T Tierlexikon.net
← Lexikon

Scheckung

S

Zucht & Fortpflanzung > Genetik & Vererbung

Definition und Überblick

Scheckung bezeichnet ein Fellmuster bei Tieren, bei dem weiße, pigmentlose Flecken unregelmäßig auf einer ansonsten gefärbten Körperoberfläche verteilt sind. Das betroffene Tier wird als Schecke bezeichnet. Die weißen Bereiche entstehen durch das Fehlen von Melanozyten – jenen Zellen, die für die Bildung des Hautfarbstoffs Melanin verantwortlich sind. Scheckung kommt bei zahlreichen Tierarten vor, darunter Pferde, Rinder, Hunde, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen. In der Tierzucht spielt sie seit Jahrhunderten eine bedeutende Rolle, da gescheckte Tiere oft gezielt selektiert und weitergezüchtet werden.

Der Begriff wird in der Genetik häufig synonym mit Piebaldismus oder Weißscheckung verwendet. Im englischen Sprachraum sind die Bezeichnungen piebald, pinto und spotted white gebräuchlich. Von der Scheckung abzugrenzen sind andere Farbmuster wie Schimmelung, Aufhellung oder Albinismus, die auf anderen genetischen Mechanismen beruhen.

Genetische Grundlagen

Die Entstehung von Scheckung hängt mit der Wanderung und Verteilung der Melanozyten während der Embryonalentwicklung zusammen. Melanozyten stammen aus der Neuralleiste, einer Struktur des frühen Embryos. Von dort aus wandern sie in die Haut und die Haarfollikel, wo sie Pigment produzieren. Wird diese Wanderung gestört oder unterbrochen, bleiben bestimmte Körperregionen ohne Melanozyten – dort entsteht weißes, pigmentloses Fell.

Genetisch wird Scheckung in den meisten Fällen durch Mutationen am KIT-Gen oder verwandten Genen gesteuert. Das KIT-Gen codiert einen Rezeptor, der für das Überleben, die Vermehrung und die Wanderung der Melanoblasten (Vorläuferzellen der Melanozyten) essenziell ist. Weitere beteiligte Gene sind MITF (Mikrophthalmie-assoziierter Transkriptionsfaktor) und EDNRB (Endothelin-Rezeptor B). Je nach betroffener Tierart und Mutation variieren der Erbgang und das Ausmaß der Scheckung erheblich.

Scheckung folgt in vielen Fällen einem unvollständig dominanten oder semidominanten Erbgang. Das bedeutet: Tiere mit einer Kopie des Scheckungsallels (heterozygot) zeigen eine begrenzte Weißzeichnung, während Tiere mit zwei Kopien (homozygot) deutlich ausgedehntere weiße Flächen aufweisen. In manchen Fällen kann die homozygote Form mit gesundheitlichen Einschränkungen verbunden sein.

Ausprägungsformen und Variabilität

Das Ausmaß der Scheckung variiert von minimaler Weißzeichnung – etwa einzelnen weißen Abzeichen an Beinen, Brust oder Stirn – bis hin zu nahezu vollständig weißen Tieren mit nur wenigen pigmentierten Stellen. In der Tierzucht werden verschiedene Grade unterschieden:

  • Minimale Scheckung: Kleine weiße Abzeichen wie Blesse, Stern oder weiße Zehen. Häufig bei Hunden und Pferden.
  • Moderate Scheckung: Größere weiße Flächen, die etwa ein Drittel bis die Hälfte der Körperoberfläche bedecken. Typisch für Plattenscecken bei Pferden oder die Mantelzeichnung bei Hunden.
  • Extreme Scheckung: Der Großteil des Körpers ist weiß, nur wenige pigmentierte Bereiche verbleiben, oft am Kopf oder an den Ohren.

Die genaue Verteilung der weißen Flecken ist nicht vollständig vorhersagbar. Selbst bei genetisch identischen Voraussetzungen unterscheiden sich die Muster zwischen Geschwistertieren. Dies liegt daran, dass die Melanozytenwanderung im Embryo stochastischen – also zufälligen – Einflüssen unterliegt. Die Grenzen zwischen pigmentierten und unpigmentierten Bereichen verlaufen bei manchen Rassen scharf, bei anderen fließend oder gesprenkelt.

Scheckung bei verschiedenen Tierarten

Beim Pferd ist Scheckung ein züchterisch bedeutsames Merkmal. Man unterscheidet unter anderem Tobiano, Overo und Tovero als verschiedene Scheckungstypen, die auf unterschiedlichen Genorten beruhen. Tobiano wird autosomal dominant vererbt und erzeugt typischerweise große, regelmäßige weiße Platten, die über den Rücken reichen. Overo-Muster zeigen eher horizontal angeordnete weiße Bereiche an den Seiten, wobei die Beine meist dunkel bleiben. Besondere Aufmerksamkeit verdient das Lethal White Overo Syndrome: Fohlen, die homozygot für die EDNRB-Mutation sind, kommen komplett weiß zur Welt und sterben wenige Tage nach der Geburt an einem fehlgebildeten Darm (Aganglionose).

Beim Hund steuert vor allem das S-Locus-Gen (MITF) die Weißscheckung. Je nach Rasse und Genotyp reicht die Bandbreite von der irischen Zeichnung (weiße Brust, Pfoten, Schwanzspitze) über Plattenzeichnung (z. B. Dalmatiner, Beagle) bis zur extremen Weißscheckung (z. B. weiße Bullterrier). Rassen wie der Australian Shepherd oder der Border Collie zeigen rassetypische Scheckungsmuster, die züchterisch erwünscht sind.

Bei Rindern ist die Scheckung bei vielen Kulturrassen ein Rassemerkmal. Holstein-Friesian-Rinder zeigen die charakteristische Schwarzbuntzeichnung, Hereford-Rinder die typische Weißkopfscheckung. Bei Katzen wird Weißscheckung ebenfalls durch das KIT-Gen beeinflusst und reicht von Lockets (kleinen weißen Brustflecken) bis zum Van-Muster, bei dem fast der gesamte Körper weiß ist und nur am Kopf und Schwanz Farbe verbleibt.

Gesundheitliche Aspekte

Extreme Scheckung kann mit gesundheitlichen Problemen verbunden sein. Da sich Melanozyten während der Embryonalentwicklung auch im Innenohr und in Teilen des Auges ansiedeln, führt ihr Feh