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Russische Landschildkröte

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Tierart – Reptilien > Schildkröten – Land

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Testudo horsfieldii (Gray, 1844)
  • Ordnung: Schildkröten (Testudines)
  • Familie: Landschildkröten (Testudinidae)
  • Gattung: Paläarktische Landschildkröten (Testudo)
  • Lebensraum: Steppen, Halbwüsten und Gebirgsvorland Zentralasiens
  • Größe: Carapaxlänge 15–25 cm, Weibchen meist größer als Männchen
  • Gewicht: 600–2.000 g
  • Lebenserwartung: 40–60 Jahre, in Einzelfällen über 80 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Russische Landschildkröte besitzt einen flach gewölbten, rundlich-ovalen Rückenpanzer (Carapax), der sie deutlich von den stärker hochgewölbten Arten der Gattung Testudo unterscheidet. Die Grundfarbe des Panzers variiert von horngelb über olivgrün bis hin zu bräunlichen Tönen. Jeder Hornschild (Scute) trägt in der Regel einen dunkelbraunen bis schwarzen Fleck, der bei älteren Tieren verblassen kann. Der Bauchpanzer (Plastron) ist dunkel gefärbt mit hellen Rändern.

Ein wesentliches Bestimmungsmerkmal sind die vier Krallen an jeder Vorder- und Hinterpfote. Die meisten anderen Testudo-Arten besitzen an den Vorderbeinen fünf Krallen, weshalb die Art im englischen Sprachraum auch als „Four-toed Tortoise" bezeichnet wird. Die kräftigen, mit groben Schuppen bedeckten Vorderbeine sind als Grabwerkzeuge ausgebildet. Der Kopf ist kompakt, die Augen dunkel mit runder Pupille. Männchen bleiben kleiner als Weibchen und sind an ihrem längeren, dickeren Schwanz sowie dem leicht nach innen gewölbten Plastron zu erkennen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Russischen Landschildkröte erstreckt sich über weite Teile Zentralasiens. Es reicht vom östlichen Iran und Afghanistan über Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan bis in den Süden Kasachstans sowie den Nordwesten Chinas (Xinjiang) und den Norden Pakistans. Damit ist sie die am weitesten nördlich vorkommende Art der Gattung Testudo.

Ihr bevorzugtes Habitat sind trockene Steppen, Halbwüsten, lehmige und sandige Ebenen sowie felsige Hanglagen in Höhen von bis zu 2.500 Metern. Die Art besiedelt auch landwirtschaftlich genutzte Flächen, Bewässerungskanäle und Randbereiche von Oasen. Entscheidend für die Wahl des Biotops ist ein lockerer, grabbarer Untergrund, da die Schildkröten auf die Anlage tiefer Erdbauten angewiesen sind.

Ernährung

Die Russische Landschildkröte ist eine reine Herbivore. Ihre Nahrung besteht aus Wildkräutern, Gräsern, Blüten, Blättern und gelegentlich Früchten. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet frisst sie bevorzugt kurzlebige Steppenpflanzen, die nach der Schneeschmelze oder nach Regenfällen sprießen. Dazu gehören unter anderem Wegerich-Arten (Plantago), Klee (Trifolium), verschiedene Kreuzblütler und Hülsenfrüchtler.

In menschlicher Obhut sollte die Ernährung möglichst rohfaserreich und kalziumhaltig gestaltet werden. Wildkräuter wie Löwenzahn, Spitzwegerich und Breitwegerich bilden eine geeignete Grundlage. Obst, Salat und eiweißreiche Kost sind dagegen ungeeignet und führen langfristig zu Panzerdeformationen und Organschäden. Eine ausreichende Versorgung mit Kalzium – etwa durch Sepiaschalen – ist für den Panzeraufbau unerlässlich.

Verhalten & Lebensweise

Die Russische Landschildkröte ist tagaktiv und zeigt eine ausgeprägte Aktivitätsperiodik. In ihrem natürlichen Habitat ist sie nur wenige Monate im Jahr an der Oberfläche aktiv – typischerweise von März bis Juni. Sobald die Vegetation in der Sommerhitze verdorrt, zieht sie sich in selbst gegrabene Erdbauten zurück und verfällt in eine Sommerruhe (Ästivation), die nahtlos in die Winterstarre (Hibernation) übergeht. Die Tiere verbringen somit bis zu neun Monate des Jahres unter der Erde.

Die Erdbauten können eine Tiefe von über einem Meter erreichen. Sie dienen als Schutz vor Extremtemperaturen, Fressfeinden und Austrocknung. Die Schildkröten sind Einzelgänger ohne feste Revierstrukturen, tolerieren aber Artgenossen in ihrer Nähe, solange das Nahrungsangebot ausreicht. Innerhalb der kurzen Aktivitätsphase legen sie auf der Suche nach Futter und Paarungspartnern beträchtliche Strecken zurück.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit beginnt unmittelbar nach dem Erwachen aus der Winterstarre, meist im März oder April. Die Balz der Männchen ist robust: Sie umkreisen die Weibchen, rammen deren Panzer und beißen in die Vorderbeine, um das Weibchen zum Stehenbleiben zu bewegen. Während der Kopulation stoßen die Männchen charakteristische piepsende Laute aus.

Vier bis sechs Wochen nach der Paarung legt das Weibchen ein bis fünf, selten bis zu neun Eier in eine selbst gegrabene Nestgrube. Pro Saison sind bis zu drei Gelege möglich. Die Eier haben eine rundlich-ovale Form und eine weiße, leicht raue Kalkschale. Die Inkubationszeit beträgt je nach Temperatur 60 bis 120 Tage. Wie bei vielen Reptilien ist die Geschlechtsbestimmung temperaturabhängig: Höhere Bruttemperaturen bringen tendenziell mehr Weibchen hervor. Die Schlüpflinge wiegen etwa 8–15 g und sind vom ersten Tag an selbstständig. Eine elterliche Fürsorge findet nicht statt.

Bedrohung & Schutzstatus

Die IUCN stuft die Russische Landschildkröte als „Vulnerable" (gefährdet) ein. Die Hauptgefährdungsursachen sind der Verlust von Lebensräumen durch