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Wisent

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Tierart – Säugetiere > Huftiere – Rinder

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Bison bonasus
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Familie: Hornträger (Bovidae)
  • Unterfamilie: Rinder (Bovinae)
  • Gattung: Bisons (Bison)
  • Lebensraum: Laub- und Mischwälder, Waldlichtungen, halboffene Landschaften
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 250–350 cm, Schulterhöhe 150–195 cm
  • Gewicht: Bullen 600–920 kg, Kühe 400–540 kg
  • Lebenserwartung: 20–25 Jahre in freier Wildbahn, bis 28 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Der Wisent ist das größte und schwerste Landsäugetier Europas. Sein Körperbau wirkt vorn massiv und hochaufragend, während die Hinterhand vergleichsweise schlank und niedriger erscheint. Dieser Eindruck entsteht durch den ausgeprägten Buckel im Schulterbereich, der von verlängerten Dornfortsätzen der Brustwirbel gebildet wird und von kräftiger Muskulatur überzogen ist. Der Kopf ist breit und wird tief getragen. Beide Geschlechter tragen kurze, nach oben und innen gebogene Hörner, die bei Bullen etwas kräftiger ausfallen als bei Kühen.

Das Fell ist dunkelbraun bis schokoladenbraun gefärbt und variiert saisonal in Dichte und Länge. Im Winter bildet sich ein dichtes Unterfell aus, das zusammen mit dem längeren Deckhaar guten Schutz gegen Kälte bietet. An Kopf, Hals und Vorderpartie wächst das Haar besonders lang und bildet eine auffällige Mähne. Erwachsene Bullen tragen zudem einen deutlichen Kehlbart. Der Schwanz ist relativ kurz und endet in einer Quaste. Kälber kommen mit einem helleren, rötlich-braunen Fell zur Welt und dunkeln im Lauf des ersten Lebensjahres nach.

Vom nahe verwandten Amerikanischen Bison (Bison bison) unterscheidet sich der Wisent durch den höheren Schulterbuckel, die längeren Beine, den weniger tief hängenden Kopf und das insgesamt etwas leichtere Körpergewicht. Auch die Behaarung am Kopf fällt beim Wisent weniger zottig aus als bei seinem nordamerikanischen Verwandten.

Lebensraum & Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Wisents erstreckte sich über weite Teile Europas – von Südengland und Frankreich im Westen bis zum Kaukasus im Osten. Durch Jagd, Lebensraumverlust und Kriegseinwirkung schrumpfte das Habitat kontinuierlich. Im Jahr 1927 wurde der letzte freilebende Wisent im Kaukasus erlegt; die Art existierte danach nur noch in zoologischen Gärten und Zuchtgehegen.

Heute leben wieder freilebende Populationen vor allem im Białowieża-Urwald an der polnisch-belarussischen Grenze, in den polnischen Karpaten, in Rumänien, Litauen, der Ukraine und in mehreren Gebieten des westlichen Kaukasus. Wiederansiedlungsprojekte laufen unter anderem in Deutschland (Rothaargebirge, Nordrhein-Westfalen), in der Schweiz, in Spanien und in den Niederlanden. Als bevorzugtes Biotop gelten alte Laub- und Mischwälder mit Lichtungen und angrenzenden Offenlandflächen. Die Tiere benötigen großflächige, störungsarme Waldgebiete mit ausreichendem Nahrungsangebot.

Ernährung

Wisente sind Pflanzenfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum. Sie ernähren sich von Gräsern, Kräutern, Laub, Trieben, Rinde und Eicheln. Im Sommer dominieren Gräser und krautige Pflanzen, während im Winter vermehrt Rinde, Zweige und Knospen von Laubbäumen gefressen werden. Zu den bevorzugten Baumarten zählen Eiche, Esche, Weide und Hainbuche. Ein ausgewachsener Wisent nimmt täglich etwa 30 bis 60 Kilogramm pflanzliche Nahrung auf. Als Wiederkäuer verfügen Wisente über ein mehrteiliges Magensystem, das die Verwertung zellulosereicher Kost ermöglicht. Salzlecken und mineralhaltige Böden werden gezielt aufgesucht, um den Mineralstoffbedarf zu decken.

Verhalten & Lebensweise

Wisente leben in Herden, die aus Kühen, Jungtieren und Kälbern bestehen und typischerweise 10 bis 30 Individuen umfassen. Die Herden werden von einer erfahrenen Leitkuh angeführt. Erwachsene Bullen leben außerhalb der Brunft einzelgängerisch oder in kleinen Bullengruppen und schließen sich den Kuhherden nur zur Paarungszeit an.

Die Aktivität der Tiere verteilt sich über den gesamten Tag, mit Fressperioden vorwiegend in den Morgen- und Abendstunden. Dazwischen liegen Ruhephasen, in denen die Tiere wiederkäuen. Wisente sind nicht streng territorial, nutzen aber feste Streifgebiete, die je nach Nahrungsangebot und Jahreszeit 20 bis 100 Quadratkilometer umfassen können. Die Herden wechseln saisonal zwischen verschiedenen Teilarealen ihres Aktionsraums.

Trotz ihrer Masse sind Wisente erstaunlich wendig. Sie können kurzfristig Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h erreichen und Hindernisse von über einem Meter Höhe überspringen. Bei Gefahr flüchtet die Herde geschlossen, wobei die Kälber in die Mitte genommen werden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brunft findet von August bis Oktober statt. Bullen suchen dann die Kuhherden auf und konkurrieren durch Drohgebärden, Parallelmärsche und gelegentliche Kämpfe um den Zugang zu paarungsbereiten Kühen. Dabei senken die Rivalen ihre Köpfe und rammen ihre Stirn- und Hornpartien gegeneinander. Schwere Verletzungen sind allerdings selten.

Nach einer Tragzeit von rund neun Monaten (etwa 264 Tage) bringt die Kuh zwischen Mai und Juli in der Regel ein einzelnes Kalb zur