Rotwolf
RTierart – Säugetiere > Raubtiere – Hunde (wild)
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Canis rufus
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Hunde (Canidae)
- Gattung: Wolfsartige (Canis)
- Lebensraum: Sumpfgebiete, Küstenprärien, Laubwälder im Südosten der USA
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 100–130 cm, Schulterhöhe 60–80 cm
- Gewicht: 20–40 kg
- Lebenserwartung: 7–8 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 14 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Rotwolf ist ein mittelgroßer Wildhund, der in seiner Statur zwischen dem Grauwolf (Canis lupus) und dem Kojoten (Canis latrans) einzuordnen ist. Sein Körperbau wirkt insgesamt schlanker und hochbeiniger als der des Grauwolfs, mit einem verhältnismäßig schmalen Brustkorb und langen, dünnen Läufen. Der Kopf ist schmal mit einer spitz zulaufenden Schnauze und großen, aufrecht stehenden Ohren, die dem Rotwolf ein wachsames Erscheinungsbild verleihen.
Das Fell variiert in der Färbung erheblich: Typisch ist eine Mischung aus zimtfarbenen, rotbraunen und gelbbraunen Tönen, durchsetzt mit grauen und schwarzen Haaren, vor allem entlang des Rückens und der Schwanzoberseite. Die namensgebende rötliche Färbung tritt besonders an den Ohren, im Nacken und an den Außenseiten der Hinterläufe hervor. Die Unterseite ist heller, oft cremefarben bis weißlich. Die Schwanzspitze ist in der Regel schwarz. Im Winter wird das Fell dichter und dunkler, während es im Sommer kürzer und heller ausfällt.
Lebensraum & Verbreitung
Das historische Verbreitungsgebiet des Rotwolfs erstreckte sich einst über den gesamten Südosten der Vereinigten Staaten – von der Atlantikküste bis nach Zentraltexas und von der Golfküste nordwärts bis in den Süden von Illinois und Indiana. Diese Art besiedelte eine Vielzahl von Habitaten: Küstenmarschen, Feuchtprärien, Sumpfwälder, subtropische Laubwälder und Flussauen.
Durch intensive Bejagung, Lebensraumzerstörung und Hybridisierung mit Kojoten wurde der Rotwolf bis 1980 in freier Wildbahn vollständig ausgerottet. Ein Wiederansiedlungsprogramm des U.S. Fish and Wildlife Service führte ab 1987 zur Freilassung von Tieren aus Zuchtprogrammen im Alligator River National Wildlife Refuge in North Carolina. Dieses Gebiet an der Küste von North Carolina ist heute das einzige Biotop, in dem freilebende Rotwölfe vorkommen. Die Population umfasst dort nur noch wenige Dutzend Individuen. Weitere Rotwölfe werden in verschiedenen Zuchtstationen und Zoos in Nordamerika gehalten.
Ernährung
Der Rotwolf ist ein opportunistischer Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Zu seinen Hauptbeutetieren zählen Weißwedelhirsche, Waschbären, Sumpfkaninchen und verschiedene Nagetiere wie Bisam- und Nutrias. Ergänzt wird der Speiseplan durch Vögel, Insekten und gelegentlich Aas. In Küstennähe frisst der Rotwolf auch Krebstiere.
Die Jagdstrategie variiert je nach Beutegröße: Kleinere Beute wird von einzelnen Tieren erbeutet, während größere Beutetiere wie Weißwedelhirsche gemeinschaftlich im Paar oder in kleinen Familiengruppen gehetzt werden. Im Gegensatz zum Grauwolf, der auf koordinierte Rudeljagd spezialisiert ist, agiert der Rotwolf bei der Nahrungssuche flexibler und häufiger allein oder zu zweit.
Verhalten & Lebensweise
Rotwölfe sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, was teilweise als Anpassung an menschliche Störungen gedeutet wird. Tagsüber ruhen sie in dichter Vegetation, Erdmulden oder verlassenen Bauten anderer Tiere.
Die soziale Grundeinheit ist das monogame Elternpaar mit seinen Nachkommen des laufenden und manchmal des vorangegangenen Jahres. Größere Rudel, wie sie beim Grauwolf typisch sind, bilden sich beim Rotwolf selten. Ein Familienverband umfasst in der Regel fünf bis acht Tiere. Junge Rotwölfe verlassen das elterliche Revier meist im Alter von ein bis zwei Jahren, um eigene Territorien zu etablieren.
Die Reviere werden durch Urinmarkierungen und Heulen gegenüber Artgenossen abgegrenzt. Die Größe eines Territoriums schwankt je nach Lebensraum und Nahrungsverfügbarkeit zwischen 25 und 160 Quadratkilometern. Das Heulen des Rotwolfs ist höher und kürzer als das des Grauwolfs und ähnelt in manchen Aspekten dem des Kojoten.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in die Monate Januar bis März. Nach einer Tragzeit von etwa 60 bis 63 Tagen bringt die Fähe im Frühjahr – meist im April oder Mai – einen Wurf von durchschnittlich drei bis sechs Welpen zur Welt. Als Wurfhöhle dienen Erdhöhlen, hohle Baumstämme, Uferböschungen oder dichte Vegetation.
Die Welpen kommen blind und hilflos zur Welt und wiegen bei der Geburt rund 300 bis 500 Gramm. Ihre Augen öffnen sich nach etwa zehn Tagen. Beide Elterntiere sowie gelegentlich ältere Geschwister beteiligen sich an der Aufzucht: Sie tragen vorverdaute Nahrung herbei und bewachen den Wurfplatz. Nach sechs bis acht Wochen beginnen die Jungtiere, feste Nahrung aufzunehmen. Mit etwa sechs Monaten begleiten sie die Eltern auf Streifzügen, und die Geschlechtsreife tritt im Alter von etwa 22 Monaten ein.
Bedrohung & Schutzstatus
Der Rotwolf gilt als das am stärksten bedrohte Wildhundart Nordamerikas. Die IUCN stuft