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Sandregenpfeifer

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Watvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Charadrius hiaticula
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Regenpfeifer (Charadriidae)
  • Gattung: Charadrius
  • Lebensraum: Sandstrände, Kiesstrände, Wattflächen, Flussufer
  • Größe: 17–20 cm Körperlänge, Flügelspannweite 48–57 cm
  • Gewicht: 40–75 g
  • Lebenserwartung: Bis zu 10 Jahre, in Ausnahmefällen über 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Sandregenpfeifer ist ein kompakter, rundlich wirkender Watvogel mit vergleichsweise kurzem Schnabel und relativ großem Kopf. Im Prachtkleid zeigt er eine auffällige schwarz-weiße Kopfzeichnung: Ein breites schwarzes Brustband zieht sich wie ein Halsband über die Vorderbrust, darüber liegt ein weißes Kehlfeld. Die Stirn trägt ein schwarzes Band, das von einem weißen Streifen darüber begrenzt wird. Ein schwarzer Zügelstreif verläuft vom Schnabel durch das Auge. Die Oberseite des Gefieders ist sandbraun bis graubraun, die Unterseite reinweiß.

Der kurze, kräftige Schnabel ist an der Basis orange gefärbt und weist eine schwarze Spitze auf. Die Beine sind im Prachtkleid leuchtend orange, im Schlichtkleid blasser. Der orangefarbene Orbitalring um das Auge ist ein weiteres Erkennungsmerkmal. Im Schlichtkleid verblassen die schwarzen Partien zu Brauntönen, und das Brustband wird unvollständig. Jungvögel ähneln den Altvögeln im Schlichtkleid, zeigen jedoch kein vollständiges Brustband und besitzen gelbliche bis fleischfarbene Beine.

Vom nah verwandten Flussregenpfeifer (Charadrius dubius) unterscheidet sich der Sandregenpfeifer durch das breitere Brustband, den kräftigeren Schnabel mit orangefarbener Basis, die fehlende gelbe Augenringfärbung und die orangefarbenen Beine. Zudem zeigt er im Flug einen deutlichen weißen Flügelstreif, der beim Flussregenpfeifer fehlt oder nur schwach ausgeprägt ist.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Sandregenpfeifers erstreckt sich über die arktischen und subarktischen Regionen der Paläarktis sowie über die Küsten Nordwesteuropas. Brutvorkommen finden sich von Nordostkanada über Grönland und Island bis nach Skandinavien, an die Küsten der Nord- und Ostsee sowie ostwärts bis nach Sibirien. In Mitteleuropa brütet die Art vor allem an den Küsten der Nordsee und der westlichen Ostsee.

Als bevorzugtes Habitat wählt der Sandregenpfeifer offene, vegetationsarme Flächen in Küstennähe. Sandstrände, Kiesbänke, Dünenränder, Wattflächen und Spülsäume gehören zu seinen typischen Biotopen. Gelegentlich besiedelt er auch aufgespülte Flächen, Hafengelände oder Industriebrachen in Küstennähe. Im Binnenland tritt die Art als Brutvogel nur vereinzelt auf, etwa an Kiesgruben oder Flussufern.

Der Sandregenpfeifer ist ein Zugvogel. Die europäischen Brutvögel überwintern an den Küsten Westafrikas, im Mittelmeerraum und an den Küsten Westeuropas. Die arktischen Populationen legen dabei Zugstrecken von mehreren Tausend Kilometern zurück. Auf dem Durchzug rastet die Art an Schlickflächen, Salzmarschen und Flussmündungen.

Ernährung

Die Nahrung des Sandregenpfeifers besteht überwiegend aus kleinen Wirbellosen. Er erbeutet Insekten und deren Larven, kleine Krebstiere, Würmer, Schnecken und Muscheln. Die Nahrungssuche erfolgt nach dem typischen Regenpfeifer-Muster: Der Vogel rennt in kurzen Sprints über den Boden, verharrt abrupt und pickt dann gezielt nach sichtbarer Beute. Dieses Rennen-Stoppen-Picken unterscheidet die Nahrungssuche der Regenpfeifer von der stochernden Technik vieler anderer Watvögel wie etwa Schnepfen oder Strandläufer.

Im Wattenmeer bilden Wattschnecken, kleine Schlickkrebse und Borstenwürmer die Hauptnahrung. Während der Brutzeit in der Tundra verschiebt sich das Nahrungsspektrum stärker in Richtung Insekten, insbesondere Zweiflügler und Käfer.

Verhalten & Lebensweise

Der Sandregenpfeifer ist überwiegend tagaktiv, sucht aber bei entsprechenden Gezeitenverhältnissen auch in der Dämmerung und nachts nach Nahrung. Außerhalb der Brutzeit lebt er gesellig und bildet an Rastplätzen Trupps von mehreren Dutzend bis einigen Hundert Individuen, die sich häufig mit anderen Watvögeln wie Alpenstrandläufern oder Seeregenpfeifern vergesellschaften.

In der Brutzeit verteidigen die Paare ein Revier, das je nach Habitatqualität einige Hundert Quadratmeter bis wenige Hektar umfassen kann. Gegenüber Artgenossen und anderen bodenbrütenden Vögeln zeigt der Sandregenpfeifer deutliches Territorialverhalten mit Drohgebärden und Verfolgungsflügen.

Der Ruf ist ein weich pfeifendes, zweisilbiges „tü-lip" oder „too-li", das auf dem Zug und am Brutplatz häufig zu hören ist. Der Balzgesang besteht aus einer wiederholten, melodischen Strophe, die im langsamen Schmetterlingsflug vorgetragen wird.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt ab April. Das Männchen legt mehrere Nistmulden an, indem es sich an geeigneten Stellen in den Sand oder Kies dreht. Das Weibchen wählt eine dieser Mulden aus, die spärlich mit Steinchen, Muschelschatten oder kleinen Pflanzenstücken ausgelegt wird. Das Gelege besteht in der Regel aus vier birnenförmigen, sandfarben gesprenkelten Eiern, die hervorragend mit dem Untergrund verschmelzen.