Zügel
ZSport & Training > Reitausrüstung
Definition und Überblick
Zügel sind ein zentraler Bestandteil der Reitausrüstung und bilden die direkte Verbindung zwischen der Hand des Reiters und dem Maul des Pferdes. Sie bestehen in der Regel aus zwei langen Riemen oder Strängen, die seitlich am Gebiss befestigt werden und über den Hals des Pferdes zum Reiter führen. Über die Zügel nimmt der Reiter Einfluss auf Richtung, Tempo und Haltung des Pferdes. Gemeinsam mit Gewichts- und Schenkelhilfen gehören die Zügelhilfen zu den drei grundlegenden Einwirkungsmöglichkeiten beim Reiten. Die korrekte Zügelführung gilt als eine der anspruchsvollsten Fertigkeiten der Reitkunst, da sie ein feines Zusammenspiel von Gefühl, Timing und Muskelkontrolle erfordert.
Aufbau und Material
Traditionell werden Zügel aus Leder gefertigt, das sich durch Griffigkeit, Haltbarkeit und eine angenehme Haptik auszeichnet. Daneben haben sich Materialien wie Gurtband, Biothane, Gummi und verschiedene Kunststoffe etabliert. Gummierte Zügel bieten besonders bei Regen oder starkem Schwitzen des Pferdes zusätzlichen Halt in der Hand. Biothane-Zügel sind pflegeleicht, wasserabweisend und vor allem im Freizeitbereich und Distanzreiten verbreitet.
Am gebissseitigen Ende befinden sich Schnallen, Karabiner oder Haken, mit denen der Zügel an den Gebissringen befestigt wird. Am reiterseitigen Ende sind die beiden Zügelriemen häufig durch eine Zügelbrücke (auch Zügelsteg) verbunden oder laufen als einzelne Stränge frei aus. Die Breite variiert je nach Einsatzzweck zwischen etwa 15 und 25 Millimetern. Schmalere Zügel erlauben eine feinere Hilfengebung, breitere Modelle liegen stabiler in der Hand.
Arten von Zügeln
Je nach Reitweise, Disziplin und verwendeter Zäumung kommen unterschiedliche Zügeltypen zum Einsatz:
- Trensenzügel: Der am weitesten verbreitete Typ. Er wird an einer einfachen Trense befestigt und besteht aus zwei Riemen, die häufig durch eine Schnalle miteinander verbunden sind. Trensenzügel finden in nahezu allen Disziplinen der englischen Reitweise Verwendung.
- Kandarenzügel (Unterzügel): Dünnere Zügel, die bei einer Kandarenzäumung am Kandarengebiss befestigt werden. Sie wirken über die Hebelwirkung der Kandarenstange und erfordern eine besonders feine Hand. Zusammen mit dem Oberzügel (Trensenzügel) ergibt sich die sogenannte Führung auf Kandare mit vier Zügeln.
- Schlaufzügel: Auch als durchlaufender Zügel bezeichnet. Er wird am Sattelgurt befestigt, durch die Gebissringe geführt und endet in der Reiterhand. Schlaufzügel gehören zu den Hilfszügeln und dienen dazu, das Pferd in eine bestimmte Kopf-Hals-Haltung zu begrenzen. Ihr Einsatz setzt reiterliches Können voraus, da bei unsachgemäßer Anwendung Schäden am Pferdemaul entstehen können.
- Westernzügel (Split Reins): Zwei einzelne, nicht miteinander verbundene Zügelriemen, die typisch für die Westernreitweise sind. Sie ermöglichen das sogenannte Neck Reining, bei dem der Zügel seitlich am Hals angelegt wird, um Richtungsänderungen einzuleiten.
- Romal Reins: Ein einteiliger Zügel mit einem ledernen Endstück (Romal), der ebenfalls in der Westernreitweise verwendet wird und einhändig geführt wird.
- Stoßzügel und Dreieckszügel: Hilfszügel, die fest verschnallt werden und dem Pferd einen begrenzten Bewegungsrahmen vorgeben. Sie kommen vor allem bei der Longenarbeit und beim Anreiten junger Pferde zum Einsatz.
Zügelführung und Hilfengebung
Die Art, wie der Reiter die Zügel in der Hand hält und einsetzt, wird als Zügelführung bezeichnet. In der klassischen englischen Reitweise verlaufen die Zügel zwischen dem kleinen Finger und dem Ringfinger in die geschlossene Faust, wobei der Daumen die Zügelenden auf dem Zeigefinger fixiert. Die Hände werden aufrecht und ruhig vor dem Körper getragen, die Ellbogen bleiben nah am Oberkörper.
Grundsätzlich unterscheidet man drei Formen der Zügelhilfe:
- Annehmende Zügelhilfe: Der Reiter verkürzt die Zügelverbindung durch ein leichtes Schließen der Finger oder ein minimales Heranführen der Hand zum Körper. Diese Hilfe dient der Temporeduktion, dem Anhalten oder der Versammlung.
- Nachgebende Zügelhilfe: Der Reiter öffnet die Finger leicht oder führt die Hand minimal nach vorne, um dem Pferd mehr Freiheit im Maul zu gewähren. Sie belohnt das Pferd für korrektes Nachgeben im Genick.
- Seitlich verwahrende (seitwärts weisende) Zügelhilfe: Der Reiter führt einen Zügel seitlich, um das Pferd in eine Biegung oder Wendung zu leiten.
Die Qualität der Zügelverbindung wird oft als Anlehnung beschrieben. Eine korrekte Anlehnung zeichnet sich durch einen gleichmäßigen, leichten Kontakt zwischen Reiterhand und Pferdemaul aus. Das Pferd sucht die Verbindung zum Gebiss eigenständig, anstatt gegen die Hand zu drücken oder sich hinter dem Zügel zu verkriechen. Eine starre oder zu feste Zügeleinwirkung führt zu Verspannungen, Maulproblemen und Widersetzlichkeiten.
Pflege und Sicherheit
Lederzügel sollten regelmäßig mit Sattelseife gereinigt und anschließend mit Lederfett oder Lederbalsam geschmeidig gehalten werden. Sprödes oder rissiges Leder kann im Ernstfall reißen und stellt ein erhebliches Sicherheitsrisiko