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Strahlenschildkröte

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Tierart – Reptilien > Schildkröten – Land

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Astrochelys radiata
  • Ordnung: Schildkröten (Testudines)
  • Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
  • Familie: Landschildkröten (Testudinidae)
  • Gattung: Astrochelys
  • Lebensraum: Trockenwälder und Dornbuschsavannen im Süden Madagaskars
  • Größe: Carapaxlänge bis 40 cm, selten bis 45 cm
  • Gewicht: 10–16 kg, Einzelexemplare bis 20 kg
  • Lebenserwartung: über 100 Jahre in Gefangenschaft nachgewiesen; in freier Wildbahn geschätzt 40–70 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Strahlenschildkröte gehört zu den optisch auffälligsten Landschildkröten weltweit. Ihr hochgewölbter, kuppelförmiger Rückenpanzer (Carapax) trägt auf jedem Hornschild ein charakteristisches Muster aus gelben bis cremefarbenen Streifen, die von einem dunklen Zentrum sternförmig nach außen verlaufen. Dieses namensgebende Strahlenmuster ist bereits bei Schlüpflingen erkennbar, wird mit zunehmendem Alter jedoch kontrastärmer, da die Hornschilde abgenutzt werden.

Der Bauchpanzer (Plastron) ist gelblich gefärbt und zeigt ebenfalls strahlenförmige dunkle Zeichnungselemente, die jedoch weniger ausgeprägt sind als auf dem Carapax. Kopf, Gliedmaßen und Schwanz sind dunkelgrau bis schwarz, wobei vereinzelt gelbliche Flecken auf dem Scheitel auftreten können. Die Vorderbeine sind mit kräftigen, leicht überlappenden Hornschuppen bedeckt, die als Schutz gegen mechanische Einwirkungen dienen. Ein Geschlechtsdimorphismus zeigt sich beim adulten Tier: Männchen besitzen einen deutlich konkav eingebuchteten Bauchpanzer, einen längeren Schwanz und einen etwas engeren Gularbereich (Kehlschilde), während Weibchen in der Regel einen flacheren Plastron und einen kürzeren Schwanz aufweisen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Strahlenschildkröte beschränkt sich auf den äußersten Süden und Südwesten Madagaskars. Sie ist ein Endemit dieser Insel und kommt natürlicherweise nirgendwo sonst vor. Eingeführte Populationen existieren auf Réunion und Mauritius, wo die Art vermutlich bereits vor Jahrhunderten durch Seefahrer eingebracht wurde.

Ihr bevorzugtes Habitat sind xerophytische Dornbuschlandschaften und trockene Laubwälder des madagassischen Südens, insbesondere die für diese Region typischen Didieraceen-Dickichte. Diese Biotope zeichnen sich durch ausgeprägte Trockenperioden, sandige bis kalkhaltige Böden und eine spärliche Krautschicht aus. Die Strahlenschildkröte meidet feuchte Waldgebiete und kommt bevorzugt in Regionen mit jährlichen Niederschlägen unter 600 mm vor. In der küstennahen Vegetation, auf Dünenlandschaften und in lichten Galeriewäldern entlang ausgetrockneter Flussbetten findet sie ebenfalls geeignete Bedingungen.

Ernährung

Die Strahlenschildkröte ist überwiegend herbivor. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Gräsern, Kräutern, Sukkulenten und herabgefallenen Früchten. Besonders häufig frisst sie die Triebe und Polster des Opuntien-Kaktus (Opuntia spp.), der als invasive Pflanze in ihrem Lebensraum verbreitet ist. Auch die fleischigen Blätter und Früchte einheimischer Didierea-Gewächse stehen regelmäßig auf dem Speiseplan.

Gelegentlich nimmt sie tierisches Eiweiß in Form von Schnecken, Insekten oder Aas auf, was jedoch einen geringen Anteil der Gesamtnahrung ausmacht. Zur Deckung ihres Kalziumbedarfs werden bisweilen Knochenfragmente oder kalkhaltige Bodenkrusten aufgenommen. Die Wasserversorgung erfolgt größtenteils über die Nahrung, da freies Trinkwasser im natürlichen Habitat nur saisonal verfügbar ist.

Verhalten & Lebensweise

Die Strahlenschildkröte ist vorwiegend dämmerungs- und morgenaktiv. In den kühleren Monaten der madagassischen Trockenzeit (Mai bis Oktober) reduziert sie ihre Aktivität deutlich und verbringt längere Ruhephasen in Gebüschdickichten oder unter überhängenden Felsvorsprüngen. Eine echte Winterruhe oder Hibernation findet nicht statt, doch die Tiere fallen in eine Phase verminderter Stoffwechselaktivität (Torpor).

Die Art lebt solitär und zeigt kein ausgeprägtes Territorialverhalten. Individuelle Streifgebiete können sich weiträumig überlappen. Männchen werden während der Paarungszeit allerdings aggressiv gegenüber Rivalen und versuchen, Konkurrenten durch Rammen und Umdrehen des Panzers zu vertreiben. Diese Kommentkämpfe gehen selten mit Verletzungen einher.

Zur Thermoregulation suchen die Tiere morgens offene, sonnenexponierte Stellen auf und ziehen sich bei extremer Mittagshitze in den Schatten zurück. Die Strahlenschildkröte ist standorttreu, legt aber auf Nahrungssuche täglich Strecken von mehreren hundert Metern zurück.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in die madagassische Regenzeit zwischen November und März. Der Balz geht ein ritualisiertes Verhalten voraus: Das Männchen umkreist das Weibchen, nickt rhythmisch mit dem Kopf und gibt dabei hohe, vogelartige Rufe von sich – ein für Landschildkröten ungewöhnliches akustisches Signal.

Das Weibchen legt pro Gelege drei bis zwölf nahezu kugelrunde, hartschalige Eier in eine selbst gegrabene Nistgrube von etwa 15–20 cm Tiefe. Pro Saison sind bis zu drei Gelege möglich. Die Inkubationszeit beträgt je nach Bodentemperatur 145 bis 230 Tage. Es gibt Hinweise darauf, dass die Geschlechtsbestimmung temperaturabhängig erfolgt (TSD – Temperature-dependent Sex Determination