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Zehe

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Anatomie & Körperbau > Extremitäten & Fortbewegung

Definition & Überblick

Als Zehe (lat. Digitus, Plural: Digiti) wird der distale, gegliederte Abschnitt der Gliedmaße bezeichnet, der aus Zehenknochen (Phalangen), Gelenken, Sehnen, Bändern sowie dem umgebenden Weichteilgewebe einschließlich Haut und Hornstrukturen besteht. Die Zehen bilden den terminalen Kontaktpunkt zwischen dem Tierkörper und dem Untergrund und sind damit von zentraler Bedeutung für Fortbewegung, Standsicherheit und – je nach Tierart – auch für das Ergreifen von Nahrung oder das Klettern.

Die Grundform der Tetrapodenzehe geht auf das Pentadactylie-Schema zurück, also die fünfstrahlige Gliedmaße, wie sie bei ursprünglichen Landwirbeltieren angelegt ist. Im Verlauf der Evolution kam es jedoch bei zahlreichen Tiergruppen zu einer Reduktion der Zehenzahl, einer Verlängerung einzelner Strahlen oder einer funktionellen Spezialisierung der Zehenendorgane.

Aufbau & Struktur

Jede Zehe setzt sich aus mehreren Phalangen (Zehenglieder) zusammen. Im vollständigen Bauplan unterscheidet man:

  • Phalanx proximalis (Fesselbein beim Pferd) – das körpernahe Zehenglied
  • Phalanx media (Kronbein) – das mittlere Zehenglied
  • Phalanx distalis (Hufbein, Klauenbein bzw. Krallenbein) – das körperferne Zehenglied, das von der jeweiligen Hornkapsel umschlossen wird

Zusätzlich finden sich an der palmaren bzw. plantaren Seite der distalen Zehengelenke die Sesambeine (Ossa sesamoidea). Am Fesselgelenk liegen die paarigen proximalen Sesambeine, am Huf- bzw. Klauengelenk das Os sesamoideum distale (Strahlbein beim Pferd).

Die Gelenke zwischen den Phalangen – das Fesselgelenk (Articulatio metacarpo-/metatarsophalangea), das Krongelenk (Articulatio interphalangea proximalis) und das Hufgelenk (Articulatio interphalangea distalis) – werden durch kräftige Seitenbänder (Ligamenta collateralia) und den Bandapparat der Beugesehnen stabilisiert. Die tiefe Beugesehne (Tendo musculi flexoris digitorum profundus) inseriert an der Phalanx distalis und spielt eine entscheidende Rolle für die Zehenbeugung und Standphasenmechanik.

Das Zehenendorgan wird je nach Tierart von einem Huf, einer Klaue, einer Kralle oder einem Nagel bedeckt. Diese Hornstrukturen bestehen aus stark keratinisierter Epidermis und schützen die darunterliegenden empfindlichen Strukturen, insbesondere die Lederhaut (Corium) mit ihrer reichen Gefäß- und Nervenversorgung.

Funktion

Die Hauptfunktionen der Zehen umfassen die Lastaufnahme, die Stoßdämpfung und die Vortriebsübertragung während der Lokomotion. Beim Auffußen wird die kinetische Energie über die Zehengelenke und den Fesseltrageapparat abgefedert. Die elastische Verformung des Huf- bzw. Klauenmechanismus unterstützt dabei die Durchblutung der distalen Gliedmaße.

Bei Raubtieren dienen die Zehen mit ihren Krallen zusätzlich dem Beutefang, dem Graben und der Verteidigung. Greifvögel nutzen ihre Zehen als hochspezialisierte Fangwerkzeuge, wobei die kräftigen Beugesehnen einen automatischen Greifmechanismus ermöglichen. Bei Primaten sind opponierbare Zehen wesentlich für die Greiffunktion beim Klettern.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die vergleichende Anatomie der Zehen spiegelt die enorme Bandbreite an Fortbewegungsstrategien wider:

  • Pferd (Equidae): Extremste Zehenreduktion unter den Haussäugetieren. Das Pferd ist ein Einzeher (Monodactylus) und tritt ausschließlich auf der dritten Zehe auf (Perissodactylie). Die Phalangen sind stark verlängert, das Zehenendorgan ist ein Huf (Ungula). Man spricht von Unguligradie (Zehenspitzengang).
  • Rind, Schwein (Artiodactyla): Rinder sind Paarzeher und belasten hauptsächlich die dritte und vierte Zehe, die jeweils eine Klaue tragen. Beim Schwein sind zusätzlich rudimentäre Afterklauen (Digiti II und V) vorhanden.
  • Hund und Katze (Carnivora): Vier bis fünf Zehen pro Pfote, jeweils mit Krallen ausgestattet. Beide Spezies sind Digitigrade (Zehengänger). Die Katze verfügt über retraktile Krallen, die durch elastische Bänder in Ruheposition dorsal gehalten werden.
  • Vögel (Aves): Typischerweise vier Zehen in unterschiedlicher Anordnung – anisodactyl (drei nach vorn, eine nach hinten) bei den meisten Singvögeln, zygodactyl (je zwei nach vorn und hinten) bei Papageien und Spechten, syndactyl bei Eisvögeln. Die Zehen tragen Hornschuppen und enden in Krallen.
  • Reptilien: Meist fünf bekrallte Zehen, wobei bei Schlangen eine vollständige Reduktion der Extremitäten und damit der Zehen stattgefunden hat. Geckos besitzen spezialisierte Haftlamellen an den Zehenunterseiten.

Besonderheiten

Die Wolfskralle (Afterkralle, Digitus I) beim Hund ist ein rudimentäres Relikt der ersten Zehe. An der Vordergliedmaße ist sie meist noch mit dem Skelett verbunden, an