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Zwergflamingo

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Tierart – Vögel > Sonstige Vögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Phoeniconaias minor
  • Ordnung: Flamingos (Phoenicopteriformes)
  • Familie: Flamingos (Phoenicopteridae)
  • Gattung: Phoeniconaias
  • Lebensraum: Alkalische und salzhaltige Seen, Lagunen, Schlammflächen in Afrika und Teilen Südasiens
  • Größe: 80–90 cm (Standhöhe), Flügelspannweite ca. 90–105 cm
  • Gewicht: 1,2–2,7 kg
  • Lebenserwartung: Bis zu 40 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft auch über 50 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Zwergflamingo ist die kleinste der sechs rezenten Flamingoarten. Sein Gefieder zeigt ein zartes Blassrosa bis Weiß, das an Flügeldecken und Brust in ein kräftigeres Rosa bis Karminrot übergehen kann. Die Schwungfedern sind schwarz und werden im Flug deutlich sichtbar. Der Hals ist lang und schlank, die Beine proportional kürzer als bei größeren Verwandten wie dem Rosaflamingo (Phoenicopterus roseus), mit dem er häufig gemeinsam vorkommt.

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Flamingoarten ist der Schnabel. Dieser ist überwiegend dunkelrot bis schwarzviolett gefärbt und wirkt gedrungener als etwa beim Rosaflamingo. Die obere Schnabelhälfte sitzt wie ein Deckel auf der unteren und bildet zusammen mit feinen Lamellen im Inneren einen hochspezialisierten Filterapparat. Die Augen sind gelblich bis orange mit einem roten Orbitalring. Jungvögel tragen ein graubraunes Gefieder und entwickeln die typische Rosafärbung erst im Laufe der ersten zwei bis drei Lebensjahre durch die Aufnahme von Carotinoiden mit der Nahrung.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Zwergflamingos erstreckt sich über weite Teile Ost- und Südafrikas sowie Teile West- und Nordwestafrikas. Isolierte Populationen existieren zudem im nordwestlichen Indien und in Pakistan. Der Großteil der Weltpopulation – schätzungsweise bis zu 75 Prozent – konzentriert sich auf die alkalischen Sodaseen des Ostafrikanischen Grabens, darunter der Nakurusee, der Bogoriasee und der Nataransee in Kenia und Tansania.

Das bevorzugte Habitat sind stark alkalische Gewässer mit hohem Salzgehalt und flachem Wasserstand. Solche Biotope bieten einerseits die für die Ernährung nötigen Cyanobakterien in großer Dichte, andererseits schützt die extreme Wasserchemie vor vielen Fressfeinden. Zwergflamingos sind keine streng standorttreuen Vögel, sondern ziehen je nach Nahrungsangebot und Wasserstand zwischen verschiedenen Seen innerhalb ihres Verbreitungsgebiets umher. Diese nomadischen Wanderungen können Hunderte Kilometer umfassen.

Ernährung

Der Zwergflamingo ernährt sich nahezu ausschließlich von Cyanobakterien (Blaualgen), insbesondere der Gattung Arthrospira (Spirulina), sowie von Kieselalgen (Diatomeen). Damit nimmt er unter den Flamingos eine Sonderstellung ein, denn andere Arten wie der Rosaflamingo filtern vorwiegend kleine Wirbellose und Krebstiere aus dem Wasser.

Beim Fressen senkt der Zwergflamingo den Kopf so ab, dass der Oberschnabel nach unten zeigt und knapp unter der Wasseroberfläche liegt. Durch schnelle Pumpbewegungen der Zunge wird Wasser durch die feinen Lamellen im Schnabel gepresst, wobei die Nahrungspartikel zurückgehalten werden. Diese Filtertechnik ist so effizient, dass ein einzelner Zwergflamingo täglich bis zu 60 Gramm Trockenmasse an Algen aufnehmen kann. Die in den Algen enthaltenen Carotinoide sind für die charakteristische Rosafärbung des Gefieders verantwortlich.

Verhalten & Lebensweise

Zwergflamingos sind ausgesprochen gesellige Vögel und bilden teils riesige Kolonien von mehreren Hunderttausend bis über einer Million Individuen. An den Sodaseen Ostafrikas entstehen so Ansammlungen, die zu den größten Vogelansammlungen der Erde zählen. Innerhalb dieser Kolonien herrscht eine komplexe soziale Dynamik. Die Vögel sind überwiegend tagaktiv, wobei sie in den kühleren Morgen- und Abendstunden besonders intensiv nach Nahrung suchen.

Vor der Brutzeit führen Zwergflamingos synchrone Gruppenbalzen durch. Dabei marschieren Hunderte bis Tausende Individuen dicht gedrängt in eine Richtung, recken gleichzeitig die Hälse, drehen die Köpfe und spreizen die Flügel. Diese ritualisierten Balzbewegungen dienen der Synchronisation der Fortpflanzungsbereitschaft innerhalb der Kolonie. Die Flugfähigkeit ist gut ausgeprägt; beim Aufsteigen benötigen sie jedoch einen längeren Anlauf über die Wasseroberfläche.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Brutzeit fällt in Ostafrika je nach Region und Wasserstand in unterschiedliche Monate. Der wichtigste Brutplatz weltweit ist der Nataransee in Tansania, wo sich regelmäßig Hunderttausende Paare zur Brut versammeln. Das Nest besteht aus einem kegelförmigen Schlammhügel von etwa 30 cm Höhe, der das einzelne weißliche Ei vor dem heißen, ätzenden Untergrund schützt.

Beide Elternvögel bebrüten das Ei abwechselnd über einen Zeitraum von rund 28 Tagen. Das Küken schlüpft mit einem geraden Schnabel und grauweißem Daunenkleid. Nach wenigen Tagen verlässt es das Nest und schließt sich einer sogenannten Crèche an – einer Gruppe von Jungvögeln, die von einigen wenigen Altvögeln bewacht wird. Die Eltern erkennen ihr eigenes Küken innerhalb dieser Gruppe anhand individueller Rufe und füttern ausschließlich dieses. Die Fütterung erfolgt mit einer nährstoffreichen, rötlichen Kropfmilch, die beide Elternteile produzieren. Nach etwa 70 bis 75 Tagen sind die Jungvögel flugfähig.