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Silberreiher

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Reiher & Störche

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Ardea alba
  • Ordnung: Pelecaniformes (Pelikanvögel)
  • Familie: Ardeidae (Reiher)
  • Gattung: Ardea
  • Lebensraum: Feuchtgebiete, Flussauen, Seen, Sümpfe, Küstenlagunen
  • Größe: 85–104 cm Körperlänge, Flügelspannweite bis 170 cm
  • Gewicht: 700–1.500 g
  • Lebenserwartung: 15–23 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Silberreiher ist einer der größten Reiher Europas und nur geringfügig kleiner als der Graureiher (Ardea cinerea). Sein gesamtes Gefieder ist reinweiß, ohne jede Zeichnung oder Musterung. Der lange, dolchartige Schnabel ist während der Brutzeit überwiegend schwarz gefärbt, außerhalb der Brutzeit hingegen gelblich bis orange. Die Beine und Füße sind ganzjährig dunkelgrau bis schwarz, wobei die Tibiotarsi (Unterschenkel) in der Brutzeit eine gelblich-grüne Tönung annehmen können.

Ein auffälliges Merkmal ist der extrem lange, s-förmig gebogene Hals, der im Flug – wie bei allen Reihern typisch – eingezogen getragen wird. Dadurch lässt sich der Silberreiher im Flugbild leicht von Störchen und Kranichen unterscheiden, die den Hals gestreckt halten. Zur Balzzeit entwickeln beide Geschlechter feine, verlängerte Schmuckfedern am Rücken, sogenannte Aigretten. Diese zarten Federbüschel spielten historisch eine verhängnisvolle Rolle für die Art, da sie im 19. und frühen 20. Jahrhundert als Hutschmuck begehrt waren.

Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden. Männchen sind im Durchschnitt etwas größer und schwerer, doch eine sichere Geschlechtsbestimmung im Feld ist ohne direkte Beobachtung des Paarverhaltens kaum möglich. Jungvögel ähneln den adulten Tieren im Schlichtkleid, zeigen jedoch einen durchgehend gelblichen Schnabel.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Silberreihers erstreckt sich über weite Teile der Erde. Die Art kommt auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor – in Nordamerika, Südamerika, Afrika, Asien, Australien und Europa. In der älteren Literatur wurde die Art daher gelegentlich in mehrere Unterarten oder sogar eigenständige Arten aufgeteilt. Heute werden meist zwei bis vier Unterarten anerkannt, darunter die nominotypische Unterart Ardea alba alba in Europa und Asien sowie Ardea alba egretta in der Neuen Welt.

In Europa war der Silberreiher ursprünglich vor allem im pannonischen Raum – Ungarn, Österreich, Tschechien – als Brutvogel heimisch, mit dem Neusiedler See als einem der wichtigsten Brutgebiete. Seit den 1990er-Jahren breitet sich die Art kontinuierlich nach Westen und Norden aus. Inzwischen brütet der Silberreiher auch in den Niederlanden, Frankreich und vereinzelt in Deutschland. Als Wintergast ist er mittlerweile an vielen mitteleuropäischen Gewässern regelmäßig zu beobachten.

Als Habitat bevorzugt der Silberreiher ausgedehnte Flachwasserzonen mit dichter Ufervegetation. Schilfgürtel, überflutete Wiesen, Fischteiche, Reisfelder und Flussauen bieten ideale Bedingungen. In jüngerer Zeit zeigt sich die Art zunehmend auch auf landwirtschaftlichen Flächen abseits von Gewässern, wo sie auf Äckern und Grünland nach Nahrung sucht.

Ernährung

Der Silberreiher ist ein opportunistischer Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Die Hauptnahrung besteht aus Fischen, die er im Flachwasser erbeutet. Er steht dabei oft minutenlang reglos im Wasser und stößt dann blitzschnell mit dem Schnabel zu – eine typische Lauerjagd-Strategie. Neben Fischen frisst er Amphibien wie Frösche und Molche, Wasserinsekten, Krebstiere und kleine Reptilien. An Land erbeutet er Mäuse, Spitzmäuse, Eidechsen und größere Insekten wie Heuschrecken.

Die Nahrungssuche findet überwiegend tagsüber statt, gelegentlich aber auch in der Dämmerung. Auf Feldern jagt der Silberreiher oft in lockeren Gruppen und folgt manchmal sogar landwirtschaftlichen Maschinen, um aufgescheuchte Beutetiere zu ergreifen.

Verhalten & Lebensweise

Außerhalb der Brutzeit ist der Silberreiher ein geselliger Vogel, der sich an günstigen Nahrungsplätzen in größeren Ansammlungen einfinden kann. Schlafplätze werden gemeinschaftlich aufgesucht, oft zusammen mit Graureihern, Kormoranen oder anderen Reiherarten. Die Trupps an Schlafbäumen können mehrere hundert Individuen umfassen.

Während der Brutzeit beanspruchen die Männchen ein kleines Revier innerhalb der Kolonie und verteidigen es mit ritualisierten Drohgebärden – aufgestellten Schmuckfedern, gesträubtem Gefieder und Schnabelfechten. Der Silberreiher brütet stets in Kolonien, häufig vergesellschaftet mit anderen Reiherarten wie dem Graureiher, dem Seidenreiher (Egretta garzetta) oder dem Nachtreiher (Nycticorax nycticorax).

Die europäischen Populationen sind Teilzieher. Ein Teil der Vögel überwintert im Brutgebiet, sofern die Gewässer eisfrei bleiben. Andere ziehen im Herbst in den Mittelmeerraum oder nach Nordafrika. Milde Winter haben in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass immer mehr Silberreiher in Mitteleuropa überwintern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutsaison beginnt in Mitteleuropa im April. Die Balz umfasst ein aufwendiges Repertoire an Verhaltensweisen: Das Männchen präsentiert seine Schmuckfedern, streckt den Hals empor und gibt dabei raue, krächzende Rufe von sich. Hat