Schimmel
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Definition und Überblick
Als Schimmel bezeichnet man in der Pferdezucht ein Pferd, dessen Fell im Laufe des Lebens durch einen genetisch bedingten Prozess progressiv aufhellt, bis es schließlich ein weitgehend weißes Haarkleid trägt. Der Begriff beschreibt dabei keine eigenständige Fellfarbe, sondern einen Aufhellungsmechanismus, der die ursprüngliche Grundfarbe des Pferdes überlagert. Schimmel werden stets dunkel geboren – als Rappen, Braune oder Füchse – und ergrauen erst im Verlauf der folgenden Lebensjahre. Dieser Vorgang wird als Ausschimmeln oder Ergrauen (englisch: greying) bezeichnet.
Die Schimmelfarbe kommt bei nahezu allen Pferderassen vor, tritt aber bei bestimmten Rassen wie dem Lipizzaner, dem Andalusier (Pura Raza Española), dem Camargue-Pferd und dem Araber besonders häufig auf. In einigen Zuchtpopulationen ist das Schimmel-Gen sogar nahezu fixiert, was bedeutet, dass fast alle Tiere dieser Rasse im Erwachsenenalter ein weißes Fell tragen.
Genetische Grundlage
Die Vererbung der Schimmelfärbung folgt einem autosomal-dominanten Erbgang. Verantwortlich ist eine Mutation auf dem STX17-Gen (Syntaxin 17) auf Chromosom 25 des Pferdes. Es handelt sich um eine Duplikation eines 4,6 Kilobasen großen DNA-Abschnitts in einer regulatorischen Region dieses Gens. Diese Mutation wurde 2008 von einem schwedischen Forscherteam um Leif Andersson an der Universität Uppsala identifiziert.
Das Schimmel-Gen, in der Genetik als Grey-Locus (G) bezeichnet, wirkt epistatisch – es überdeckt die Wirkung anderer Farbgene. Ein Pferd mit mindestens einem dominanten G-Allel (Genotyp G/g oder G/G) wird zum Schimmel, unabhängig davon, welche Grundfarbe durch die Gene am Extension-Locus (E) und Agouti-Locus (A) festgelegt ist. Pferde ohne das Grey-Allel (Genotyp g/g) schimmeln dagegen nicht aus.
Da das Merkmal dominant vererbt wird, muss mindestens ein Elternteil selbst ein Schimmel sein, damit Nachkommen das Grey-Allel erhalten können. Zwei Nichtschimmel können demnach keinen Schimmel hervorbringen. Umgekehrt können zwei Schimmel durchaus ein nicht ausschimmelndes Fohlen bekommen, sofern beide Elternteile heterozygot (G/g) sind – die Wahrscheinlichkeit liegt dann bei 25 Prozent.
Der Prozess des Ausschimmelns
Das Ergrauen beginnt in der Regel im ersten bis zweiten Lebensjahr und schreitet individuell unterschiedlich schnell voran. Typischerweise zeigen sich die ersten weißen Haare im Bereich des Kopfes, besonders um die Augen und an den Schläfen. Danach breitet sich die Aufhellung über den Hals, den Rumpf und schließlich die Gliedmaßen aus.
Auf zellulärer Ebene liegt dem Prozess ein vorzeitiger Verlust der Melanozyten zugrunde – jener Zellen, die das Pigment Melanin in den Haarfollikeln produzieren. Die Melanozytenstammzellen in den Haarfollikeln erschöpfen sich bei Schimmeln schneller als bei normal gefärbten Pferden. Nachwachsende Haare enthalten zunehmend weniger Pigment und erscheinen zunächst grau, dann weiß.
Während des Ausschimmelns durchlaufen die Pferde mehrere optische Stadien:
- Eisenschimmel: Dunkle Grundfarbe noch weitgehend erhalten, erste weiße Haare eingestreut
- Grauschimmel: Deutliche Durchmischung von pigmentierten und weißen Haaren
- Apfelschimmel: Charakteristisches Muster aus dunkleren kreisförmigen Flecken auf hellerem Grund
- Fliegenschimmel: Überwiegend weißes Fell mit kleinen pigmentierten Punkten
- Vollschimmel: Nahezu vollständig weißes Haarkleid
Die Haut bleibt bei Schimmeln stets dunkel pigmentiert, was sie von echten Albinos oder Pferden mit dem Cream-Gen unterscheidet. Auch die Augen behalten ihre dunkle Farbe.
Homozygote und heterozygote Schimmel
Die Geschwindigkeit des Ergrauens hängt unter anderem vom Genotyp ab. Pferde, die homozygot für das Grey-Allel sind (G/G), schimmeln in der Regel deutlich schneller aus als heterozygote Träger (G/g). Ein homozygotes Tier kann bereits im Alter von drei bis vier Jahren vollständig weiß sein, während ein heterozygotes Pferd diesen Zustand erst mit sechs bis acht Jahren oder noch später erreicht.
Homozygote Schimmel vererben das Grey-Allel zudem an alle ihre Nachkommen, was sie für Züchter, die gezielt Schimmel züchten wollen, besonders wertvoll macht. Heterozygote Tiere geben das Allel dagegen nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent weiter.
Gesundheitliche Aspekte: Melanome
Mit dem Schimmel-Gen ist ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Melanomen verbunden. Studien zeigen, dass über 80 Prozent aller Schimmel, die älter als 15 Jahre werden, Melanome entwickeln. Diese Tumoren treten bevorzugt an der Schweifrübe, in der Perianalregion, an den Lippen, den Ohrmuscheln und den Augenlidern auf – also an Stellen mit besonders dichter Melanozytenpopulation.
Homozygote Schimmel (G/G) haben ein signifikant höheres Melanomrisiko als heterozygote Tiere. Die Tumoren wachsen in vielen Fäl