Zuckergleiter
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Petaurus breviceps
- Ordnung: Diprotodontia (Beuteltiere)
- Familie: Petauridae (Gleitbeutler)
- Gattung: Petaurus
- Lebensraum: Tropische und gemäßigte Wälder Australiens, Neuguineas und umliegender Inseln
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 12–15 cm, Schwanz 15–20 cm
- Gewicht: 90–160 g
- Lebenserwartung: 5–7 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 12–15 Jahre in menschlicher Obhut
Aussehen & Merkmale
Der Zuckergleiter ist ein kleines Beuteltier von etwa der Größe eines Hamsters, wobei sein buschiger Schwanz fast so lang wie der restliche Körper wird. Das weiche, dichte Fell ist auf der Oberseite blaugrau gefärbt und auf der Bauchseite cremefarben bis weiß. Ein auffälliger dunkler Streifen verläuft vom Nasenspiegel über die Stirn bis zum Rücken. Weitere dunkle Streifen ziehen sich von den Augen zu den Ohren.
Das namensgebende Merkmal ist die Gleitmembran, das sogenannte Patagium. Diese dünne Flughaut spannt sich beidseitig zwischen dem fünften Finger der Vorderpfote und dem ersten Zeh der Hinterpfote. Im Ruhezustand liegt sie in Falten am Körper an und ist kaum sichtbar. Beim Absprung von einem Baum streckt das Tier alle vier Gliedmaßen seitlich aus, wodurch sich die Membran wie ein Fallschirm entfaltet. So kann der Zuckergleiter Distanzen von über 50 Metern im Gleitflug zurücklegen. Der buschige Schwanz dient dabei als Steuerruder.
Die großen, runden Augen sind typisch für ein nachtaktives Tier und ermöglichen gutes Sehen bei schwachen Lichtverhältnissen. Die Ohren sind beweglich und können unabhängig voneinander in verschiedene Richtungen gedreht werden, was das Orten von Beute und Fressfeinden erleichtert. An den Hinterpfoten ist die zweite und dritte Zehe zu einer Putzkralle verwachsen – ein typisches Merkmal der Ordnung Diprotodontia.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Zuckergleiters umfasst den Osten und Norden Australiens, Tasmanien, Neuguinea sowie einige angrenzende Inseln wie den Bismarck-Archipel. Die Art wurde zudem in Teilen Tasmaniens eingeführt. Als Habitat bevorzugt der Zuckergleiter Eukalyptuswälder, tropische Regenwälder und lichte Waldgebiete mit altem Baumbestand. Entscheidend für sein Vorkommen sind Baumhöhlen, die als Schlaf- und Nistplätze dienen. In offenem Grasland oder baumlosen Gebieten fehlt die Art vollständig.
Innerhalb seines Biotops nutzt der Zuckergleiter vorwiegend das obere Kronendach. Den Boden betritt er selten und nur ungern, da er dort Raubtieren schutzlos ausgeliefert wäre. In Siedlungsnähe werden gelegentlich Dachböden und Gartenbäume besiedelt.
Ernährung
Der Name „Zuckergleiter" leitet sich von der ausgeprägten Vorliebe für süße Nahrung ab. Die Art ist omnivor mit einem Schwerpunkt auf zuckerhaltigen Pflanzenprodukten. Hauptnahrungsquellen sind der Saft und das Gummi von Eukalyptus- und Akazienbäumen, Nektar, Pollen und reife Früchte. Um an Baumsäfte zu gelangen, nagt der Zuckergleiter mit seinen scharfen unteren Schneidezähnen Löcher in die Rinde.
Daneben frisst er Insekten, Spinnen und andere wirbellose Tiere, die einen wesentlichen Proteinanteil der Nahrung ausmachen. In insektenreichen Sommermonaten steigt der Anteil tierischer Nahrung deutlich an, während in der kälteren Jahreszeit pflanzliche Kost überwiegt. Gelegentlich werden auch kleine Vogeleier oder Nestlinge erbeutet.
Verhalten & Lebensweise
Zuckergleiter sind strikt nachtaktiv. Tagsüber schlafen sie in Gruppen von bis zu zwölf Tieren in ausgekleideten Baumhöhlen. Diese sozialen Verbände bestehen typischerweise aus einem oder zwei dominanten Männchen, mehreren Weibchen und deren Jungtieren. Die Gruppe teilt sich ein gemeinsames Revier, das von den Männchen mit Duftdrüsen an Stirn, Brust und Kloake markiert wird. Fremde Artgenossen, die nicht den Gruppengeruch tragen, werden aggressiv vertrieben.
Die Kommunikation erfolgt über ein breites Repertoire an Lautäußerungen. Dazu gehören bellende Rufe zur Kontaktaufnahme, zischende Laute bei Bedrohung und ein charakteristisches, an eine Nähmaschine erinnerndes Knattern, das als „Crabbing" bezeichnet wird.
Bei Nahrungsknappheit oder niedrigen Temperaturen können Zuckergleiter in einen Torpor verfallen – einen Zustand herabgesetzter Körpertemperatur und reduziertem Stoffwechsel, der bis zu 16 Stunden andauern kann. Dies ist keine echte Winterruhe, sondern eine kurzfristige Energiesparmaßnahme.
Fortpflanzung & Aufzucht
Weibchen besitzen einen für Beuteltiere typischen Beutel (Marsupium) mit zwei Zitzen. Nach einer Tragzeit von nur etwa 15 bis 17 Tagen werden ein bis zwei, selten drei winzige Jungtiere geboren. Die Neugeborenen sind bei der Geburt kaum einen halben Zentimeter groß, nackt und blind. Sie kriechen selbstständig in den Beutel der Mutter, wo sie sich an einer Zitze festsaugen.
Im Beutel entwickeln sich die Jungtiere über etwa 70 Tage weiter. Danach verlassen sie den Beutel erstmals, werden aber noch mehrere Wochen im Nest gesäugt und von beiden Elternteilen sowie anderen Gruppenmitgliedern betreut. Mit etwa vier Monaten sind die Jungtiere selbstständig. Die Geschlechtsreife tritt bei Männchen mit 8 bis 14 Monaten ein, bei Weibchen bereits mit 8 bis 12 Monaten.