Schilddrüsenunterfunktion
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Definition & Überblick
Die Schilddrüsenunterfunktion – medizinisch als Hypothyreose bezeichnet – ist eine endokrine Erkrankung, bei der die Schilddrüse (Glandula thyroidea) nicht ausreichend Schilddrüsenhormone produziert. Die beiden wichtigsten Hormone sind Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Sie steuern den Stoffwechsel nahezu jeder Körperzelle und beeinflussen Energiehaushalt, Herzfunktion, Wärmeregulation, Haut- und Fellgesundheit sowie das Nervensystem.
Betroffen sind vor allem Hunde mittleren bis höheren Alters. Bei Katzen tritt die Hypothyreose deutlich seltener auf und ist meist eine Folge chirurgischer oder medikamentöser Behandlung einer zuvor bestehenden Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Auch bei Pferden, Kaninchen und anderen Heimtieren kann eine Unterfunktion vorkommen, allerdings weitaus seltener als beim Hund.
Die Erkrankung entwickelt sich in der Regel schleichend über Wochen bis Monate. Da die Symptome unspezifisch sind und oft mit normalem Altern verwechselt werden, bleibt die Hypothyreose häufig lange unerkannt. Bei rechtzeitiger Diagnose lässt sie sich jedoch gut behandeln, und betroffene Tiere können eine normale Lebensqualität und Lebenserwartung erreichen.
Ursachen & Risikofaktoren
Die mit Abstand häufigste Ursache beim Hund ist die primäre Hypothyreose, bei der das Schilddrüsengewebe selbst geschädigt wird. In etwa 95 % der Fälle liegt eine von zwei Ursachen zugrunde:
- Lymphozytäre Thyreoiditis: Eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüsenzellen angreift und zerstört. Diese Form hat häufig eine genetische Komponente.
- Idiopathische Schilddrüsenatrophie: Das funktionelle Drüsengewebe wird durch Fettgewebe ersetzt, ohne dass eine Entzündung nachweisbar ist. Die genaue Ursache ist bislang ungeklärt.
Seltener tritt eine sekundäre Hypothyreose auf, bei der die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zu wenig thyreoideastimulierendes Hormon (TSH) ausschüttet, oder eine tertiäre Hypothyreose, bei der der Hypothalamus die übergeordnete Steuerung nicht korrekt reguliert. Tumore der Schilddrüse oder der Hypophyse können ebenfalls ursächlich sein.
Zu den Risikofaktoren zählen:
- Rasse: Golden Retriever, Dobermann, Irischer Setter, Dackel, Cocker Spaniel und Deutsche Dogge gelten als prädisponiert.
- Alter: Die Erkrankung tritt überwiegend bei Hunden zwischen vier und zehn Jahren auf.
- Kastration: Einige Studien deuten auf ein leicht erhöhtes Risiko bei kastrierten Tieren hin.
- Medikamente: Langfristige Gabe bestimmter Wirkstoffe wie Glukokortikoide, Phenobarbital oder Sulfonamide kann die Schilddrüsenfunktion beeinflussen.
Symptome & Erkennung
Die klinischen Zeichen sind vielfältig und oft unspezifisch, da Schilddrüsenhormone praktisch jedes Organsystem beeinflussen. Typische Symptome beim Hund umfassen:
- Stoffwechsel & Verhalten: Lethargie, verminderte Aktivität, Kälteintoleranz, Gewichtszunahme trotz unveränderter Futteraufnahme
- Haut & Fell: Bilateraler symmetrischer Haarausfall (Alopezie), stumpfes und brüchiges Fell, vermehrte Schuppenbildung, Hyperpigmentierung der Haut, wiederkehrende Hautinfektionen (Pyodermie) und Ohrenentzündungen (Otitis externa)
- Herz-Kreislauf-System: Verlangsamter Herzschlag (Bradykardie), in seltenen Fällen Herzrhythmusstörungen
- Nervensystem: Gesichtsnervenlähmung (Fazialisparese), Gleichgewichtsstörungen (vestibuläres Syndrom), Kniesehnenreflex-Abschwächung, sogenanntes „tragic facial expression" – ein trauriger Gesichtsausdruck durch Schwellungen im Kopfbereich (Myxödem)
- Fortpflanzung: Ausbleibende Läufigkeit, verminderte Fruchtbarkeit, verringerte Libido bei Rüden
Da diese Symptome einzeln auch bei vielen anderen Erkrankungen vorkommen, ist ihr gemeinsames Auftreten ein wichtiger Hinweis. Besonders die Kombination aus Gewichtszunahme, Trägheit und Hautproblemen bei einem mittelalten Hund sollte an eine Hypothyreose denken lassen.
Diagnose
Die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion ist nicht immer einfach, da einzelne Laborwerte durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden können. In der Regel kombiniert der Tierarzt mehrere Untersuchungen:
- Gesamt-T4 (TT4): Ein erniedrigter Wert ist ein erster Hinweis, reicht allein aber nicht aus, da auch nicht-thyreoidale Erkrankungen (sogenanntes Euthyroid-Sick-Syndrom) und bestimmte Medikamente den T4-Spiegel senken können.
- Freies T4 (fT4): Gemessen per Equilibriumdialyse gilt dieser Wert als zuverlässiger, da er weniger durch andere Erkrankungen verfälscht wird.
- TSH-Bestimmung (canines TSH): Ein erhöhter TSH-Wert bei gleichzeitig erniedrigtem T4 stützt die Diagnose. Allerdings liegt der TSH-Wert bei etwa 20–40 % der hypothyreoten Hunde im Normalbereich.
- Schilddrüsen-Autoantikörper (Thyreoglobulin-Autoantikörper, TgAA): Ihr Nachweis spricht für eine lymphozytäre Thyreoiditis und kann