T Tierlexikon.net
← Lexikon

Sattelunterlage

S

Sport & Training > Reitausrüstung

Definition und Überblick

Eine Sattelunterlage ist ein flächiges Textil- oder Materialteil, das zwischen dem Pferderücken und dem Sattel platziert wird. Sie dient primär dem Schutz des Pferdes vor Druckstellen, Reibung und Schweiß, schützt aber gleichzeitig auch die Unterseite des Sattels vor Verschmutzung und Feuchtigkeit. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe Schabracke, Satteldecke und Sattelunterlage häufig synonym verwendet, obwohl sie sich in Form, Schnitt und Funktion teilweise unterscheiden. In der Reitsportpraxis gehört die Sattelunterlage zur absoluten Grundausstattung – kein Reiter legt einen Sattel ohne eine entsprechende Unterlage auf den Pferderücken.

Abgrenzung: Schabracke, Satteldecke und Sattelpad

Obwohl die Begriffe oft vermischt werden, lohnt sich eine Unterscheidung. Die Schabracke ist eine großflächig geschnittene Unterlage, die unter dem Sattel deutlich hervorschaut und häufig mit Kordeln, Stickereien oder Logos verziert ist. Sie ist in der Dressur und im Springreiten weit verbreitet und wird meist aus Baumwolle, Polyester oder Mischgewebe gefertigt.

Die Satteldecke ist dagegen enger am Sattelschnitt orientiert und folgt der Kontur des Sattels. Typisch ist die anatomisch geformte Satteldecke, die am Widerrist ausgespart ist und sich eng an die Sattelkissen anschmiegt. Sie bietet weniger Dekorfläche, sitzt dafür aber oft rutschfester.

Das Sattelpad wiederum ist eine dickere, gepolsterte Variante, die korrigierende oder stoßdämpfende Funktionen übernehmen kann. Pads aus Gel, Schaumstoff, Lammfell oder Memory-Foam werden oft zusätzlich zu einer Schabracke oder Satteldecke verwendet, um kleinere Passformprobleme des Sattels auszugleichen oder empfindliche Rückenpartien zu entlasten.

Materialien und ihre Eigenschaften

Die Wahl des Materials beeinflusst Tragekomfort, Atmungsaktivität, Pflegeleichtigkeit und Langlebigkeit der Sattelunterlage erheblich. Gängige Materialien sind:

  • Baumwolle: Naturfaser mit guter Saugfähigkeit und Hautverträglichkeit. Baumwollunterlagen lassen sich bei hohen Temperaturen waschen, trocknen jedoch relativ langsam. Sie sind besonders für Pferde mit empfindlicher Haut geeignet.
  • Lammfell (Merino): Echtes Lammfell besitzt hervorragende klimaregulierende Eigenschaften. Es wirkt im Sommer kühlend und im Winter wärmend, polstert den Rücken sanft und verteilt den Druck gleichmäßig. Lammfellunterlagen erfordern allerdings eine aufwendigere Pflege und regelmäßiges Ausbürsten.
  • Synthetische Funktionsfasern: Materialien wie Coolmax, Neopren oder Polyester-Mischgewebe leiten Feuchtigkeit schnell von der Haut weg und trocknen rasch. Sie sind pflegeleicht und formstabil, können bei manchen Pferden aber zu vermehrtem Schwitzen führen.
  • Filz: Traditionelles Material, das vor allem im Westernreiten als Sattelpad Verwendung findet. Wollfilz bietet eine gute Druckverteilung und ist robust, muss aber regelmäßig gelüftet und gebürstet werden.
  • Gel und Schaumstoff: Diese Materialien kommen bei korrigierenden Pads zum Einsatz. Geleinlagen absorbieren Stöße, während Schaumstoffe wie Memoryschaum sich der Rückenform anpassen.

Passform und korrekte Verwendung

Eine Sattelunterlage erfüllt ihren Zweck nur dann, wenn sie korrekt unter dem Sattel liegt. Entscheidend ist, dass die Unterlage am Widerrist nicht aufliegt, sondern in den Kissenkanal des Sattels hochgezogen wird. Dadurch entsteht eine Brücke über der Wirbelsäule, die Druckfreiheit auf den Dornfortsätzen gewährleistet. Liegt die Unterlage flach auf dem Widerrist, können Druckstellen, Scheuerstellen und langfristig sogar Satteldruck entstehen.

Die Sattelunterlage sollte weder zu groß noch zu klein für den jeweiligen Sattel sein. Eine zu große Unterlage kann Falten werfen und dadurch punktuellen Druck erzeugen. Eine zu kleine Unterlage schützt die Ränder des Sattelauflagenbereichs nicht ausreichend. Vorn und hinten sollte die Unterlage gleichmäßig unter dem Sattel hervorschauen – als Richtlinie gelten etwa zwei bis drei Fingerbreit.

Bei Verwendung eines zusätzlichen Pads ist darauf zu achten, dass die Gesamthöhe der Unterlagen die Sattelkammer nicht so weit anhebt, dass der Sattel instabil wird oder seitlich verrutscht. Ein Pad ersetzt niemals eine professionelle Sattelanpassung durch einen Sattler.

Pflege und Hygiene

Regelmäßige Pflege der Sattelunterlage ist für die Rückengesundheit des Pferdes unverzichtbar. Verschwitzte, verkrustete Unterlagen werden hart und können die Haut reizen. Baumwollschabracken und Synthetik-Satteldecken sollten nach jedem Gebrauch getrocknet und regelmäßig in der Maschine gewaschen werden – idealerweise mit einem milden, parfümfreien Waschmittel, um Hautreizungen zu vermeiden.

Lammfellunterlagen benötigen spezielle Lammfellwaschmittel, die das Lanolin der Wollfasern erhalten. Sie sollten liegend oder hängend an der Luft trocknen und niemals in den Trockner gegeben werden. Filzpads lassen sich mit einer Bürste von Haaren und Schmutz befreien und gelegentlich mit Essigwasser auswischen.

Es empfiehlt sich, mindestens zwei Sattelunterlagen im Wechsel zu verwenden, damit stets eine trockene und saubere Unterlage zur Verfügung steht.

Sattelunterlagen in verschiedenen Reitdisziplinen

Je nach Reitweise unterscheiden sich Form und Beschaffenheit der Sattelunterlagen deutlich. In der Dressur sind große, rechteckig geschnittene Schabracken üblich, die oft in W