Tannenhäher
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Nucifraga caryocatactes
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Rabenvögel (Corvidae)
- Gattung: Nussknacker (Nucifraga)
- Lebensraum: Montane und boreale Nadelwälder, insbesondere Fichten- und Zirbelkiefernbestände
- Größe: 32–35 cm Körperlänge, Flügelspannweite ca. 52–58 cm
- Gewicht: 150–200 g
- Lebenserwartung: Bis zu 10 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Der Tannenhäher ist ein mittelgroßer Singvogel aus der Familie der Rabenvögel, dessen Gefieder auf den ersten Blick unverwechselbar ist. Die Grundfärbung ist ein dunkles Schokoladenbraun, das am gesamten Rumpf, an Brust, Bauch und Rücken dicht mit weißen, tropfenförmigen Flecken übersät ist. Die Flügel und der Schwanz sind schwarz mit einem leichten bläulich-grünen Metallglanz. Ein auffälliges Erkennungsmerkmal im Flug ist die weiße Endbinde des Schwanzes sowie die weißen Unterschwanzdecken, die im Kontrast zum ansonsten dunklen Gefieder deutlich hervorstechen.
Der Schnabel ist lang, kräftig und leicht gebogen – ein Werkzeug, das perfekt an das Aufbrechen von Zapfen und Nüssen angepasst ist. Die Beine sind dunkelgrau bis schwarz, die Augen dunkelbraun. Männchen und Weibchen unterscheiden sich äußerlich kaum; ein Geschlechtsdimorphismus fehlt weitgehend. Jungvögel ähneln den adulten Tieren, zeigen jedoch ein etwas matteres Gefieder mit weniger scharf abgegrenzten Flecken.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Tannenhähers erstreckt sich in einem breiten Gürtel von Skandinavien über Mittel- und Osteuropa durch die Taiga Sibiriens bis nach Japan und in die Gebirgsregionen Zentralasiens. In Europa besiedelt er vor allem die Alpen, die Karpaten, den Schwarzwald, das Erzgebirge und die skandinavischen Gebirge. Die Art kommt in Höhenlagen zwischen 800 und 2.200 Metern vor, gelegentlich auch tiefer.
Das bevorzugte Habitat sind geschlossene und halboffene Nadelwälder, insbesondere solche mit Zirbelkiefern (Pinus cembra), Arven und Haselsträuchern. In den Alpen ist der Tannenhäher eng an das Vorkommen der Zirbelkiefer gebunden, deren Samen seine Hauptnahrungsquelle darstellen. In der sibirischen Taiga besiedelt er dagegen vor allem Fichten- und Lärchenwälder. Das Biotop muss ausreichend Nahrungsbäume und geeignete Versteckplätze für die Anlage von Nahrungsdepots bieten.
In Europa werden zwei Unterarten unterschieden: Die Nominatform N. c. caryocatactes mit dem dicken Schnabel, die vor allem Zirbelkiefernsamen frisst, und die schlankschnäblige N. c. macrorhynchos aus Sibirien, die auf Haselnüsse spezialisiert ist und bei Nahrungsmangel gelegentlich in großen Invasionszügen bis nach Westeuropa vordringt.
Ernährung
Der Tannenhäher ernährt sich überwiegend von den Samen der Zirbelkiefer und der Haselnuss. Daneben gehören Fichtensamen, Bucheckern, Eicheln sowie Beeren zum Nahrungsspektrum. Ergänzend nimmt er Insekten, Larven, kleine Wirbeltiere, Vogeleier und Nestlinge auf, besonders während der Brutzeit, wenn der Proteinbedarf steigt.
Eine zentrale Rolle in der Ernährungsbiologie spielt das Anlegen umfangreicher Vorratslager. Im Herbst sammelt der Tannenhäher in seinem Kehlsack – einer dehnbaren Hautfalte unter dem Schnabel – bis zu 80 Zirbelnüsse oder rund 15 Haselnüsse gleichzeitig und transportiert sie über Strecken von mehreren Kilometern. Die Samen werden dann in flachen Bodenverstecken, unter Moos, Laub oder Steinen vergraben. Ein einzelner Vogel legt pro Herbst schätzungsweise 5.000 bis 10.000 solcher Depots an und speichert dabei bis zu 100.000 Samen.
Verhalten & Lebensweise
Der Tannenhäher ist tagaktiv und lebt außerhalb der Brutzeit meist einzelgängerisch oder in lockeren Paaren. Er ist ein ausgesprochen standorttreuer Vogel, der sein Revier ganzjährig besetzt und verteidigt. Die Reviergrößen variieren je nach Nahrungsangebot zwischen 0,5 und 2 Quadratkilometern.
Der Flug des Tannenhähers wirkt etwas schwerfällig und erinnert mit den wechselnden Gleit- und Flügelphasen an den anderer Rabenvögel. Sein Ruf ist ein lautes, raues „krrr-krrr-krrr", das weit durch den Bergwald trägt und den Vogel häufig verrät, bevor man ihn sieht.
Das räumliche Gedächtnis des Tannenhähers ist außerordentlich leistungsfähig. Studien haben gezeigt, dass er selbst unter einer geschlossenen Schneedecke von über einem Meter einen Großteil seiner Verstecke wiederfindet – auch Monate nach dem Anlegen. Nicht wiedergefundene Depots keimen im Frühjahr aus und tragen so erheblich zur Verbreitung und Verjüngung der Zirbelkiefer bei. Der Tannenhäher gilt daher als einer der wichtigsten Samenverbreiter dieser Baumart.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt bereits im späten Winter, oft schon im Februar, wenn noch Schnee liegt. Das Paar führt gemeinsame Balzflüge über dem Revier durch, begleitet von leisen, krächzenden und gurrenden Lautäußerungen. Tannenhäher leben in der Regel monogam und bleiben über mehrere Brutsaisons zusammen.
Das Nest wird hoch in Nadelbäumen errichtet, meist in dichten Fichten oder Zirbelkiefern in 5 bis 15 Me