Schilddrüsenüberfunktion
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Definition & Überblick
Die Schilddrüsenüberfunktion, in der Fachsprache als Hyperthyreose bezeichnet, ist eine endokrine Erkrankung, bei der die Schilddrüse (Glandula thyroidea) übermäßig große Mengen an Schilddrüsenhormonen produziert. Diese Hormone – vor allem Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) – steuern den Stoffwechsel nahezu aller Organe. Bei einer Überproduktion läuft der gesamte Organismus gewissermaßen auf Hochtouren, was langfristig zu schweren Organschäden führen kann.
Am häufigsten betroffen sind Katzen mittleren und höheren Alters. Die feline Hyperthyreose gilt als die häufigste hormonelle Erkrankung bei Katzen über acht Jahren. Bei Hunden tritt eine Schilddrüsenüberfunktion dagegen selten auf und ist dann meist Folge eines Schilddrüsenkarzinoms. Auch bei anderen Haustieren wie Meerschweinchen oder Kaninchen wird die Erkrankung vereinzelt beschrieben, bleibt dort jedoch eine Rarität.
Ursachen & Risikofaktoren
Die bei weitem häufigste Ursache der felinen Hyperthyreose ist eine gutartige Vergrößerung der Schilddrüse, medizinisch als adenomatöse Hyperplasie oder Adenom bezeichnet. In etwa 70 Prozent der Fälle sind beide Schilddrüsenlappen betroffen (bilateral). Bösartige Schilddrüsentumoren (Karzinome) machen bei Katzen nur etwa zwei bis drei Prozent der Fälle aus.
Die genauen Auslöser der adenomatösen Veränderungen sind nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden unter anderem:
- Ernährungsfaktoren – Ein stark schwankender Jodgehalt in kommerziellen Futtermitteln steht im Verdacht, das Schilddrüsengewebe zu stimulieren.
- Umweltfaktoren – Bestimmte chemische Verbindungen wie polybromierte Diphenylether (PBDE), die als Flammschutzmittel in Möbeln und Textilien vorkommen, werden als mögliche endokrine Disruptoren diskutiert.
- Genetische Prädisposition – Siamkatzen und Burmakatzen scheinen ein geringfügig niedrigeres Erkrankungsrisiko zu haben, was auf genetische Einflüsse hindeutet.
- Alter – Das Risiko steigt ab dem achten Lebensjahr deutlich an. Katzen unter sechs Jahren erkranken nur äußerst selten.
Beim Hund entsteht eine Hyperthyreose meist durch ein funktionelles Schilddrüsenkarzinom, das unkontrolliert Hormone produziert, oder iatrogen durch eine Überdosierung von Schilddrüsenhormonpräparaten bei der Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion.
Symptome & Erkennung
Die klinischen Anzeichen einer Schilddrüsenüberfunktion entwickeln sich oft schleichend über Wochen und Monate. Viele Tierhalter deuten die ersten Symptome fälschlicherweise als normale Alterserscheinungen. Zu den charakteristischen Anzeichen gehören:
- Gewichtsverlust trotz gesteigertem Appetit (Polyphagie) – Dies ist das Leitsymptom bei Katzen und tritt bei über 90 Prozent der betroffenen Tiere auf.
- Erhöhte Herzfrequenz (Tachykardie) – Häufig mit Herzgeräuschen und in fortgeschrittenen Fällen mit einer hypertrophen Kardiomyopathie, einer krankhaften Verdickung des Herzmuskels.
- Vermehrtes Trinken und Urinieren (Polydipsie und Polyurie).
- Erbrechen und Durchfall – Durch den beschleunigten Stoffwechsel und die erhöhte Darmmotilität.
- Verhaltensänderungen – Unruhe, Rastlosigkeit, gesteigerte Reizbarkeit, nächtliches Schreien.
- Stumpfes, ungepflegtes Fell – Manche Katzen zeigen vermehrten Haarausfall oder übermäßiges Putzen.
- Muskelschwäche – Gelegentlich fällt eine ventrale Beugung des Halses (Ventroflexion) auf.
Unbehandelt kann die Hyperthyreose zu schwerwiegenden Sekundärerkrankungen führen, darunter Bluthochdruck (systemische Hypertension), Netzhautablösung mit plötzlicher Erblindung sowie chronische Nierenschäden.
Diagnose
Die Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion basiert auf der Kombination aus klinischer Untersuchung und labordiagnostischen Befunden. Zunächst wird der Tierarzt die Schilddrüse am Hals abtasten. Bei etwa 80 Prozent der hyperthyreoten Katzen ist eine vergrößerte Schilddrüse palpierbar.
Der entscheidende diagnostische Schritt ist die Bestimmung der Schilddrüsenhormonkonzentration im Blut. Ein erhöhter Gesamt-T4-Wert (Gesamtthyroxin) bestätigt die Diagnose in den meisten Fällen. Bei Katzen im frühen Krankheitsstadium oder bei gleichzeitig vorliegenden anderen Erkrankungen kann der T4-Wert jedoch im oberen Normbereich liegen – man spricht von einer okkulten Hyperthyreose. In solchen Fällen hilft die Bestimmung des freien T4 (fT4) oder eine Wiederholungsmessung nach zwei bis vier Wochen weiter.
Ergänzend werden in der Regel folgende Untersuchungen durchgeführt:
- Blutbild und Blutchemie – Zur Beurteilung von Leber- und Nierenwerten, da diese Organe häufig mitbetroffen sind.
- Blutdruckmessung – Zum Ausschluss oder Nachweis einer sekundären Hypertonie.
- Herzultraschall (Echokardiographie) – Zur Beurteilung möglicher Herzveränderungen.
- Schilddrüsenszintigraphie