Seychellen-Riesenschildkröte
STierart – Reptilien > Schildkröten – Land
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Aldabrachelys gigantea (Schweigger, 1812)
- Ordnung: Schildkröten (Testudines)
- Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
- Familie: Landschildkröten (Testudinidae)
- Gattung: Aldabrachelys
- Lebensraum: Tropische Inseln des westlichen Indischen Ozeans; Grasland, Küstenbuschland, Mangrovengebiete
- Größe: Carapaxlänge bis 120 cm (Männchen), Weibchen deutlich kleiner (bis ca. 90 cm)
- Gewicht: Männchen bis 250 kg, in Ausnahmefällen über 300 kg; Weibchen 100–150 kg
- Lebenserwartung: Über 100 Jahre, nachgewiesene Einzeltiere deutlich über 150 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Seychellen-Riesenschildkröte gehört zu den größten Landschildkröten der Erde. Ihr hochgewölbter Rückenpanzer (Carapax) ist von graubrauner bis dunkelbrauner Farbe und wirkt bei älteren Tieren oft gleichmäßig abgeschliffen. Die einzelnen Hornschilder (Scuta) sind im Jugendstadium noch deutlich konturiert, verschmelzen mit zunehmendem Alter aber optisch zu einer glatten, kuppelförmigen Oberfläche. Der Bauchpanzer (Plastron) ist bei Männchen leicht konkav eingedellt – eine Anpassung, die das Aufreiten bei der Paarung erleichtert.
Der Kopf ist relativ klein im Verhältnis zum massiven Körper. Die Haut an Hals und Beinen ist faltig, grau bis schwärzlich und mit groben Schuppen bedeckt. Die kräftigen Säulenbeine enden in stumpfen Krallen, die an die Fortbewegung auf festen Untergründen angepasst sind. Männchen werden insgesamt deutlich größer und schwerer als Weibchen, was einen ausgeprägten Sexualdimorphismus darstellt.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Seychellen-Riesenschildkröte umfasste zahlreiche Inseln des westlichen Indischen Ozeans, darunter die Seychellen, Madagaskar und die Maskarenen. Durch menschliche Bejagung und die Einführung von Prädatoren wurde die Art auf den meisten Inseln ausgerottet. Die bei weitem größte natürliche Population lebt heute auf dem Aldabra-Atoll, einer abgelegenen Koralleninselgruppe, die politisch zu den Seychellen gehört. Dort leben schätzungsweise 100.000 Individuen – eine der dichtesten Populationen großer Landreptilien weltweit.
Das Habitat auf Aldabra ist vielfältig: Die Tiere besiedeln offenes Grasland, niedrige Küstenbuschvegetation, Mangrovensäume und die spärlich bewachsenen Korallenkalkflächen des Atolls. Auf den Hauptinseln der Seychellen (Mahé, Praslin, La Digue) existieren wiederangesiedelte Populationen in Naturschutzgebieten und botanischen Gärten. Weitere Ansiedlungsprojekte laufen auf Inseln wie Frégate, Cousin und Curieuse.
Ernährung
Die Seychellen-Riesenschildkröte ist ein ausgeprägter Herbivore. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Gräsern, Kräutern, Blättern und niedrig wachsenden Sträuchern. Auf Aldabra hat der Fraßdruck der Riesenschildkröten über Jahrtausende die Vegetation nachhaltig geformt: Weite Bereiche des Atolls werden von einem sogenannten „Schildkröten-Rasen" (tortoise turf) dominiert – einer dichten, niedrigen Grasnarbe, die durch permanente Beweidung entsteht.
Gelegentlich nehmen die Tiere auch Fallobst, Blüten, Sukkulenten und bei Gelegenheit tierische Nahrung wie Aas oder Kot anderer Tiere auf. Zur Deckung ihres Wasser- und Mineralstoffbedarfs suchen sie regelmäßig Pfützen und flache Tümpel auf; sie können allerdings auch längere Trockenperioden überstehen, da sie Wasser effizient über den Darm rückresorbieren.
Verhalten & Lebensweise
Die Art ist vorwiegend tagaktiv. In den heißen Mittagsstunden ziehen sich die Tiere in den Schatten von Büschen, unter Felsvorsprünge oder in Schlammlöcher zurück, um einer Überhitzung zu entgehen. Als wechselwarme (ektotherme) Reptilien sind sie auf externe Wärmequellen angewiesen und sonnen sich in den kühleren Morgen- und Nachmittagsstunden.
Seychellen-Riesenschildkröten sind keine ausgesprochen territorialen Tiere. Sie leben in lockeren Aggregationen, wobei die Populationsdichte vom Nahrungsangebot des jeweiligen Biotops abhängt. Dominanzkonflikte zwischen Männchen äußern sich in einem ritualisierten Halsrecken: Das Tier, das seinen Hals am höchsten strecken kann, setzt sich in der Regel durch, ohne dass es zu ernsthaften Verletzungen kommt. Außerhalb der Paarungszeit verhalten sich die Tiere weitgehend friedlich und ignorieren einander.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit erstreckt sich auf Aldabra vorwiegend über die Monate Februar bis Mai. Während der Kopulation gibt das Männchen laute, rhythmische Rufe von sich – eines der wenigen hörbaren Lautäußerungen bei Schildkröten überhaupt. Das Männchen besteigt das Weibchen von hinten; die konkave Form seines Plastrons stabilisiert die Position.
Die Eiablage findet zwischen Juni und September statt. Das Weibchen gräbt mit den Hinterbeinen eine 20–30 cm tiefe Nistgrube in sandigen oder lockeren Boden und legt zwischen 4 und 25 annähernd kugelförmige Eier mit harter Kalkschale ab. Die Inkubationszeit beträgt je nach Bodentemperatur 90 bis 160 Tage. Im Gegensatz zu vielen anderen Reptilien ist eine temperaturabhängige Geschlechtsbestimmung bei dieser Art nicht zweifelsfrei nachgewiesen.
Die Schlüpflinge wiegen etwa 50–80