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Tigerung

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Zucht & Fortpflanzung > Genetik & Vererbung

Definition und Überblick

Als Tigerung bezeichnet man ein Fellmuster bei Tieren, das durch unregelmäßige, meist vertikal verlaufende Streifen auf einem helleren Grundton gekennzeichnet ist. Der Begriff leitet sich vom charakteristischen Streifenmuster des Tigers ab, beschreibt in der Zucht und Genetik jedoch ein Phänomen, das bei zahlreichen Tierarten vorkommt – von Hauskatzen und Hunden über Pferde bis hin zu Reptilien und Vögeln. Die Tigerung entsteht durch eine genetisch gesteuerte, ungleichmäßige Verteilung von Pigmenten in Haut, Fell oder Gefieder. Je nach Tierart, Rasse und genetischer Konstellation variiert das Muster erheblich in Ausprägung, Farbintensität und Streifenbreite.

Genetische Grundlagen der Tigerung

Die Entstehung einer Tigerung beruht auf komplexen genetischen Mechanismen, bei denen mehrere Gene zusammenwirken. Zentral ist die Regulation der Melaninproduktion in den Melanozyten, den pigmentbildenden Zellen der Haut. Zwei Hauptformen von Melanin spielen dabei eine Rolle: Eumelanin (verantwortlich für schwarze und braune Töne) und Phäomelanin (zuständig für gelbe und rötliche Töne). Die streifenförmige Anordnung dieser Pigmente wird durch genetische Signalwege bestimmt, die während der Embryonalentwicklung festgelegt werden.

Ein wesentliches Modell zur Erklärung solcher Musterbildungen liefert die Turing-Theorie, benannt nach dem Mathematiker Alan Turing. Sie beschreibt, wie Reaktions-Diffusions-Systeme – also das Zusammenspiel von aktivierenden und hemmenden Signalmolekülen – regelmäßige Muster in biologischen Geweben erzeugen können. Bei der Tigerung führen solche Prozesse dazu, dass sich Zonen mit hoher und niedriger Pigmentierung abwechseln.

Die Vererbung der Tigerung folgt je nach Tierart unterschiedlichen Schemata. Bei manchen Rassen wird das Streifenmuster autosomal dominant vererbt, bei anderen spielen polygene Erbgänge eine Rolle, bei denen mehrere Genorte gleichzeitig die Ausprägung des Musters beeinflussen. Zusätzlich können epigenetische Faktoren und Umwelteinflüsse die Intensität und Verteilung der Streifen modifizieren.

Tigerung bei verschiedenen Tierarten

Katzen

Bei der Hauskatze gehört die Tigerung zu den häufigsten Fellzeichnungen. In der Katzengenetik spricht man vom Tabby-Muster, das in mehreren Varianten auftritt: die Makrelenzeichnung (mackerel tabby) mit schmalen, parallel verlaufenden Streifen, die gestromte Zeichnung (classic tabby) mit breiteren, wirbel- oder marmorartigen Mustern sowie die getupfte Variante (spotted tabby). Das verantwortliche Tabby-Gen sitzt auf dem Agouti-Locus, der bestimmt, ob das Streifenmuster sichtbar wird oder von einer einheitlichen Fellfarbe überdeckt wird. Rassen wie die Europäisch Kurzhaar, die Bengalkatze oder die Toyger zeigen besonders ausgeprägte Tigerungen.

Hunde

Bei Hunden wird die Tigerung als Stromung (englisch: brindle) bezeichnet. Dabei zeigen sich dunkle Streifen auf einem helleren Grund, typischerweise in Braun-, Gold- oder Fawn-Tönen. Genetisch wird die Stromung durch das K-Locus-Gen (ASIP-Signalweg) in Kombination mit dem Agouti-Gen gesteuert. Rassen, bei denen Stromung häufig vorkommt, sind unter anderem Boxer, Französische Bulldogge, Greyhound, Holländischer Schäferhund und Mastiff. Die Breite und Dichte der Streifen variiert stark – von feinen, dicht stehenden Linien bis zu breiten, weit auseinanderliegenden Bändern.

Pferde

Bei Pferden tritt eine Tigerung im engeren Sinne selten auf. Der Begriff wird hier gelegentlich für die Tigerscheckung verwendet, eine Fellfärbung mit dunklen Flecken oder Tupfen auf hellem Grund, wie sie beim Knabstrupper und beim Appaloosa typisch ist. Genetisch steht dahinter das Leopard-Complex-Gen (LP-Gen), das in Kombination mit verschiedenen Modifikatorgenen die Größe und Verteilung der Flecken bestimmt. Obwohl es sich dabei eher um eine Scheckung als um eine Streifenzeichnung handelt, hat sich der Begriff Tigerung im Sprachgebrauch der Pferdezucht etabliert.

Reptilien und Vögel

Auch bei Reptilien – insbesondere bei Schlangen und Geckos – kommen getigerte Zeichnungsmuster vor. In der Terraristik werden bestimmte Farbvarianten gezielt als Morphen selektiert, darunter auch solche mit streifenartigen Mustern. Bei Vögeln zeigt sich eine Tigerung vor allem bei Hühnerrassen wie dem Sperber-Farbschlag, bei dem dunkle und helle Bänder im Gefieder alternieren. Die genetische Steuerung erfolgt hier häufig über geschlechtsgebundene Gene auf dem Z-Chromosom.

Bedeutung in der Zucht

In der Rassezucht ist die Tigerung bei vielen Tierarten ein erwünschtes Zuchtziel und im jeweiligen Rassestandard genau definiert. Züchter achten auf Gleichmäßigkeit, Kontrast und Symmetrie der Streifenzeichnung. Durch gezielte Selektion und Verpaarung von Tieren mit besonders ausgeprägter Musterung lässt sich die Tigerung über Generationen hinweg verstärken oder abschwächen.

Allerdings gibt es bei der Zucht auf bestimmte Fellzeichnungen auch genetische Risiken. Das sogenannte Merle-Gen bei Hunden, das ebenfalls eine Art getigerte oder marmorierte Zeichnung erzeugt, kann in homozygoter Form (Doppel-Merle) zu schweren gesundheitlichen Schäden wie Taubheit und Blind