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Sprunggelenk

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Anatomie & Körperbau > Extremitäten & Fortbewegung

Definition & Überblick

Das Sprunggelenk (lat. Articulatio tarsi) ist das zusammengesetzte Gelenk der Hintergliedmaße, das den Unterschenkel (Crus) mit dem Hinterfuß (Metatarsus) verbindet. Es entspricht funktionell dem Handwurzelgelenk (Articulatio carpi) der Vordergliedmaße und besteht aus mehreren übereinander geschichteten Gelenketagen, die durch ein komplexes System aus Bändern, Sehnen und Gelenkkapsel stabilisiert werden. Als zentrales Gelenk der Hinterextremität spielt das Sprunggelenk eine entscheidende Rolle bei der Fortbewegung, insbesondere beim Abstoß, Sprung und bei der Lastübertragung. In der klinischen Veterinärmedizin zählt es – vor allem beim Pferd, Hund und Rind – zu den am häufigsten von Erkrankungen betroffenen Gelenkregionen.

Aufbau & Struktur

Das Sprunggelenk ist ein zusammengesetztes Gelenk (Articulatio composita), das aus mehreren Knochen und Gelenketagen aufgebaut ist. Die knöcherne Grundlage bilden die Knochen des Tarsus (Fußwurzel), die in zwei bis drei Reihen angeordnet sind:

  • Proximale Reihe: Talus (Rollbein, Os tarsi tibiale) und Calcaneus (Fersenbein, Os tarsi fibulare). Der Calcaneus bildet mit seinem nach proximal gerichteten Tuber calcanei den Ansatzpunkt der Achillessehne und dient als Hebelarm für die Streckmuskulatur.
  • Mittlere Reihe: Os tarsi centrale (zentraler Tarsalknochen), das bei einigen Tierarten mit benachbarten Knochen verschmilzt.
  • Distale Reihe: Die nummerierten Tarsalknochen Os tarsale I–IV (Ossa tarsalia), wobei Verschmelzungen tierartlich variieren.

Die einzelnen Gelenketagen des Tarsalgelenks umfassen:

  • Articulatio tarsocruralis (Talocruralgelenk): das Hauptgelenk zwischen Tibia, Fibula und Talus, das den größten Bewegungsumfang besitzt.
  • Articulatio talocalcanea (proximales Intertarsalgelenk): die Verbindung zwischen Talus und Calcaneus.
  • Articulatio centrodistalis (distales Intertarsalgelenk): die Verbindung zwischen mittlerer und distaler Knochenreihe.
  • Articulatio tarsometatarsea: die Verbindung zwischen distaler Tarsalreihe und Metatarsalknochen.

Stabilisiert wird das gesamte Gelenk durch Seitenbänder (Ligamenta collateralia mediale et laterale), plantare Bänder und zahlreiche kurze Zwischenknochenbänder (Ligamenta intertarsalia). Die gemeinsame Gelenkkapsel umschließt mehrere Gelenketagen, wobei einzelne Kompartimente teilweise miteinander kommunizieren.

Funktion

Die Hauptbewegung des Sprunggelenks findet im Talocruralgelenk statt und besteht in Beugung (Flexion) und Streckung (Extension). Bei den meisten Haussäugetieren handelt es sich funktionell um ein Scharniergelenk (Ginglymus), das durch die Rollkämme (Trochlea) des Talus geführt wird. Die übrigen Gelenketagen sind weitgehend straff (Amphiarthrosen) und lassen nur minimale Gleitbewegungen zu, die zur Stoßdämpfung und Feinabstimmung der Fußstellung beitragen.

Das Sprunggelenk überträgt die Schubkraft der Hintergliedmaße auf den Boden. Die Streckung erfolgt durch den Musculus gastrocnemius und den Musculus flexor digitalis superficialis, die über den Tuber calcanei als Hypomochlion wirken. Die Beugung wird durch den Musculus tibialis cranialis und weitere Beugemuskeln eingeleitet. Beim Pferd ist der sogenannte Fesseltrageapparat im distalen Bereich und der reziproke Apparat (Musculus fibularis tertius und oberflächlicher Zehenbeuger) von besonderer Bedeutung: Dieser koppelt die Bewegung von Kniegelenk und Sprunggelenk mechanisch, sodass eine Beugung des Knies automatisch eine Beugung des Tarsalgelenks nach sich zieht.

Unterschiede zwischen Tierarten

  • Pferd (Equus): Besonders stark ausgeprägtes Scharniergelenk mit prominenter Trochlea tali und sagittalen Rollkämmen. Der reziproke Apparat ermöglicht energiesparendes Stehen. Das Os tarsi centrale ist eigenständig. Klinisch ist das Sprunggelenk des Pferdes von großer Bedeutung.
  • Rind (Bos): Os tarsi centrale und Os tarsale IV sind zum Os centroquartale verschmolzen. Die distalen Tarsalknochen zeigen ebenfalls Verschmelzungen. Die Rollkämme des Talus verlaufen stärker schräg als beim Pferd, was eine geringfügige Rotationskomponente erlaubt.
  • Hund und Katze (Carnivora): Der Tarsus weist eine größere Anzahl eigenständiger Knochen auf. Neben Flexion und Extension sind geringfügige Rotations- und Seitwärtsbewegungen möglich. Das Os tarsi centrale ist selbstständig ausgebildet. Der Calcaneus ist relativ lang.
  • Vögel (Aves): Ein echtes Tarsalgelenk im Sinne der Säuger existiert nicht. Stattdessen bildet sich das Intertarsalgelenk (Tibiotarsus-Tarsometatarsus-Gelenk), bei dem die proximalen Tarsalknochen mit der Tibia und die distalen Tarsalknochen mit dem Metatarsus verschmelzen.

Besonderheiten

Beim Pferd ermöglicht der passive Stehapparat ein nahezu energieloses Stehen: Der Musculus fibularis tertius und die sehnige