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Tahr

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Tierart – Säugetiere > Huftiere – Ziegen & Schafe

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Hemitragus (Gattung) bzw. Arabitragus und Nilgiritragus (abgetrennte Gattungen)
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Familie: Hornträger (Bovidae)
  • Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
  • Arten: Himalaya-Tahr (Hemitragus jemlahicus), Nilgiri-Tahr (Nilgiritragus hylocrius), Arabischer Tahr (Arabitragus jayakari)
  • Lebensraum: Steile Gebirgshänge, Felsregionen, alpine und subalpine Zonen
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 90–140 cm, Schulterhöhe 60–100 cm
  • Gewicht: 35–100 kg (je nach Art und Geschlecht)
  • Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, bis 20 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Tahre sind gedrungene, kräftig gebaute Wildziegen mit relativ kurzen, nach hinten gebogenen Hörnern, die beide Geschlechter tragen. Die Hörner der Böcke erreichen eine Länge von bis zu 45 cm und sind deutlich massiver als die der weiblichen Tiere. Der Körperbau ist kompakt und muskulös, mit kräftigen Läufen und breiten, griffigen Hufen, die als hervorragende Anpassung an das Klettern in steilem Felsgelände gelten.

Das Fell variiert je nach Art erheblich. Der Himalaya-Tahr besitzt ein dichtes, zotteliges Haarkleid mit einer ausgeprägten Mähne an Hals und Schultern, die bei älteren Böcken bis zu den Vorderknien reichen kann. Die Fellfarbe reicht von rotbraun bis dunkelbraun, wobei ältere Männchen deutlich dunkler gefärbt sind als Weibchen und Jungtiere. Der Nilgiri-Tahr zeigt ein kürzeres, dunkelbraunes Fell, während der Arabische Tahr die kleinste und am hellsten gefärbte Art darstellt, mit einem graubraunen bis sandfarben Haarkleid.

Ein auffälliges Merkmal aller Tahr-Arten ist die Abwesenheit eines Kinnbarts, der bei vielen anderen Ziegenartigen typisch ist. Dies unterscheidet sie äußerlich deutlich von echten Ziegen der Gattung Capra.

Lebensraum & Verbreitung

Die drei Tahr-Arten besiedeln voneinander weit entfernte Verbreitungsgebiete. Der Himalaya-Tahr kommt im zentralen und östlichen Himalaya vor, von Nordindien über Nepal bis Tibet. Sein Habitat umfasst steile, felsige Berghänge in Höhenlagen zwischen 2.500 und 5.000 Metern, wo offene Grasfluren mit Felsvorsprüngen und Geröllhalden abwechseln.

Der Nilgiri-Tahr ist ein Endemit der Westghats in Südindien. Er lebt in Höhenlagen zwischen 1.200 und 2.600 Metern in Grasland- und Felsenbiotopen oberhalb der Baumgrenze. Sein Verbreitungsgebiet ist auf wenige isolierte Bergregionen im Bundesstaat Kerala und angrenzenden Gebieten beschränkt.

Der Arabische Tahr bewohnt das Hadschar-Gebirge im Nordosten Omans und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er ist die einzige Wildziegenart der Arabischen Halbinsel und besiedelt dort steile Felswände und Schluchten in Höhen von 1.000 bis 1.800 Metern.

Durch menschliche Einführung existieren zudem verwilderte Populationen des Himalaya-Tahrs in Neuseeland, Südafrika und im Oman-Gebirge, wo sie teilweise als invasive Art gelten und einheimische Vegetation gefährden.

Ernährung

Tahre sind reine Pflanzenfresser mit einer Ernährung, die vorwiegend auf Gräsern, Kräutern und Zwergsträuchern basiert. In ihrem kargen Hochgebirgshabitat nutzen sie ein breites Spektrum an Nahrungspflanzen und passen ihre Ernährung saisonabhängig an. Während der Vegetationsperiode überwiegen frische Gräser und krautige Pflanzen, im Winter weichen die Tiere auf trockene Grashorste, Laub, Rinde und niedrige Gehölze aus. Der Himalaya-Tahr wandert im jahreszeitlichen Rhythmus zwischen höher und tiefer gelegenen Weidegründen, um stets Zugang zu ausreichender Nahrung zu haben.

Verhalten & Lebensweise

Tahre leben in Gruppen unterschiedlicher Größe und Zusammensetzung. Weibchen und Jungtiere bilden Herden von 10 bis 50 Individuen, die relativ ortstreue Streifgebiete nutzen. Ausgewachsene Böcke leben außerhalb der Paarungszeit einzelgängerisch oder in kleinen Junggesellengruppen. Die Tiere sind überwiegend tagaktiv, mit Aktivitätsschwerpunkten in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden. In Gebieten mit hohem menschlichem Störungsdruck verschiebt sich die Aktivität teils in die Dämmerung.

Als geschickte Kletterer bewegen sich Tahre sicher auf extrem steilem und unebenem Terrain. Ihre breiten, elastischen Hufsohlen bieten dabei hervorragenden Halt auf glattem Fels. Bei Gefahr durch Raubtiere – zu denen Schneeleoparden, Leoparden und Wölfe zählen – flüchten Tahre in nahezu senkrechte Felswände, die für die meisten Prädatoren unzugänglich sind.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit (Brunft) fällt beim Himalaya-Tahr in die Monate Oktober bis Januar. Während der Brunft stoßen die Böcke zu den Weibchengruppen und konkurrieren durch Imponierverhalten und direkte Kämpfe um den Zugang zu paarungsbereiten Weibchen. Dabei stellen sie sich seitlich auf, um ihre mächtige Mähne zur Schau zu stellen, und tragen Hornstöße im Stirnkampf aus.

Nach einer Tragzeit von etwa sechs bis sieben Monaten bringt das Weibchen