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Waldwasserläufer

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Tierart – Vögel > Wasservögel – Watvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tringa ochropus
  • Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
  • Familie: Schnepfenvögel (Scolopacidae)
  • Gattung: Wasserläufer (Tringa)
  • Lebensraum: Waldnahe Feuchtgebiete, Moorwälder, bewaldete Ufer von Bächen und Teichen
  • Größe: 21–24 cm Körperlänge, Flügelspannweite 41–46 cm
  • Gewicht: 50–90 g
  • Lebenserwartung: Bis zu 12 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Waldwasserläufer ist ein kompakt gebauter Watvogel von der Größe einer Amsel. Das Gefieder der Oberseite ist dunkel olivbraun bis schwarzbraun mit feinen weißen Punkten, die besonders im Brutkleid deutlich hervortreten. Die Unterseite ist weiß, wobei Brust und Halsseiten graubraun gestreift sind. Ein auffälliges Merkmal ist der markante weiße Überaugenstreif, der sich deutlich vom dunklen Oberkopf abhebt.

Im Flug zeigt der Waldwasserläufer seine diagnostisch wichtigsten Kennzeichen: Die Oberseite der Flügel erscheint einheitlich dunkel ohne Flügelbinde, und der weiße Bürzel setzt sich scharf vom dunklen Rücken und dem dunkel gebänderten Schwanz ab. Dieser Kontrast unterscheidet ihn klar vom ähnlichen Bruchwasserläufer (Tringa glareola), dessen Oberflügel heller wirken und der einen deutlichen hellen Augenstreif besitzt. Die Beine sind relativ kurz und grünlich bis graugrün gefärbt. Der gerade, dunkle Schnabel ist mittellang und an der Basis leicht aufgehellt. Jungvögel ähneln den Altvögeln, zeigen aber eine weniger kontrastreiche Fleckung auf der Oberseite.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Waldwasserläufers erstreckt sich als breiter Gürtel über die boreale und gemäßigte Zone Eurasiens – von Skandinavien und Mitteleuropa ostwärts bis nach Kamtschatka und Sachalin. Als Langstreckenzieher überwintert die Art in Afrika südlich der Sahara, im Mittelmeerraum, auf der Arabischen Halbinsel sowie in Süd- und Südostasien. In Mitteleuropa tritt der Waldwasserläufer als seltener Brutvogel sowie als regelmäßiger Durchzügler auf. In Deutschland brütet er vor allem in den Niederungen Norddeutschlands, etwa in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, sowie vereinzelt in Bayern.

Sein bevorzugtes Habitat unterscheidet ihn von den meisten anderen europäischen Wasserläuferarten: Er besiedelt nicht offene Küsten oder weite Schlammflächen, sondern waldnahe Feuchtgebiete. Typische Brutbiotope sind Bruch- und Moorwälder, sumpfige Erlenbestände, bewaldete Ufer von Waldbächen und Waldteichen. Auch außerhalb der Brutzeit hält er sich bevorzugt an kleinen, oft beschatteten Gewässern auf – an Gräben, Quellrinnen, Waldtümpeln und schmalen Bachläufen.

Ernährung

Der Waldwasserläufer ernährt sich überwiegend von wirbellosen Tieren. Sein Nahrungsspektrum umfasst Insekten und deren Larven – insbesondere Zuckmücken-, Eintagsfliegen- und Köcherfliegenlarven –, kleine Krebstiere, Würmer, Schnecken und gelegentlich kleine Fische oder Kaulquappen. Die Nahrungssuche erfolgt in flachem Wasser oder an schlammigen Uferbereichen. Dabei schreitet der Vogel mit nickenden Kopfbewegungen umher und pickt Beute von der Wasseroberfläche, vom Schlamm oder aus dem seichten Wasser auf. Gelegentlich stochert er mit dem Schnabel im weichen Substrat. Verglichen mit anderen Schnepfenvögeln nutzt der Waldwasserläufer häufiger die Sichtjagd als das taktile Sondieren.

Verhalten & Lebensweise

Der Waldwasserläufer lebt außerhalb der Brutzeit überwiegend einzelgängerisch. Er ist weniger gesellig als viele verwandte Arten und bildet selten größere Trupps, allenfalls lockere Ansammlungen an günstigen Rastplätzen während des Zuges. An seinem Nahrungsrevier reagiert er ausgesprochen territorial und vertreibt Artgenossen mit aggressiven Drohgebärden.

Die Aktivität erstreckt sich über den gesamten Tag, wobei der Vogel auch in der Dämmerung und nachts aktiv Nahrung sucht. Sein Flugbild wirkt leicht schwalbenartig, mit schnellen, flachen Flügelschlägen und gelegentlichen kurzen Gleitphasen. Beim Auffliegen stößt er seinen charakteristischen Ruf aus – ein hohes, dreisilbiges „tlüit-wit-wit", das sich gut von den Rufen anderer Tringa-Arten unterscheiden lässt. Bei der Landung wippt er typisch mit dem Hinterkörper, ein Verhalten, das auch für den Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) kennzeichnend ist.

Der Herbstzug beginnt bereits im Juni und Juli, wenn die Altvögel die Brutgebiete verlassen; Jungvögel folgen etwas später. Der Frühjahrszug in die Brutgebiete erfolgt von März bis Mai.

Fortpflanzung & Aufzucht

Eine Besonderheit unter den europäischen Limikolen ist das Brutverhalten des Waldwasserläufers: Er brütet nicht am Boden, sondern nutzt alte Nester anderer Vogelarten in Bäumen. Bevorzugt werden verlassene Nester von Drosseln – insbesondere der Wacholderdrossel und Singdrossel –, aber auch Nester von Ringeltauben, Eichelhähern oder Krähen. Die Nesthöhe liegt meist zwischen 2 und 10 Metern, gelegentlich auch höher.

Die Balz beginnt kurz nach der Ankunft im Brutgebiet. Das Männchen führt auffällige Balzflüge über dem Waldgebiet aus, bei denen es steil aufsteigt und unter andauerndem, melodischem Rufen herabgleitet. Das Gelege besteht in der Regel aus vier Eiern, die auf grünlich-grauem Grund dunkel gefleckt sind.