Wickelschwanzbär
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Bassaricyon gabbii (sowie weitere Arten der Gattung Bassaricyon)
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Kleinbären (Procyonidae)
- Gattung: Wickelschwanzbären (Bassaricyon)
- Lebensraum: Tropische Bergwälder und Nebelwälder Mittel- und Südamerikas
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 35–47 cm, Schwanzlänge 40–55 cm
- Gewicht: 1,0–1,8 kg
- Lebenserwartung: Bis etwa 25 Jahre in Gefangenschaft; in freier Wildbahn vermutlich deutlich kürzer
Aussehen & Merkmale
Wickelschwanzbären sind schlanke, langgestreckte Kleinbären mit einem auffällig langen, buschigen Schwanz, der in etwa der Kopf-Rumpf-Länge entspricht. Das dichte, weiche Fell ist oberseits braun bis goldbraun gefärbt, die Unterseite zeigt einen helleren, gelblichen bis cremefarbenen Ton. Die Schnauze ist kurz und abgerundet, die großen, dunkel umrandeten Augen deuten auf die überwiegend nachtaktive Lebensweise hin. Die Ohren sind klein und rund.
Im Unterschied zum nahe verwandten Wickelbären (Potos flavus), mit dem der Wickelschwanzbär häufig verwechselt wird, ist der Schwanz der Gattung Bassaricyon nicht wirklich greiffähig – er wird zwar zum Balancieren eingesetzt, kann aber keine Äste umklammern. Die Pfoten tragen scharfe, leicht gebogene Krallen, die das Klettern im Geäst erleichtern. Die Sohlen sind teilweise behaart, was zusätzlichen Halt auf feuchten Ästen bietet.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Wickelschwanzbären erstreckt sich von Mittelamerika (Costa Rica, Panama) bis in den Nordwesten Südamerikas (Kolumbien, Ecuador, Venezuela, Bolivien). Sie besiedeln vorwiegend tropische Regen- und Nebelwälder in Höhenlagen zwischen 600 und 2.500 Metern. Ihr bevorzugtes Habitat sind dicht bewachsene Baumkronen in primären und alten sekundären Wäldern, wo sie das geschlossene Kronendach nutzen, um sich fortzubewegen.
Innerhalb der Gattung werden derzeit mehrere Arten unterschieden. Der Bushy-tailed Olingo (Bassaricyon gabbii) bewohnt vor allem die Bergwälder Zentralamerikas, während Bassaricyon alleni, der Östliche Wickelschwanzbär, im Tiefland des westlichen Amazonasbeckens vorkommt. Die jüngste beschriebene Art, der Olinguito (Bassaricyon neblina), wurde erst 2013 wissenschaftlich erfasst und gilt als das erste neu entdeckte Raubtier der westlichen Hemisphäre seit Jahrzehnten. Er lebt ausschließlich in den Nebelwäldern der Anden in Kolumbien und Ecuador.
Ernährung
Trotz ihrer Zugehörigkeit zur Ordnung der Raubtiere ernähren sich Wickelschwanzbären überwiegend pflanzlich. Den Hauptbestandteil der Nahrung bilden reife Früchte, ergänzt durch Nektar und Blütenpollen. Damit spielen sie als Samenverbreiter und Bestäuber eine ökologische Rolle in ihrem Biotop. Gelegentlich nehmen sie auch Insekten, kleine Wirbeltiere und Eier zu sich, doch der tierische Anteil an der Ernährung bleibt gering. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert saisonal je nach Fruchtangebot im Lebensraum.
Verhalten & Lebensweise
Wickelschwanzbären sind strikt nachtaktiv und verbringen den Tag schlafend in Baumhöhlen oder dichtem Blattwerk. Sie leben einzelgängerisch oder in lockeren Verbänden, pflegen aber kein ausgeprägtes Territorialverhalten mit aktiver Revierverteidigung. Die Kommunikation erfolgt über leise Rufe und Duftmarken, die an Ästen und Baumstämmen hinterlassen werden.
Als ausgezeichnete Kletterer bewegen sie sich fast ausschließlich in den Baumkronen und kommen nur selten auf den Waldboden herab. Ihre Fortbewegung ist flink und wendig; beim Klettern nutzen sie den langen Schwanz als Balancierhilfe. Die Aktivitätsphasen konzentrieren sich auf die ersten Stunden nach Einbruch der Dunkelheit und die Zeit kurz vor der Morgendämmerung, wenn sie auf Nahrungssuche gehen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Über das Fortpflanzungsverhalten der Wickelschwanzbären ist vergleichsweise wenig bekannt, da Beobachtungen in freier Wildbahn durch die nachtaktive und baumbewohnende Lebensweise erschwert werden. Die Tragzeit beträgt etwa 73–74 Tage. In der Regel wird ein einzelnes Jungtier geboren, Zwillingsgeburten sind selten. Die Geburt erfolgt in einer geschützten Baumhöhle.
Das Jungtier kommt mit geschlossenen Augen zur Welt und ist in den ersten Lebenswochen vollständig auf die Mutter angewiesen. Die Augen öffnen sich nach etwa drei Wochen. Die Entwöhnung findet ungefähr im Alter von zwei bis drei Monaten statt, doch die Jungtiere bleiben noch einige Monate im Umfeld der Mutter, bevor sie selbstständig werden. Eine jahreszeitlich gebundene Fortpflanzungsperiode, wie sie bei Arten gemäßigter Breiten vorkommt, scheint bei Wickelschwanzbären nicht ausgeprägt zu sein.
Bedrohung & Schutzstatus
Die Hauptbedrohung für Wickelschwanzbären liegt in der Zerstörung ihres Lebensraums durch Abholzung, Umwandlung von Waldflächen in landwirtschaftliche Nutzflächen und den Ausbau von Siedlungsgebieten. Besonders die auf Nebelwälder spezialisierten Arten wie der Olinguito sind davon betroffen, da diese Biotope nur ein begrenztes Verbreitungsgebiet einnehmen.
Die IUCN stuft die meisten Arten der Gattung Bassaricyon als „nicht gefährdet" (