Unglückshäher
UTierart – Vögel > Singvögel – Rabenvögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Perisoreus infaustus
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Rabenvögel (Corvidae)
- Gattung: Perisoreus
- Lebensraum: Boreale Nadelwälder (Taiga) Eurasiens
- Größe: 25–31 cm (Körperlänge)
- Gewicht: 50–80 g
- Lebenserwartung: Bis zu 10 Jahre in freier Wildbahn, vereinzelt bis 15 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Unglückshäher ist ein vergleichsweise kleiner, kompakt gebauter Rabenvogel mit einem auffällig weichen, lockeren Gefieder. Die Oberseite ist überwiegend graubraun gefärbt, wobei der Oberkopf eine dunklere, fast rußbraune Kappe bildet, die sich deutlich von der helleren Stirnpartie absetzt. Die Unterseite zeigt ein mattes Graubraun mit leichtem Rostton. Besonders kennzeichnend sind die leuchtend rostorangen bis rotbraunen Partien an den Flanken, am Bürzel und an den äußeren Steuerfedern, die vor allem im Flug sichtbar werden und ein sicheres Bestimmungsmerkmal darstellen.
Der Schnabel ist relativ kurz und kräftig, typisch für einen omnivoren Rabenvogel. Die Augen sind dunkelbraun, die Beine grauschwarz. Die Geschlechter unterscheiden sich äußerlich kaum – ein leichter Geschlechtsdimorphismus zeigt sich allenfalls in der Körpergröße, wobei Männchen geringfügig größer sein können. Jungvögel ähneln den Altvögeln, wirken jedoch insgesamt etwas matter und gleichförmiger gefärbt. Der Schwanz ist verhältnismäßig lang und abgestuft, was dem Vogel eine gute Manövrierfähigkeit im dichten Waldbestand verleiht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Unglückshähers erstreckt sich über die boreale Zone Eurasiens, von Skandinavien ostwärts über Russland bis nach Ostsibirien und in die nördliche Mongolei. In Europa kommt die Art vor allem in Norwegen, Schweden, Finnland und dem nördlichen Russland vor. Vereinzelte Vorkommen existieren auch im Baltikum sowie in den nördlichsten Regionen Polens und Weißrusslands.
Sein bevorzugtes Habitat sind alte, geschlossene Nadelwälder der Taiga, insbesondere Bestände aus Fichten, Kiefern und Lärchen. Der Unglückshäher meidet offene Landschaften und stark bewirtschaftete Forste. Er ist an dichte, moos- und flechtenreiche Waldgebiete gebunden, die ihm sowohl Nahrung als auch Deckung bieten. In Skandinavien besiedelt er vorwiegend die montane und subalpine Stufe, während er in Sibirien auch in tiefergelegenen Taigalandschaften vorkommt. Dieses enge Biotop macht ihn anfällig für großflächige Veränderungen der Waldstruktur.
Ernährung
Der Unglückshäher ist ein ausgesprochener Allesfresser. Sein Nahrungsspektrum umfasst Insekten und deren Larven, Spinnen, Beeren, Pilze, Samen von Nadelbäumen sowie kleine Wirbeltiere wie Mäuse oder Eidechsen. Gelegentlich plündert er auch Nester anderer Vögel und frisst Eier oder Jungvögel. Im Herbst und Winter spielen Vorräte eine entscheidende Rolle: Der Unglückshäher sammelt systematisch Nahrung und versteckt sie in Rindenspalten, unter Flechten, hinter Borkenstücken oder zwischen Ästen. Diese Vorratshaltung – auch als „Caching" bezeichnet – ist ein typisches Verhalten mehrerer Arten der Gattung Perisoreus und eine Überlebensstrategie für die langen, nahrungsarmen nordischen Winter.
Die Speicheldrüsen des Unglückshähers sind besonders gut entwickelt. Der klebrige Speichel dient dazu, Nahrungsstücke zu kleinen Ballen zu formen und an Versteckplätzen zu befestigen – eine Anpassung, die bei kaum einem anderen europäischen Rabenvogel in dieser Ausprägung vorkommt. Ein einzelner Vogel kann mehrere tausend solcher Depots über sein Revier verteilen und die meisten davon im Winter wiederfinden.
Verhalten & Lebensweise
Unglückshäher sind tagaktive Standvögel, die ganzjährig in ihrem Revier verbleiben. Echte Zugbewegungen finden nicht statt, allenfalls lokale Wanderungen bei extremer Nahrungsknappheit. Sie leben paarweise oder in kleinen Familiengruppen, die aus dem Brutpaar und den Jungvögeln des Vorjahres bestehen. Die Reviergrößen schwanken je nach Nahrungsangebot zwischen 50 und 150 Hektar.
Gegenüber Menschen verhält sich der Unglückshäher auffallend zutraulich – eine Eigenschaft, die in Skandinavien allgemein bekannt ist. An Lagerplätzen und Hütten in der Wildnis nähert er sich oft bis auf wenige Meter und nimmt gelegentlich Futter direkt aus der Hand. Dieses Verhalten hat ihm in Skandinavien den volkstümlichen Beinamen „Lavskrika" (schwedisch) eingebracht und war historisch Anlass für allerlei Aberglauben. Der deutsche Name „Unglückshäher" geht vermutlich auf den Volksglauben zurück, dass sein Erscheinen in der Nähe menschlicher Behausungen Unglück ankündige.
Die Lautäußerungen sind vielfältig und reichen von leisen, quäkenden Rufen bis zu scharfen Warnlauten. Im Vergleich zu Eichelhäher oder Tannenhäher ist der Unglückshäher insgesamt deutlich weniger stimmfreudig.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit beginnt ungewöhnlich früh: Bereits im März oder Anfang April – und damit noch mitten im nordischen Winter – beginnt das Paar mit dem Nestbau. Das Nest wird dicht am Stamm einer Fichte oder Kiefer errichtet, häufig in einer Höhe von drei bis zehn Metern. Es besteht aus Zweigen, Rindenfasern, Flechten und Moos und wird innen mit Federn und Haaren ausgepolstert, um die Eier gegen Kälte zu isolieren.
Das Gelege umfasst in der Regel drei bis vier