Sanderling
STierart – Vögel > Wasservögel – Watvögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Calidris alba
- Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
- Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
- Gattung: Strandläufer (Calidris)
- Lebensraum: Sandstrände, Wattflächen, arktische Tundra (Brutgebiet)
- Größe: 18–21 cm Körperlänge, Flügelspannweite 35–39 cm
- Gewicht: 40–100 g (jahreszeitlich schwankend)
- Lebenserwartung: bis zu 17 Jahre, durchschnittlich 10–12 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Sanderling ist ein kleiner, kompakt gebauter Watvogel, der im Schlichtkleid durch sein auffallend helles Gefieder besticht. Oberseite und Flügeloberseiten zeigen ein blasses Silbergrau, die Unterseite ist reinweiß. Im Flug wird ein markanter weißer Flügelstreif sichtbar, der als gutes Bestimmungsmerkmal dient. Der kurze, gerade und schwarze Schnabel ist kräftig gebaut und etwas dicker als bei anderen Strandläufern vergleichbarer Größe. Die Beine sind schwarz und relativ kurz.
Im Prachtkleid, das die Vögel im Brutgebiet tragen, wandelt sich das Erscheinungsbild deutlich: Kopf, Brust und Oberseite weisen dann eine warm rostbraune Färbung mit dunklen Flecken auf, während der Bauch weiß bleibt. Ein wesentliches anatomisches Merkmal, das den Sanderling von allen anderen Strandläufern der Gattung Calidris unterscheidet, ist das Fehlen der Hinterzehe. Er besitzt lediglich drei nach vorn gerichtete Zehen – ein Merkmal, das früher zur Einordnung in eine eigene Gattung (Crocethia) führte, die heute jedoch nicht mehr anerkannt wird.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Sanderlings ist zirkumpolar. Die Brutgebiete liegen in der hocharktischen Tundra, vor allem auf Grönland, Spitzbergen, in Nordsibirien und im arktischen Kanada. Der Sanderling besiedelt dort trockene, steinige Tundrahabitate in Küstennähe oder an Flussmündungen.
Außerhalb der Brutzeit gehört der Sanderling zu den am weitesten verbreiteten Limikolen der Welt. Sein Überwinterungsgebiet erstreckt sich über die Küsten aller Kontinente mit Ausnahme der Antarktis – von Westeuropa und Afrika über Süd- und Südostasien bis Australien und die Küsten Nord- und Südamerikas. Als Biotop bevorzugt er dabei offene Sandstrände mit Brandungszonen, wo er in kleinen Trupps an der Wasserlinie entlangläuft. An der deutschen Nordseeküste, insbesondere im Wattenmeer, ist er ein regelmäßiger Durchzügler und Wintergast. An der Ostsee tritt er seltener auf.
Die Zugstrecken sind enorm: Einzelne Individuen legen zwischen Brutgebiet und Winterquartier über 10.000 Kilometer zurück. Wichtige Rastgebiete in Europa sind das niederländische, deutsche und dänische Wattenmeer.
Ernährung
Der Sanderling ernährt sich überwiegend von wirbellosen Tieren. Am Strand bilden kleine Krebstiere wie Flohkrebse (Amphipoda), Muschelkrebse und Wattwürmer die Hauptnahrung. Ergänzt wird das Nahrungsspektrum durch Insektenlarven, kleine Muscheln und Schnecken sowie gelegentlich Seetang-assoziierte Organismen. In den arktischen Brutgebieten stellen Insekten und deren Larven – vor allem Mücken und Fliegen – die Hauptnahrungsquelle dar. Pflanzliche Kost spielt eine untergeordnete Rolle, kann aber in Form von Samen und Knospen während der Brutzeit aufgenommen werden.
Die Nahrungssuche erfolgt typischerweise im flachen Spülsaum, wo der Sanderling mit schnellen Schnabelstößen im feuchten Sand nach Beutetieren stochert. Er nutzt dabei die zurücklaufenden Wellen, um freigelegte Nahrung aufzunehmen.
Verhalten & Lebensweise
Das auffälligste Verhaltensmerkmal des Sanderlings ist sein rastloses Hin- und Herlaufen am Brandungssaum. Die Vögel folgen den zurückweichenden Wellen mit schnellen, trippelnden Schritten, picken Nahrung auf und weichen der nächsten anrollenden Welle geschickt aus. Dieses mechanisch wirkende Verhalten ist so charakteristisch, dass es den Sanderling selbst für ungeübte Beobachter leicht kenntlich macht.
Außerhalb der Brutzeit ist der Sanderling gesellig und bildet Trupps von wenigen Dutzend bis mehreren Hundert Individuen. Diese Schwärme vermengen sich an Rastplätzen oft mit anderen Limikolenarten wie Alpenstrandläufern (Calidris alpina) oder Knutts (Calidris canutus). Die Aktivität ist überwiegend tagaktiv, richtet sich im Winterquartier aber stark nach dem Tiderhythmus. Bei Hochwasser ziehen sich die Trupps auf höher gelegene Ruheplätze zurück.
Der Sanderling ist ein ausgesprochener Langstreckenzieher. Der Frühjahrszug erfolgt ab April, der Herbstzug beginnt bereits im Juli, wenn die ersten Altvögel die Brutgebiete verlassen. Jungvögel folgen einige Wochen später.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit fällt in den kurzen arktischen Sommer, hauptsächlich in den Juni und Juli. Das Nest ist eine flache, spärlich mit Pflanzenteilen ausgelegte Mulde am Boden, meist in trockener, steiniger Tundra. Das Gelege besteht in der Regel aus vier olivgrünen bis bräunlichen Eiern mit dunkler Fleckung.
Ein ungewöhnliches Merkmal der Fortpflanzungsbiologie ist das bei manchen Populationen beobachtete Doppelgelege-System: Das Weibchen legt zunächst ein Gelege, das vom Männchen bebrütet wird, und produziert anschließend ein zweites Gelege, das es selbst ausbrütet. Diese Strategie maximiert den Bruterfolg unter den extremen Bedingungen der kurzen arktischen Vegetationsperiode