Springhase
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pedetes capensis (Südafrikanischer Springhase), Pedetes surdaster (Ostafrikanischer Springhase)
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Springhasen (Pedetidae)
- Gattung: Pedetes
- Lebensraum: Trockene Gras- und Halbwüstenlandschaften des östlichen und südlichen Afrika
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 35–45 cm, Schwanzlänge 37–48 cm
- Gewicht: 2,5–4 kg
- Lebenserwartung: Etwa 7 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 15 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Springhase erinnert auf den ersten Blick an ein Känguru im Miniaturformat – eine Ähnlichkeit, die rein auf konvergenter Evolution beruht, denn die beiden Tiergruppen sind nicht näher verwandt. Der Körperbau ist durch die extrem verlängerten Hinterbeine gekennzeichnet, die etwa viermal so lang sind wie die kurzen Vorderbeine. Die kräftige Hinterhandmuskulatur ermöglicht Sprünge von bis zu zwei Metern Höhe und mehreren Metern Weite.
Das Fell ist dicht und weich, oberseits sandfarben bis rötlich-braun, unterseits heller, oft cremefarben bis weiß. Der lange, buschige Schwanz dient als Balancierhilfe beim Springen und endet in einer auffälligen schwarzen oder dunkelbraunen Quaste. Die großen, runden Augen sind typisch für ein nachtaktives Tier und reflektieren Licht stark – ein Merkmal, das Springhasen bei nächtlicher Beleuchtung sofort verrät. Die Ohren sind lang und schmal, kaninchenartig, und können unabhängig voneinander bewegt werden, was eine präzise akustische Ortung von Fressfeinden ermöglicht. Ein weiteres Merkmal sind die kräftigen Krallen an den Vorderpfoten, die zum Graben genutzt werden, sowie die breiten, hufartigen Nägel an den Hinterfüßen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Springhasen erstreckt sich über weite Teile des östlichen und südlichen Afrika. Der Südafrikanische Springhase (Pedetes capensis) besiedelt ein Areal von Kenia über Tansania, Sambia und Simbabwe bis nach Südafrika. Die zweite Art, der Ostafrikanische Springhase (Pedetes surdaster), wurde erst 2011 als eigenständige Art beschrieben und kommt in Kenia und Tansania vor.
Als Habitat bevorzugen Springhasen offene, trockene Landschaften mit sandigem oder lockerem Boden. Typische Biotope sind Grassavannen, Halbwüsten, sandige Ebenen und lichte Buschlandschaften. Entscheidend für die Standortwahl ist die Bodenbeschaffenheit: Der Untergrund muss weich genug sein, um Erdbaue anzulegen, darf aber nicht so locker sein, dass die Gänge einstürzen. Gebiete mit hohem Grundwasserstand oder schwere Lehmböden werden gemieden.
Ernährung
Springhasen sind überwiegend Pflanzenfresser mit einem Nahrungsspektrum, das stark von der saisonalen Verfügbarkeit abhängt. Die Hauptnahrung besteht aus Gräsern, Graswurzeln, Knollen und Rhizomen, die mit den kräftigen Vorderkrallen ausgegraben werden. Ergänzend fressen sie Kräuter, junge Triebe, Samen und gelegentlich auch Getreide, was sie in landwirtschaftlich genutzten Gebieten zu unbeliebten Gästen auf Feldern macht.
In Trockenzeiten graben Springhasen verstärkt nach unterirdischen Pflanzenteilen, die als Wasserquelle dienen. Die Tiere sind in der Lage, über längere Zeiträume ohne freies Trinkwasser auszukommen, da sie ihren Flüssigkeitsbedarf größtenteils über die Nahrung decken. Die Nagezähne wachsen – wie bei allen Rodentia – zeitlebens nach und werden durch das Zerkleinern harter Pflanzenteile natürlich abgenutzt.
Verhalten & Lebensweise
Springhasen sind strikt nachtaktiv. Den Tag verbringen sie in selbst gegrabenen Erdbauen, die aus einem Hauptgang und einer oder mehreren Kammern bestehen. Die Eingänge werden von innen mit Erde verschlossen, vermutlich als Schutz vor Fressfeinden und zur Regulierung des Mikroklimas im Bau. Ein Bau kann mehrere Ausgänge besitzen, von denen einige als Fluchtröhren dienen.
Die Tiere leben nicht in festen Gruppen oder Rudeln, sondern gelten als weitgehend solitär. Gelegentlich teilen sich Paare oder kleine Familienverbände einen Bau, doch ein ausgeprägtes Sozialverhalten fehlt. Ein festes Revier im engeren Sinne wird nicht verteidigt, allerdings nutzen Individuen bevorzugte Nahrungsareale in der Umgebung ihres Baus.
Die Fortbewegung erfolgt vorwiegend auf den Hinterbeinen in schnellen, känguru-ähnlichen Sprüngen (bipede Lokomotion). Bei langsamer Fortbewegung nutzen Springhasen alle vier Extremitäten. Ihre Hauptfeinde sind Schakale, Servale, Eulen, Schlangen und der Mensch. Bei Gefahr können sie blitzartig im Zickzack fliehen, wobei die unvorhersehbare Richtungsänderung Raubtiere verwirrt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Springhasen pflanzen sich ganzjährig fort, wobei in einigen Regionen saisonale Häufungen beobachtet werden. Nach einer Tragzeit von etwa 77 bis 82 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt – Zwillingsgeburten sind äußerst selten. Bis zu drei Geburten pro Jahr sind möglich.
Das Neugeborene ist relativ weit entwickelt: Es wiegt rund 250 bis 300 Gramm, ist behaart und kann bereits kurz nach der Geburt sehen. In den ersten Lebenswochen bleibt das Jungtier im Bau und wird dort gesäugt. Die Entwöhnung erfolgt nach etwa sieben Wochen. Die Geschlechtsreife wird mit rund einem Jahr erreicht. Die Aufzucht obliegt ausschließlich dem Weibchen; das Männchen beteiligt sich nicht