Terrazoo
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Definition und Überblick
Ein Terrazoo ist eine zoologische Einrichtung, die sich auf die Haltung, Präsentation und häufig auch auf die Zucht von Reptilien, Amphibien und Wirbellosen spezialisiert hat. Der Begriff setzt sich aus den Wörtern Terrarium und Zoo zusammen und beschreibt damit eine Schauanlage, deren Schwerpunkt auf Terrarientieren liegt. Im Gegensatz zu einem klassischen Zoo, der ein breites Spektrum an Säugetieren, Vögeln, Fischen und weiteren Tiergruppen zeigt, konzentriert sich ein Terrazoo gezielt auf Arten, die in Terrarien, Paludarien oder Aquaterrarien gehalten werden – darunter Schlangen, Echsen, Schildkröten, Frösche, Salamander, Spinnen und Skorpione.
Terrazoos existieren sowohl als eigenständige Einrichtungen als auch als spezialisierte Abteilungen innerhalb größerer Tiergärten und Tierparks. Bekannte Beispiele im deutschsprachigen Raum sind der Terrazoo Rheinberg in Nordrhein-Westfalen sowie verschiedene Reptilienhäuser und Reptilienzoos, die unter ähnlichen Konzepten betrieben werden.
Aufgaben und Zielsetzung
Die Aufgaben eines Terrazoos gehen weit über die reine Zurschaustellung von Tieren hinaus. Zu den zentralen Zielen gehören:
- Bildung und Aufklärung: Besucherinnen und Besucher erhalten Einblicke in die Biologie, Ökologie und das Verhalten von Reptilien und Amphibien. Viele Terrazoos bieten geführte Rundgänge, Informationstafeln und Schulprogramme an, um Vorurteile gegenüber oft als gefährlich oder abstoßend empfundenen Tierarten abzubauen.
- Artenschutz und Zucht: Einige Terrazoos beteiligen sich an Erhaltungszuchtprogrammen für bedrohte Arten. Gerade bei Amphibien, die weltweit von einem dramatischen Rückgang betroffen sind, leisten spezialisierte Einrichtungen einen Beitrag zur Bestandssicherung.
- Forschung: Durch die Haltung und Beobachtung seltener Arten unter kontrollierten Bedingungen können wissenschaftliche Erkenntnisse über Fortpflanzung, Krankheiten und Haltungsanforderungen gewonnen werden.
- Auffangstation: Nicht wenige Terrazoos nehmen beschlagnahmte, ausgesetzte oder von Privathaltern abgegebene Tiere auf. Sie fungieren damit als Auffangstation und entlasten Tierheime, die für die Haltung exotischer Arten oft nicht ausgestattet sind.
Haltung und Ausstattung
Die artgerechte Haltung der Tiere erfordert spezialisierte Technik und umfangreiches Fachwissen. Terrarien in einem Terrazoo sind in der Regel deutlich größer und aufwendiger gestaltet als private Haltungseinrichtungen. Je nach Art müssen Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Beleuchtung und UV-Strahlung präzise gesteuert werden. Tropische Arten benötigen andere klimatische Bedingungen als Wüstenbewohner, weshalb ein Terrazoo zahlreiche unterschiedliche Klimazonen simuliert.
Neben klassischen Trockenterrarien finden sich in vielen Einrichtungen auch Paludarien (Kombinationen aus Land- und Wasserbereich), Aquaterrarien für semiaquatische Arten wie Wasserschildkröten oder Krokodilkaimane sowie Feucht- und Regenwaldterrarien für tropische Frösche und Chamäleons. Die Einrichtung der Gehege orientiert sich am natürlichen Lebensraum der jeweiligen Art und umfasst Kletteräste, Versteckmöglichkeiten, Wasserbecken, Bodensubstrate und lebende Pflanzen.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Der Betrieb eines Terrazoos in Deutschland unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben. Grundlage ist das Tierschutzgesetz (TierSchG), das die artgerechte Haltung aller Tiere vorschreibt. Zusätzlich benötigt ein Terrazoo als zoologische Einrichtung eine Genehmigung nach § 42 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG), sofern er öffentlich zugänglich ist und Wildtiere dauerhaft hält.
Für die Haltung geschützter Arten gelten die Bestimmungen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) sowie die EU-Artenschutzverordnung. Tiere, die in den Anhängen dieser Regelwerke aufgeführt sind, dürfen nur mit entsprechenden Herkunftsnachweisen und Genehmigungen gehalten werden. Besonders streng überwacht werden Gifttiere – deren Haltung ist in mehreren Bundesländern durch spezielle Gefahrtierverordnungen geregelt und setzt unter anderem den Nachweis ausreichender Sachkunde sowie geeigneter Sicherheitsvorkehrungen voraus.
Die zuständige Veterinärbehörde führt regelmäßige Kontrollen durch, bei denen Haltungsbedingungen, Hygiene, Tiergesundheit und die Dokumentation des Tierbestands überprüft werden.
Personal und Berufsbilder
In einem Terrazoo arbeiten in der Regel Tierpflegerinnen und Tierpfleger mit der Fachrichtung Zoo, die sich auf die Haltung von Reptilien und Amphibien spezialisiert haben. Die Ausbildung zum Tierpfleger ist ein anerkannter Ausbildungsberuf mit dreijähriger Lehrzeit. Darüber hinaus beschäftigen größere Einrichtungen Biologen, Tierärzte mit Spezialisierung auf Reptilienmedizin sowie pädagogisches Personal für die Besucherbetreuung und Umweltbildung.
Die Pflege von Terrarientieren verlangt spezifische Kenntnisse: Das Erkennen von Krankheitssymptomen bei Reptilien unterscheidet sich grundlegend von der Beurteilung bei Säugetieren. Auch die Fütterung – oft mit lebenden oder frisch getöteten Futtertieren wie Insekten, Mäusen oder Fischen – erfordert Erfahrung und ethische Sensibilität.
Abgrenzung zu verwandten Einrichtungen
Ein Terrazoo ist nicht mit einer reinen Reptilienauffangstation zu verwechseln, die primär der Unterbringung abgegebener oder beschlagnahmter Tiere dient und nicht zwangsläufig für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Ebenso unterscheidet er sich von