bezeichnet. Er warnt mit seinen lauten Alarmrufen nicht nur Artgenossen, sondern auch andere Vogelarten vor Bodenfeinden und Greifvögeln. Außerhalb der Brutzeit ist der Rotschenkel gesellig und bildet an geeigneten Rast- und Nahrungsplätzen Trupps von mehreren Dutzend bis hunderten Individuen, oft vergesellschaftet mit Alpenstrandläufern, Grünschenkeln oder Austernfischern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt ab Ende März bis April. Das Männchen zeigt auffällige Singflüge, bei denen es mit zitternden Flügelschlägen über dem Revier aufsteigt und dabei seinen charakteristischen, trillerartigen Gesang vorträgt. Am Boden werden dem Weibchen mehrere flache Nestmulden präsentiert, von denen das Weibchen eine auswählt und mit Grashalmen sparsam auskleidet.

Das Gelege besteht in der Regel aus vier birnenförmigen, olivfarbenen bis bräunlich gefleckten Eiern. Beide Partner teilen sich das Brutgeschäft,