Tatze
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Definition & Überblick
Als Tatze (auch Pranke bei Großkatzen und Bären) wird in der Umgangssprache und in der zoologischen Terminologie der distale Abschnitt der Gliedmaßen bei verschiedenen Säugetierordnungen bezeichnet, insbesondere bei Raubtieren (Carnivora). Anatomisch entspricht die Tatze dem Autopodium, also dem Hand- bzw. Fußabschnitt der Vorder- und Hinterextremitäten. Sie umfasst die Bereiche des Carpus (Vorderfußwurzel) bzw. Tarsus (Hinterfußwurzel), des Metacarpus/Metatarsus (Mittelfuß) sowie der Phalanges (Zehenglieder) einschließlich der Krallen. Der Begriff wird vorwiegend für Digitigrade (Zehengänger) wie Katzen und Hunde sowie für Plantigrade (Sohlengänger) wie Bären verwendet, seltener für andere Säugetiergruppen.
Aufbau & Struktur
Die Tatze ist ein hochkomplexes anatomisches Gebilde, das aus einem Zusammenspiel von Knochen, Gelenken, Sehnen, Bändern, Muskeln und spezialisierten Weichteilstrukturen besteht.
- Skelett: Das knöcherne Grundgerüst setzt sich aus den Karpalknochen (Ossa carpi) bzw. Tarsalknochen (Ossa tarsi), den Metakarpalknochen (Ossa metacarpalia) bzw. Metatarsalknochen (Ossa metatarsalia) und den Phalangen zusammen. Jede Zehe besitzt in der Regel drei Phalangen – Phalanx proximalis, Phalanx media und Phalanx distalis (Krallenbein) – mit Ausnahme der ersten Zehe (Daumen/Afterkralle), die nur zwei Glieder aufweist.
- Krallen (Ungues): Die Krallen sind verhornte Epidermisderivate, die das Krallenbein kappenartig umschließen. Sie bestehen aus einer dorsalen Krallenplatte (Lamina unguicularis) und einer ventralen Krallensohle (Solea unguicularis). Das Krallenbett (Matrix unguis) ist für das Wachstum verantwortlich.
- Ballen (Tori): An der palmaren bzw. plantaren Seite der Tatze befinden sich die charakteristischen Sohlenballen. Man unterscheidet den großen Metacarpal-/Metatarsalballen (Torus metacarpalis/metatarsalis), die einzelnen Zehenballen (Tori digitales) und bei einigen Arten den Karpalballen (Torus carpalis). Diese Ballen bestehen aus einer dicken, verhornten Epidermis, darunter liegendem elastischem Bindegewebe und Fettpolstern, die als Stoßdämpfer fungieren.
- Sehnen und Bänder: Die Beuge- und Strecksehnen der Zehen verlaufen als lange Sehnen der Unterarmmuskulatur (Mm. flexores/extensores digitorum) bis zu den Endphalangen. Bei Katzen spielt das dorsale elastische Band (Ligamentum dorsale) eine entscheidende Rolle für den Retraktionsmechanismus der Krallen.
Funktion
Die Tatze erfüllt ein breites Spektrum biomechanischer und sensorischer Aufgaben. Ihre primäre Funktion ist die Fortbewegung: Die Ballen dämpfen beim Auftreten mechanische Stöße und schützen die tieferliegenden Strukturen. Die flexible Zehenanordnung ermöglicht eine sichere Bodenhaftung auf unterschiedlichen Untergründen. Bei Zehengängern wie dem Hund sorgt die digitigrade Stellung für eine effiziente Verlängerung des Hebelarms und damit für eine höhere Laufgeschwindigkeit.
Darüber hinaus dient die Tatze als Greif- und Fangwerkzeug. Besonders Katzenartige (Felidae) nutzen ihre ausfahrbaren Krallen zum Ergreifen und Festhalten von Beute. Bären und Dachse setzen ihre kräftigen Tatzen zum Graben ein. Die Ballen enthalten zahlreiche Mechanorezeptoren (Meissner-Körperchen, Vater-Pacini-Körperchen), die taktile Reize und Vibrationen registrieren. Bei Katzen befinden sich zwischen den Zehenballen Schweißdrüsen (Glandulae sudoriferae), die sowohl der Thermoregulation als auch der Duftmarkierung dienen.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die vergleichende Anatomie der Tatze zeigt erhebliche artspezifische Variationen, die eng mit der Lebensweise und dem Habitat der jeweiligen Spezies zusammenhängen.
- Hund (Canis lupus familiaris): Typischer Zehengänger mit vier belasteten Zehen an der Hintergliedmaße und fünf an der Vordergliedmaße (wobei die erste Zehe als Afterkralle den Boden nicht berührt). Die Krallen sind nicht retraktil, relativ stumpf und dienen primär der Traktion. Zwischen den Zehen befindet sich eine ausgeprägte Zwischenzehenhaut.
- Katze (Felis catus): Ebenfalls digitigrad, mit fünf Zehen vorne und vier hinten. Herausragendes Merkmal ist der Retraktionsmechanismus der Krallen: In Ruhestellung werden die Krallen durch elastische Bänder in einer Hautfalte (Krallenfalz) dorsalwärts zurückgezogen, sodass sie den Boden nicht berühren und scharf bleiben. Durch Kontraktion des M. flexor digitorum profundus werden die Krallen aktiv vorgeschoben.
- Bär (Ursidae): Als Sohlengänger (plantigrad) belastet der Bär die gesamte Fußfläche einschließlich Carpus bzw. Tarsus. Die Tatzen sind massig, mit langen, nicht retraktilen Krallen ausgestattet und ermöglichen sowohl kraftvolles Graben als auch das Klettern auf Bäume.
- Großkatzen (Pantherinae): Die Pranken des Löwen oder Tigers folgen dem Grundbauplan der Katze, sind jedoch proportional vergrößert. Die Krallen erreichen bei