Scheren
SPflege & Hygiene > Pflege & Hygiene
Definition & Überblick
Unter Scheren versteht man das maschinelle oder manuelle Kürzen des Fells beziehungsweise der Wolle bei Tieren. In der Tierhaltung betrifft das Scheren vor allem Schafe, Pferde, Hunde, Kaninchen (insbesondere Angorakaninchen) sowie gelegentlich Katzen und Alpakas. Je nach Tierart und Haltungsform dient das Scheren unterschiedlichen Zwecken: Bei Schafen ist die regelmäßige Schur überlebenswichtig, da die Wolle ohne menschliches Eingreifen endlos weiterwächst und das Tier in seiner Bewegungsfreiheit, Thermoregulation und Hygiene massiv einschränkt. Bei Pferden erfolgt eine Schur häufig im Winter, um stark schwitzenden Arbeitspferden das Trocknen zu erleichtern und Hautproblemen vorzubeugen. Bei Hunden wird das Scheren je nach Rasse als Teil der regelmäßigen Fellpflege durchgeführt – wobei hier besondere Vorsicht geboten ist, da nicht jede Rasse geschoren werden darf.
Grundsätzlich ist das Scheren eine Pflegemaßnahme, die dem Tierwohl dient, wenn sie fachgerecht und zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt wird. Im Sinne des Tierschutzes ist darauf zu achten, dass das Tier weder Schmerzen noch unnötigen Stress erleidet. In vielen Fällen ist das Scheren gesetzlich nicht explizit vorgeschrieben, ergibt sich aber aus der allgemeinen Pflicht zur artgerechten Haltung und Versorgung.
Grundlagen & Voraussetzungen
Bevor ein Tier geschoren wird, müssen einige grundlegende Fragen geklärt werden:
- Tierart und Rasse: Nicht jedes Tier muss oder sollte geschoren werden. Hunde mit Unterwolle und Deckhaar (z. B. Husky, Golden Retriever, Australian Shepherd) dürfen in der Regel nicht geschoren werden, da das Fell eine natürliche Schutzfunktion gegen Kälte, Hitze und UV-Strahlung übernimmt. Ein unsachgemäßes Scheren kann hier zu dauerhaften Fellschäden führen – dem sogenannten Post-Clipping-Alopezie-Syndrom. Rassen wie Pudel, Malteser oder Yorkshire Terrier hingegen benötigen regelmäßige Schur.
- Gesundheitszustand: Kranke, trächtige oder sehr alte Tiere reagieren empfindlicher auf die Prozedur. Hautverletzungen, Ekzeme oder Parasitenbefall sollten vorab tierärztlich behandelt werden.
- Jahreszeit: Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend. Schafe werden typischerweise im Frühjahr vor Beginn der warmen Monate geschoren. Pferde erhalten ihre Schur meist im Herbst oder frühen Winter. Das Scheren bei sommerlicher Hitze kann bei manchen Tieren kontraproduktiv sein, da das Fell auch als Sonnenschutz fungiert.
- Werkzeug: Professionelle Schermaschinen sind auf die jeweilige Tierart abgestimmt. Schafschermaschinen unterscheiden sich erheblich von Hundeschermaschinen. Die Klingen müssen scharf, sauber und gut geölt sein, um Hautirritationen und Zugschmerzen zu vermeiden.
- Umgebung: Der Scherplatz sollte ruhig, sauber und rutschfest sein. Tiere, die in einem vertrauten Gehege oder Stall geschoren werden, zeigen weniger Stressreaktionen als in fremder Umgebung.
Praktische Umsetzung
Die konkrete Durchführung unterscheidet sich je nach Tierart, folgt aber einem gemeinsamen Grundprinzip:
- Vorbereitung: Das Fell sollte trocken und möglichst sauber sein. Verfilzungen werden vorher vorsichtig mit einem Entfilzungskamm oder einer Schere entfernt. Das Tier wird an die Schermaschine gewöhnt – idealerweise durch vorheriges Einschalten in der Nähe, damit es sich an das Geräusch gewöhnt.
- Fixierung: Schafe werden in eine sitzende Position gebracht, die ihnen die Gegenwehr erschwert, aber keine Schmerzen verursacht. Hunde stehen oder liegen auf einem rutschfesten Trimmtisch. Pferde werden angebunden und gegebenenfalls von einer Hilfsperson gehalten.
- Scherrichtung: Grundsätzlich wird mit dem Fellstrich geschoren – also in Wuchsrichtung des Haares. Gegen den Strich zu scheren führt zu einer kürzeren Schnittlänge, erhöht aber das Risiko von Hautirritationen und Schnittverletzungen.
- Empfindliche Stellen: Achseln, Bauch, Innenschenkel, Ohren und der Genitalbereich erfordern besondere Sorgfalt. Hautfalten werden straff gezogen, um Schnittwunden zu vermeiden.
- Nachsorge: Nach dem Scheren wird das Tier auf Hautverletzungen kontrolliert. Kleine Schnitte werden desinfiziert. In den ersten Tagen nach der Schur braucht das Tier gegebenenfalls einen geschützten Auslauf oder Unterstand, da die Haut ohne Fellschutz empfindlich auf Witterung und Sonneneinstrahlung reagiert.
Häufige Fehler
- Falsches Timing: Schafe zu spät im Sommer oder Pferde zu früh im Herbst zu scheren, kann die Thermoregulation gefährden.
- Stumpfe Klingen: Sie reißen das Haar statt es zu schneiden, verursachen Schmerzen und Hautreizungen. Die Klingen sollten nach jeder Schur gereinigt und regelmäßig geschliffen werden.
- Zu kurzes Scheren: Eine Restlänge von mindestens zwei bis drei Millimetern schützt die Haut vor Sonnenbrand und mechanischer Reizung.
- Scheren von Doppelfell-Rassen: Wie oben erwähnt, kann das Scheren von Hunden mit doppelter Fellstruktur irreversible Schäden verursachen. Hier ist regelmäßiges Bürsten und Auskämmen der Unterwolle die artgerechte Alternative.
- Stressmissachtung: Tiere, die panisch reagieren, werden häufig mit Gewalt fixiert. Das widerspricht dem Tierschutz und führt zu Verletzungen auf beiden Seiten. Besser ist eine schrittweise Gewöhnung mit positiver Beschäftigung