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Zaumzeug

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Sport & Training > Reitausrüstung

Definition und Überblick

Als Zaumzeug – häufig auch schlicht als Zaum oder Zäumung bezeichnet – wird die Gesamtheit der Riemen und Beschläge verstanden, die am Kopf eines Pferdes angebracht werden, um dem Reiter die Kommunikation mit dem Tier über Zügelhilfen zu ermöglichen. Das Zaumzeug gehört neben dem Sattel zur grundlegenden Reitausrüstung und ist in nahezu allen Reitdisziplinen unverzichtbar. Es dient der Einwirkung auf Maul, Nase oder Genick des Pferdes und überträgt die Signale des Reiters über die Zügel auf das Gebiss oder – bei gebisslosen Varianten – auf empfindliche Druckpunkte am Pferdekopf. Die korrekte Auswahl, Passform und Verschnallung des Zaumzeugs hat direkten Einfluss auf das Wohlbefinden des Pferdes, seine Rittigkeit und die Sicherheit von Reiter und Tier.

Historische Entwicklung

Die Geschichte des Zaumzeugs reicht mehrere Jahrtausende zurück. Bereits in der Bronzezeit verwendeten Reitervölker einfache Riemenanordnungen aus Leder oder geflochtenem Pflanzenmaterial, um ihre Pferde zu lenken. Archäologische Funde aus der Steppe Zentralasiens belegen frühe Trensengebisse aus Knochen und Horn. Mit der Domestizierung des Pferdes und seiner zunehmenden Bedeutung im Krieg, Transport und in der Landwirtschaft entwickelten sich immer differenziertere Zäumungen. Die Reiterei der Antike – etwa bei Griechen und Römern – brachte bereits Kandarengebisse hervor. Im Mittelalter verfeinerten sich die Konstruktionen weiter, und die klassische Reitkunst der Renaissance legte den Grundstein für viele Zaumzeugformen, die in modifizierter Form bis heute in Gebrauch sind.

Bestandteile eines Zaumzeugs

Ein klassisches Zaumzeug besteht aus mehreren Einzelteilen, die zusammen das sogenannte Kopfgestell bilden. Die wesentlichen Komponenten sind:

  • Genickstück (Kopfstück): Der obere Riemen, der hinter den Ohren des Pferdes über das Genick verläuft und das gesamte Zaumzeug trägt.
  • Backenstücke: Zwei seitlich verlaufende Riemen, die das Genickstück mit dem Gebiss verbinden und dessen Höhe im Maul bestimmen.
  • Stirnriemen (Stirnband): Ein quer über die Stirn verlaufender Riemen, der verhindert, dass das Genickstück nach hinten rutscht.
  • Kehlriemen: Ein unter der Kehle verlaufender Riemen, der das Abstreifen des Zaumzeugs über die Ohren verhindern soll. Er muss so locker verschnallt sein, dass die Atmung nicht beeinträchtigt wird.
  • Nasenriemen (Reithalfter): Umschließt den Nasenrücken und je nach Bauart auch das Kinn. Er begrenzt das Öffnen des Mauls und stabilisiert die Gebisslage.
  • Gebiss: Das metallische, seltener aus Kunststoff oder Gummi gefertigte Mundstück, das im Maul auf den Laden (dem zahnfreien Bereich des Unterkiefers) aufliegt.
  • Zügel: Die Verbindung zwischen Gebiss und Reiterhand. Sie übertragen die Zügeleinwirkung und sind in unterschiedlichen Ausführungen erhältlich – etwa als geschlossene Zügel, Schlaufzügel oder geteilte Westernzügel.

Arten von Zaumzeug

Je nach Reitweise, Ausbildungsstand von Pferd und Reiter sowie Disziplin kommen verschiedene Zäumungstypen zum Einsatz:

Trensenzaum: Die am weitesten verbreitete Zäumung in der englischen Reitweise. Er wird mit einem einfach oder doppelt gebrochenen Trensengebiss verwendet und wirkt vorwiegend auf Zunge, Laden und Maulwinkel. Der Trensenzaum eignet sich für die Grundausbildung und wird in Dressur, Springen und Vielseitigkeit eingesetzt.

Kandarenzaum (Stangenzaum): Dieser Zaum verwendet ein ungebrochenes Stangengebiss mit Anzügen (Hebelwirkung) und wirkt zusätzlich auf das Genick und die Kinnkette. Er erfordert eine feine, erfahrene Reiterhand und kommt in der höheren Dressurausbildung zum Einsatz.

Kandare auf Trense (Doppelzäumung): Eine Kombination aus Trensen- und Kandarengebiss, die gleichzeitig im Pferdemaul liegt. Die Doppelzäumung erlaubt besonders differenzierte Hilfen und ist in Dressurprüfungen ab einer bestimmten Klasse vorgeschrieben.

Westernzäumung: Im Westernreiten werden je nach Ausbildungsstufe Snaffle Bit (Wassertrense), Curb Bit (Hebelgebiss) oder Bosal (gebisslose Zäumung aus rohlederumflochtener Nasenband-Konstruktion) verwendet. Die einhändige Zügelführung am Curb Bit stellt das Ziel der Westernausbildung dar.

Gebisslose Zäumungen: Hierzu zählen Varianten wie das Hackamore, das Sidepull, das Bitless Bridle oder das LG-Zaum. Sie verzichten vollständig auf ein Mundstück und wirken stattdessen über Druck auf Nasenrücken, Kinn und teilweise das Genick. Gebisslose Alternativen werden zunehmend beliebter, sind jedoch nicht in allen Turnierdisziplinen zugelassen.

Reithalftertypen

Das Reithalfter – also der Nasenriemen – existiert in verschiedenen Formen, die sich in ihrer Wirkung und Verschnallung unterscheiden:

  • Englisches Reithalfter: Verläuft oberhalb des Gebisses um die Nase und wird unter dem Kinn verschlossen. Es ist die mildeste Variante.
  • Hannoversches Reithalfter: Liegt unterhalb des Gebisses und wirkt stärker auf das Maul.
  • Kombiniertes Reithalfter: Vereint Elemente des englischen und hannoverschen Typs und verfügt über zwei Verschlussriemen.
  • Schwedisches Reithalfter (Crank-Noseband): Mit zusätzlicher Polsterung und verstärkter Versch