Whippet
WRassen > Hunderassen – Jagdhunde
Steckbrief
- Herkunft: Großbritannien
- FCI-Gruppe: Gruppe 10 – Windhunde, Sektion 3 – Kurzhaarige Windhunde (Nr. 162)
- Größe: Rüden 47–51 cm, Hündinnen 44–47 cm Widerristhöhe
- Gewicht: 7–14 kg (kein im Rassestandard festgelegtes Gewicht, proportional zur Größe)
- Lebenserwartung: 12–15 Jahre
- Fell: Kurz, fein, dicht anliegend
- Farben: Alle Farben und Farbkombinationen sind laut Rassestandard zulässig
Herkunft & Geschichte
Der Whippet entstand im 19. Jahrhundert in den Arbeitervierteln Nordenglands, insbesondere in den Grafschaften Lancashire und Yorkshire. Die Abstammung der Rasse geht auf kleine Greyhounds zurück, die mit verschiedenen Terriern und möglicherweise auch Italian Greyhounds gekreuzt wurden. Ziel war es, einen schnellen, wendigen und gleichzeitig kompakten Hund zu schaffen, der sich für die Kaninchenjagd und Hunderennen eignete.
In den Bergarbeitersiedlungen Englands wurden Whippets oft als „Rennhund des kleinen Mannes" bezeichnet. Hunderennen auf gerader Bahn – sogenannte Rag Races, bei denen die Hunde einem geworfenen Tuch nachjagten – waren ein beliebter Freizeitsport der Arbeiterklasse. Der Whippet war dabei der unangefochtene Star, denn er erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 56 km/h und gilt damit als das schnellste Tier seiner Größenklasse.
Die offizielle Anerkennung durch den britischen Kennel Club erfolgte 1890. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI) führt den Whippet als eigenständige Rasse in der Gruppe 10 (Windhunde). Der zuständige Zuchtverband in Deutschland ist der Deutsche Windhundzucht- und Rennverband (DWZRV), der dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) angeschlossen ist.
Aussehen & Rassemerkmale
Der Whippet verkörpert das Ideal eines Windhundes im Miniaturformat: elegant, muskulös und dabei von bestechender Leichtigkeit. Der Körperbau ist aerodynamisch, mit einer tiefen Brust, die viel Raum für Herz und Lunge bietet, einem deutlich aufgezogenen Bauch und einer langen, biegsamen Rückenlinie. Die Muskulatur ist trocken und klar definiert, ohne massig zu wirken.
Der Kopf ist lang und schmal, trocken modelliert mit flachem Oberkopf und kaum ausgeprägtem Stop. Die Augen sind oval, groß und von lebhaftem Ausdruck. Die kleinen, rosenförmigen Ohren werden seitlich am Kopf getragen und sind fein im Gewebe. Der Hals ist lang und muskulös, elegant geschwungen.
Die Gliedmaßen sind lang, gerade und mit kräftigen Gelenken versehen. Die Pfoten sind oval und kompakt. Die Rute ist lang, spitz zulaufend und wird in einer sanften Kurve getragen, reicht aber nie über die Rückenlinie hinaus. Das kurze, feine Fell liegt eng am Körper an und bietet kaum Schutz gegen Kälte und Nässe – ein Umstand, den Halter bei der Pflege berücksichtigen sollten.
Charakter & Wesen
Der Whippet ist ein Hund der Kontraste: Draußen auf freiem Feld ein explosiver Sprinter mit ausgeprägtem Jagdtrieb, verwandelt er sich im Haus in einen ausgesprochen ruhigen, ja geradezu phlegmatischen Mitbewohner. Diese Dualität macht ihn zu einem der angenehmsten Begleithunde überhaupt.
Im Wesen ist der Whippet sanft, anhänglich und ausgesprochen treu gegenüber seinen Bezugspersonen. Er sucht Körperkontakt, liebt weiche Decken und warme Plätze. Fremden gegenüber zeigt er sich oft zurückhaltend bis scheu, ohne dabei ängstlich oder aggressiv zu reagieren. Als Wachhund ist er wenig geeignet, da Bellen nicht zu seinen bevorzugten Beschäftigungen gehört.
Whippets sind sensibel und feinfühlig. Harte Erziehungsmethoden oder ein rauer Umgangston verunsichern sie nachhaltig. Positive Verstärkung und Geduld sind der Schlüssel zu einem gut erzogenen Whippet. Trotz einer gewissen Eigenständigkeit – typisch für Windhunde – ist er verspielt und kooperativ, wenn man ihn mit Respekt behandelt. Mit Kindern kommt er in der Regel gut zurecht, solange diese gelernt haben, rücksichtsvoll mit Tieren umzugehen. Auch mit anderen Hunden versteht er sich meist problemlos, besonders mit Artgenossen. Bei Katzen und Kleintieren ist aufgrund seines Jagdtriebs Vorsicht geboten.
Haltung & Pflege
Trotz seiner Schnelligkeit und seines Bewegungsdrangs stellt der Whippet erstaunlich moderate Ansprüche an die Haltung. Zwei bis drei ausgiebige Spaziergänge am Tag mit der Möglichkeit zum Freilauf genügen in der Regel. Entscheidend ist, dass er regelmäßig sprinten darf – eine eingezäunte Wiese oder ein Windhund-Coursing-Gelände sind ideal. Der Auslauf sollte allerdings immer in sicherem Terrain stattfinden, denn ein Whippet, der Wild sichtet, ist nahezu unbremsbar.
Im Haus ist der Whippet auffallend ruhig und sauber. Er eignet sich durchaus für die Wohnungshaltung, sofern der Auslauf stimmt. Eine weiche Liegefläche ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit: Durch das geringe Unterhautfettgewebe und das dünne Fell neigt der Whippet ohne angemessene Polsterung zu Druckstellen und Liegeschwielen.
Die Fellpflege ist unkompliziert. Gelegentliches Bürsten mit einem weichen Handschuh entfernt lose Haare und fördert die Durchblutung. Ein Hundemantel ist im Winter und bei nasskaltem Wetter unbedingt empfehlenswert, da der Whippet keinerlei Unterwolle besitzt und schnell auskühlt. Beschäftigung in Form von Coursing, Agility oder schlichten Sprints mit Artgenossen hält ihn körperlich und geistig fit.