Tenneßee-walker
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Steckbrief
- Herkunft: Tennessee, USA
- Rassestandard: Tennessee Walking Horse Breeders' and Exhibitors' Association (TWHBEA), gegründet 1935
- Stockmaß: 150–170 cm (durchschnittlich 155–163 cm)
- Gewicht: 410–540 kg
- Lebenserwartung: 28–33 Jahre
- Fell/Farben: Alle Grundfarben kommen vor – Rappen, Braune, Füchse, Schimmel, Schecken, Palominos, Cremelli sowie diverse Aufhellungen und Abzeichen. Das Fell ist mittellang, seidig und von feiner Textur.
Herkunft & Geschichte
Der Tennessee Walking Horse – im deutschsprachigen Raum meist kurz Tennessee Walker genannt – entstand im 18. und 19. Jahrhundert im Süden der Vereinigten Staaten, vornehmlich im Bundesstaat Tennessee. Die Abstammung dieser Gangpferderasse geht auf eine Kreuzung verschiedener Rassen zurück: Narragansett Pacer, Canadian Pacer, Standardbred, Morgan, American Saddlebred und Thoroughbred flossen in die Zucht ein. Ziel war ein komfortables, ausdauerndes Reitpferd, das Plantagenbesitzern den ganzen Tag ermüdungsfreies Reiten über weitläufige Ländereien ermöglichte.
Als Stammvater der Rasse gilt der 1886 geborene Hengst Black Allan (auch Allan F-1 genannt), ein Standardbred-Morgan-Kreuzungsprodukt, dessen außergewöhnlich weicher, natürlicher Gang das Fundament für den modernen Tennessee Walker legte. 1935 wurde die Tennessee Walking Horse Breeders' and Exhibitors' Association (TWHBEA) als offizieller Zuchtverband gegründet und das Zuchtbuch geschlossen. Seitdem wird die Rasse nach strengen Standards selektiert, wobei der charakteristische Running Walk das zentrale Selektionskriterium darstellt.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich der Tennessee Walker vom reinen Arbeitspferd zum beliebten Freizeit- und Showpferd. Seit den 1970er-Jahren geriet die Rasse allerdings in die Kritik, weil auf manchen Showturnieren die umstrittene Praxis des Soring – das absichtliche Erzeugen von Schmerzen an den Vordergliedmaßen zur Übertreibung der Gangmechanik – angewandt wurde. Mittlerweile ist Soring in den USA gesetzlich verboten, und zahlreiche Verbände setzen sich aktiv für eine tierschutzgerechte Zucht und Ausbildung ein.
Aussehen & Rassemerkmale
Der Tennessee Walker ist ein mittelgroßes bis großes Pferd mit elegantem, aber kräftigem Körperbau. Der Kopf ist edel und leicht konvex (ramsnasig), die Ohren aufmerksam nach vorn gerichtet. Die großen, ausdrucksvollen Augen verleihen der Rasse einen freundlichen Gesichtsausdruck. Der Hals ist lang, gut aufgesetzt und leicht geschwungen, was dem Pferd eine natürlich aufgerichtete Haltung verleiht.
Die Schulter ist schräg und lang – eine anatomische Voraussetzung für den raumgreifenden Flachfußgang. Der Rücken ist kurz bis mittellang, die Kruppe leicht abfallend mit tief angesetztem Schweif, der beim Gehen auffällig locker pendelt. Die Gliedmaßen sind trocken, mit korrekt gestellten Gelenken und harten Hufen.
Drei Gänge definieren den Rassestandard:
- Flat Walk: Ein ruhiger, gleichmäßiger Viertaktgang mit deutlichem Kopfnicken.
- Running Walk: Die Paradedisziplin – ein beschleunigter Viertaktgang, bei dem das Pferd Geschwindigkeiten von 10 bis 20 km/h erreicht, während der Reiter nahezu erschütterungsfrei sitzt.
- Canter: Ein weicher, rollender Galopp im Dreitakt.
Charakter & Wesen
Der Tennessee Walker gilt als eines der umgänglichsten Pferde überhaupt. Sein Wesen wird als ruhig, gelassen, menschenbezogen und ausgeglichen beschrieben. Die Rasse zeigt eine bemerkenswerte Nervenstärke und reagiert auch in ungewohnten Situationen besonnen. Tennessee Walker sind kooperativ im Umgang, lernen schnell und zeigen wenig Neigung zu Unarten oder übermäßiger Schreckhaftigkeit.
Gleichzeitig sind diese Pferde keineswegs phlegmatisch. Unter dem Sattel zeigen sie sich arbeitswillig, aufmerksam und motiviert. Ihre Sensibilität gegenüber feinen Reiterhilfen macht sie zu angenehmen Partnern, die auf leichte Signale reagieren. Gegenüber vertrauten Bezugspersonen entwickeln sie eine ausgeprägte Bindung und zeigen sich anhänglich und treu.
Haltung & Pflege
Tennessee Walker sind robuste, anpassungsfähige Pferde, die sowohl in Offenstall- als auch in Boxenhaltung gut zurechtkommen. Wie bei allen Pferden sollte ausreichend Bewegung gewährleistet sein – täglicher Auslauf auf der Koppel oder Weide ist essenziell für die körperliche und psychische Gesundheit. Als gesellige Herdentiere brauchen sie zwingend Kontakt zu Artgenossen.
Die Fellpflege gestaltet sich unkompliziert. Regelmäßiges Putzen, Mähnen- und Schweifpflege sowie die Kontrolle von Hufen gehören zur Standardroutine. Da Tennessee Walker häufig üppiges Langhaar entwickeln, sollte besonders auf Verfilzungen im Schweif und in der Mähne geachtet werden. Ein Hufschmied sollte alle sechs bis acht Wochen die Hufe bearbeiten – gerade bei dieser Rasse ist ein fachgerechter, natürlicher Beschlag wichtig, um die Gangmechanik nicht negativ zu beeinflussen.
Beschäftigung in Form von abwechslungsreichen Ausritten, Bodenarbeit oder leichtem Trail-Training hält den Tennessee Walker geistig und körperlich fit.
Ernährung
Die Fütterung des Tennessee Walkers unterscheidet sich nicht grundlegend von der anderer mittelgroßer Warmblüter. Hochwertiges Raufutter – Heu und Gras – bildet die Basis der Ernährung und sollte den größten Teil der täglichen Ration ausmachen. Je nach Arbeitsbelastung kann Kraftfutter in moderaten Mengen