T Tierlexikon.net
← Lexikon

Württemberger

W

Rassen > Pferderassen

Steckbrief

  • Herkunft: Baden-Württemberg, Deutschland
  • Rassestandard: Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN), Zuchtverband Baden-Württemberg
  • Stockmaß: 160–175 cm
  • Gewicht: 550–700 kg
  • Lebenserwartung: 25–30 Jahre
  • Fell/Farben: Überwiegend Braune, Füchse, Rappen und Schimmel; selten Schecken. Kurzes, glänzendes Deckhaar mit dichter Mähne und vollem Schweif.
  • Einsatzgebiete: Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Fahrsport, Freizeitreiten

Herkunft & Geschichte

Der Württemberger zählt zu den traditionsreichsten deutschen Warmblutrassen und blickt auf eine über 500-jährige Zuchtgeschichte zurück. Bereits im 16. Jahrhundert wurde am Haupt- und Landgestüt Marbach auf der Schwäbischen Alb gezielt Pferdezucht betrieben. Marbach, gegründet 1573 unter Herzog Christoph von Württemberg, gilt als eines der ältesten staatlichen Gestüte Europas und ist bis heute das Herzstück der Württemberger Zucht.

Ursprünglich wurde der Württemberger als vielseitiges Wirtschaftspferd gezüchtet, das sowohl vor dem Pflug als auch unter dem Sattel Dienst leisten konnte. Die Abstammung geht auf einheimische Landstuten zurück, die mit arabischen, anglo-normannischen und später mit Trakehner und Vollblut-Hengsten veredelt wurden. Besonders prägend war der Trakehner Hengst Donauwelle, der in der Nachkriegszeit die Zucht maßgeblich beeinflusste und den Grundstein für den modernen, sportlichen Typ legte.

Mit dem Wandel der Landwirtschaft ab den 1950er Jahren verlor das Arbeitspferd an Bedeutung. Der Zuchtverband Baden-Württemberg stellte die Zucht konsequent auf ein modernes Sportpferd um, wobei Einkreuzungen von Hannoveraner, Holsteiner und Vollblut-Hengsten den Rahmen verfeinerten und die Rittigkeit verbesserten. Seit 1987 werden die Pferde offiziell als „Württemberger" beziehungsweise als „Baden-Württemberger" im Zuchtbuch geführt. Daneben existiert mit dem „Altwürttemberger" ein eigener Schlag, der den kräftigeren, ursprünglichen Typ bewahrt und als eigenständige Rasse unter Artenschutz steht.

Aussehen & Rassemerkmale

Der moderne Württemberger präsentiert sich als großrahmiges, elegantes Warmblutpferd mit harmonischen Proportionen. Der Kopf ist ausdrucksvoll und trocken mit großen, aufmerksamen Augen und weiten Nüstern. Der Hals ist lang, gut aufgesetzt und muskulös, was eine natürliche Aufrichtung begünstigt.

Der Rumpf zeigt eine gut gelagerte, schräge Schulter, einen ausgeprägten Widerrist und einen kräftigen, elastischen Rücken. Die Kruppe ist leicht geneigt und lang, die Hinterhand muskulös und gut gewinkelt – ideale Voraussetzungen für Schub- und Tragkraft. Die Beine sind trocken mit stabilen Gelenken, klar definierten Sehnen und harten, gesunden Hufen.

Das Gangwerk des Württembergers ist sein besonderes Markenzeichen: raumgreifend, taktmäßig und schwungvoll. Vor allem der elastische Trab und der gut balancierte Galopp machen die Rasse sowohl in der Dressur als auch im Springen konkurrenzfähig. Der Schritt ist fleißig und weitausgreifend.

Charakter & Wesen

Württemberger gelten als besonders ausgeglichen, leistungsbereit und nervenstark. Sie bringen eine hohe Grundintelligenz mit und zeichnen sich durch ihre Lernwilligkeit aus, was das Training erleichtert und den Umgang im Alltag angenehm macht.

Typisch für die Rasse ist ein unkompliziertes, menschenbezogenes Wesen. Die Pferde bauen schnell Vertrauen zu ihren Bezugspersonen auf und zeigen sich treu und kooperativ. Trotz ihrer Sensibilität reagieren sie gelassen auf neue Situationen – eine Eigenschaft, die sie sowohl im Turniersport als auch im Gelände zu verlässlichen Partnern macht.

Ihr Arbeitswille ist ausgeprägt, ohne dabei hektisch oder übermäßig temperamentvoll zu wirken. Jungpferde zeigen sich oft verspielt und neugierig, entwickeln aber früh eine angenehme Konzentrationsfähigkeit. Württemberger verzeihen kleinere Reiterfehler und sind daher auch für ambitionierte Amateure gut geeignet.

Haltung & Pflege

Wie alle Warmblutpferde benötigt der Württemberger ausreichend Bewegung und soziale Kontakte zu Artgenossen. Eine Haltung in Offenställen oder großzügigen Boxen mit täglichem Weidegang und regelmäßigem Training entspricht seinen Bedürfnissen am besten. Reine Boxenhaltung ohne ausreichend Auslauf kann zu Verhaltensstörungen und gesundheitlichen Problemen führen.

Die Fellpflege ist unkompliziert. Tägliches Putzen fördert die Durchblutung, stärkt die Bindung zum Pferd und ermöglicht eine regelmäßige Kontrolle auf Verletzungen oder Hautveränderungen. Mähne und Schweif sollten regelmäßig verlesen werden. Die Hufpflege ist essenziell: Alle sechs bis acht Wochen ist ein Besuch beim Hufschmied einzuplanen.

Der Württemberger braucht neben der körperlichen auch geistige Beschäftigung. Abwechslungsreiches Training – etwa der Wechsel zwischen Dressurarbeit, Springgymnastik, Geländeritten und Bodenarbeit – hält das Pferd motiviert und fördert seine vielseitige Veranlagung.

Ernährung

Die Fütterung richtet sich nach Größe, Gewicht, Alter und Arbeitsbelastung des Pferdes. Grundlage ist qualitativ hochwertiges Raufutter in Form von Heu oder Heulage – mindestens 1,5 bis 2 Kilogramm pro 100 Kilogramm Körpergewicht täglich. Zusätzlich kann je nach Leistungsanforderung Kraftfutter wie Hafer, Gerste oder spezielle Müslis zugefüttert werden.

Mineralfutter und Salzlecksteine decken den Bedarf an Spurenelementen und