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Stumpfkrokodil

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Tierart – Reptilien > Krokodile

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Osteolaemus tetraspis
  • Ordnung: Krokodile (Crocodylia)
  • Familie: Echte Krokodile (Crocodylidae)
  • Gattung: Osteolaemus
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder, Sümpfe und Flussufer West- und Zentralafrikas
  • Größe: 1,0 bis 1,8 Meter (maximal ca. 1,9 Meter)
  • Gewicht: 18 bis 40 Kilogramm, selten bis 80 Kilogramm
  • Lebenserwartung: 50 bis 75 Jahre in Gefangenschaft; in freier Wildbahn vermutlich 40 bis 50 Jahre

Aussehen & Merkmale

Das Stumpfkrokodil ist die kleinste heute lebende Art aus der Familie der Echten Krokodile. Seinen deutschen Namen verdankt es der auffallend kurzen, stumpfen Schnauze, die es deutlich von den meisten anderen Krokodilarten unterscheidet. Der Körperbau ist gedrungen und kräftig, die Beine im Verhältnis zur Körpergröße relativ lang, was dem Tier an Land eine überraschend gute Fortbewegung ermöglicht.

Die Grundfärbung der Hornschuppen variiert von Dunkelbraun bis fast Schwarz auf der Oberseite, während die Bauchseite heller gefärbt ist und gelbliche bis cremefarbene Töne aufweist. Jungtiere zeigen ein kontrastreiches Muster aus braunen und hellgelben Querbändern auf Rücken und Schwanz, das mit zunehmendem Alter verblasst. Die Schuppen auf dem Rücken und im Nackenbereich sind stark verknöchert (osteodermal), was dem Tier einen wirksamen Schutz gegen Verletzungen bietet. Diese ausgeprägten Osteodermen gaben der Gattung Osteolaemus ihren wissenschaftlichen Namen – abgeleitet von den griechischen Wörtern „osteon" (Knochen) und „laemus" (Kehle).

Die Augen sind relativ groß und mit einer vertikalen Pupille ausgestattet, die auf die überwiegend nachtaktive Lebensweise hindeutet. Wie bei allen Krokodilen liegen Augen und Nasenlöcher erhöht auf der Kopfoberseite, sodass das Tier fast vollständig untergetaucht im Wasser lauern kann.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Stumpfkrokodils erstreckt sich über weite Teile West- und Zentralafrikas. Es kommt in Ländern wie Nigeria, Kamerun, Gabun, der Republik Kongo, der Demokratischen Republik Kongo, Ghana, Guinea, Liberia, Sierra Leone, Elfenbeinküste und Angola vor. Das bevorzugte Habitat sind dichte tropische Regenwälder, in denen das Tier langsam fließende Flüsse, Bäche, Sümpfe und sumpfige Überschwemmungsgebiete besiedelt.

Anders als viele größere Krokodilarten meidet das Stumpfkrokodil offene Gewässer und große Flusssysteme. Es bewohnt stattdessen kleine, schattige Gewässer innerhalb geschlossener Waldgebiete. Gelegentlich nutzt es auch temporäre Tümpel und überflutete Waldsenken während der Regenzeit. In manchen Regionen wurden Stumpfkrokodile sogar in Höhlensystemen nachgewiesen, etwa in Gabun, wo sie in unterirdischen Gewässern mit stark saurem Wasser leben und dort eine auffällig orangebraune Verfärbung der Haut entwickeln – vermutlich durch die Einwirkung von Fledermausguano.

Innerhalb der Gattung Osteolaemus werden nach neueren genetischen Untersuchungen möglicherweise bis zu drei eigenständige Arten unterschieden. Neben der Nominatform Osteolaemus tetraspis wird Osteolaemus osborni (Kongostumpfkrokodil) von einigen Taxonomen als eigene Art geführt. Eine dritte, noch unbeschriebene westafrikanische Linie ist Gegenstand laufender Forschung.

Ernährung

Das Stumpfkrokodil ist ein opportunistischer Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Die Hauptnahrung besteht aus Fischen, Fröschen, Krabben, Schnecken und verschiedenen wirbellosen Tieren. Gelegentlich erbeuten Stumpfkrokodile auch kleine Säugetiere, etwa Nagetiere, die ans Wasser kommen. Insekten und deren Larven machen vor allem bei jüngeren Tieren einen erheblichen Teil der Nahrung aus.

Die Jagd findet überwiegend in der Nacht statt. Stumpfkrokodile lauern dabei regungslos im flachen Wasser oder am Uferrand und schnappen blitzschnell zu, sobald sich Beute in Reichweite befindet. Sie suchen auch aktiv am Waldrand und auf dem Waldboden nach Nahrung, was sie von vielen anderen Krokodilarten unterscheidet, die fast ausschließlich im oder am Wasser jagen.

Verhalten & Lebensweise

Stumpfkrokodile sind vorwiegend nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in selbst gegrabenen Bauten am Ufer, unter Wurzelwerk, in hohlen Baumstämmen oder zwischen dichter Ufervegetation. Diese Rückzugsorte dienen zugleich als Schutz vor größeren Raubtieren und vor Überhitzung.

Die Art lebt einzelgängerisch. Adulte Tiere besetzen individuelle Reviere entlang von Gewässerabschnitten, die gegenüber Artgenossen verteidigt werden. Begegnungen zwischen Individuen außerhalb der Paarungszeit verlaufen häufig aggressiv. Die relative Scheu und die versteckte Lebensweise in dichten Waldgebieten erschweren die Erforschung dieser Art erheblich, weshalb über das Freilandverhalten noch vergleichsweise wenig bekannt ist.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung findet in der Regenzeit statt, wenn der Wasserstand in den Waldgewässern steigt. Das Weibchen errichtet ein Nesthügel aus verrottendem Pflanzenmaterial, Laub und Erde in unmittelbarer Nähe zum Wasser. In diesen Hügel werden etwa 10 bis 20 Eier abgelegt – eine vergleichsweise geringe Gelegegröße, die typisch für kleinere Krokodilarten ist.

Die Inkubationszeit beträgt rund 85 bis