Tukan
TTierart – Vögel > Sonstige Vögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Familie Ramphastidae
- Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
- Familie: Tukane (Ramphastidae)
- Gattungen: u. a. Ramphastos, Pteroglossus, Aulacorhynchus, Selenidera, Andigena
- Anzahl der Arten: ca. 45
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder Mittel- und Südamerikas
- Größe: 30–65 cm (je nach Art)
- Gewicht: 100–680 g
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Das auffälligste Merkmal aller Tukane ist ihr unverhältnismäßig großer, oft leuchtend gefärbter Schnabel. Dieser kann bei manchen Arten – etwa beim Riesentukan (Ramphastos toco) – bis zu einem Drittel der gesamten Körperlänge ausmachen. Trotz seiner Größe ist der Schnabel erstaunlich leicht, da er aus einem Netzwerk hohler Knochenstreben besteht, die von einer dünnen Schicht Keratin überzogen sind. Die Struktur ähnelt einem biologischen Leichtbau-Verbundwerkstoff und verleiht dem Schnabel gleichzeitig Stabilität und geringes Gewicht.
Das Gefieder der Tukane ist überwiegend schwarz oder dunkelgrün, wird aber bei vielen Arten durch leuchtend gelbe, orangefarbene, rote oder weiße Partien an Brust, Kehle und Bürzel kontrastiert. Die Haut um die Augen ist häufig unbefiedert und intensiv gefärbt. Die Beine sind kurz und kräftig, die Zehen paarweise nach vorn und hinten gerichtet (zygodaktyl) – ein Merkmal, das Tukane mit ihren nächsten Verwandten, den Spechten, teilen. Die Flügel sind relativ kurz und abgerundet, was den Tukanen zwar einen wendigen, aber keinen ausdauernden Flug ermöglicht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Tukane erstreckt sich von Südmexiko über ganz Mittelamerika bis in das nördliche Argentinien. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im Amazonasbecken und den angrenzenden tropischen Tieflandregenwäldern Südamerikas. Einzelne Gattungen besiedeln jedoch auch andere Habitate: Bergtukane der Gattung Andigena leben in Nebelwäldern der Anden in Höhenlagen zwischen 1.600 und 3.400 Metern, während die Grünarassaris (Gattung Aulacorhynchus) sowohl in Bergwäldern als auch in feuchten Tieflandwäldern vorkommen.
Tukane sind fast ausschließlich Waldbewohner. Sie bevorzugen geschlossene Baumkronenregionen (Kronendach) und nutzen vorhandene Baumhöhlen als Schlaf- und Brutplätze. Offene Landschaften meiden sie weitgehend, weshalb Entwaldung eine direkte Bedrohung für viele Arten darstellt. In Sekundärwäldern und an Waldrändern sind einige Arten, darunter der Riesentukan, jedoch ebenfalls anzutreffen, solange ausreichend große Bäume mit geeigneten Höhlen vorhanden sind.
Ernährung
Tukane sind in erster Linie Fruchtfresser (frugivor). Früchte und Beeren machen den Hauptanteil ihrer Nahrung aus. Der lange Schnabel dient dabei als Greifwerkzeug, mit dem die Vögel Früchte von dünnen Astspitzen pflücken können, die ihr Körpergewicht nicht tragen würden. Die Nahrung wird mit der Schnabelspitze erfasst, durch eine Kopfbewegung nach oben geworfen und im Schlund aufgefangen.
Neben pflanzlicher Kost nehmen Tukane regelmäßig tierische Nahrung zu sich. Insekten, Spinnen, kleine Eidechsen, Frösche und gelegentlich auch Eier und Nestlinge anderer Vogelarten gehören zum Nahrungsspektrum. Dieser opportunistische Anteil an der Ernährung ist vor allem während der Brutzeit erhöht, wenn der Proteinbedarf steigt. Durch den Verzehr und die anschließende Ausscheidung von Fruchtsamen spielen Tukane eine ökologisch bedeutsame Rolle als Samenverbreiter in tropischen Waldökosystemen.
Verhalten & Lebensweise
Tukane sind tagaktive Vögel, die meist in kleinen Gruppen von 3 bis 12 Individuen leben. Diese Gruppen nutzen gemeinsam Schlafhöhlen, wobei sich mehrere Tiere – oft bis zu sechs – in eine einzige Baumhöhle zwängen. Dabei klappen die Vögel ihren Schwanz über den Rücken und legen den Schnabel darauf ab, um möglichst wenig Platz einzunehmen. Dieses dichte Zusammenschlafen dient der Wärmeisolation und dem Schutz vor nachtaktiven Räubern.
Die Vögel kommunizieren durch laute, oft bellende oder krächzende Rufe, die über weite Distanzen im Wald hörbar sind. Einige Arten erzeugen auch schnurrende oder klappernde Laute. Während der Balzzeit füttern sich Paare gegenseitig mit Früchten – ein Verhalten, das als ritualisierte Paarbindung gedeutet wird. Tukane sind nicht als ausgesprochene Zugvögel bekannt, führen jedoch saisonale Wanderungen innerhalb ihres Habitats durch, die dem Fruchtangebot folgen.
Der große Schnabel erfüllt neben der Nahrungsaufnahme eine weitere physiologische Funktion: Er dient der Thermoregulation. Über die stark durchblutete Schnabeloberfläche können Tukane überschüssige Körperwärme effizient an die Umgebung abgeben – ein Prinzip, das mit den großen Ohren afrikanischer Elefanten vergleichbar ist.
Fortpflanzung & Aufzucht
Tukane brüten in natürlichen Baumhöhlen oder in verlassenen Spechthöhlen, die sie mit ihrem Schnabel geringfügig erweitern. Eigene Höhlen können sie aufgrund der leichten Schnabelstruktur nicht zimmern. Das Gelege umfasst je nach Art 2 bis 4 weiße, glanzlose Eier. Beide Elternvögel bebrüten die Eier im Wechsel