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Aasfresser

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Biologie & Ökologie > Systematik & Taxonomie

Definition und Überblick

Als Aasfresser (auch Nekrophagen oder Kadaverfresser) werden Tiere bezeichnet, die sich ganz oder teilweise von toten Tieren ernähren, die sie nicht selbst getötet haben. Der Fachbegriff Nekrophagie leitet sich aus dem Griechischen ab: nekrós (tot) und phageín (fressen). Aasfresser nehmen in Ökosystemen eine zentrale Rolle ein, da sie organisches Material abbauen, Nährstoffe in den Kreislauf zurückführen und die Ausbreitung von Krankheitserregern eindämmen. Sie gehören zur funktionellen Gruppe der Destruenten im weiteren Sinne und stehen in enger Wechselwirkung mit Bakterien, Pilzen und anderen Zersetzern.

Die Grenze zwischen Aasfressern und aktiven Jägern ist fließend. Viele Raubtiere nutzen bei Gelegenheit Kadaver als Nahrungsquelle, während nur wenige Arten ausschließlich auf Aas spezialisiert sind. Man unterscheidet daher zwischen obligaten Aasfressern, die nahezu vollständig auf Kadaver angewiesen sind, und fakultativen Aasfressern, die Aas nur als Ergänzung ihrer Ernährung nutzen.

Obligate Aasfresser

Nur wenige Tierarten gelten als obligate Aasfresser, die ihren Nahrungsbedarf überwiegend oder ausschließlich durch Kadaver decken. Die bekanntesten Vertreter sind die Geier, die sowohl in der Alten als auch in der Neuen Welt vorkommen:

  • Altweltgeier (Familie Accipitridae, Unterfamilie Aegypiinae): Dazu zählen der Gänsegeier (Gyps fulvus), der Bartgeier (Gypaetus barbatus) und der Mönchsgeier (Aegypius monachus). Sie sind mit den Habichten und Adlern verwandt und nutzen thermische Aufwinde, um große Gebiete auf der Suche nach Kadavern abzusuchen.
  • Neuweltgeier (Familie Cathartidae): Der Truthahngeier (Cathartes aura), der Königsgeier (Sarcoramphus papa) und der Andenkondor (Vultur gryphus) gehören zu einer eigenständigen Familie. Einige Neuweltgeier verfügen über einen ausgeprägten Geruchssinn, mit dem sie Kadaver auch unter dichter Vegetation aufspüren können – eine Fähigkeit, die den meisten Altweltgeiern fehlt.

Geier besitzen eine Reihe von Anpassungen an ihre Ernährungsweise: Der unbefiederte Kopf und Hals verhindern, dass sich beim Fressen im Kadaverinneren Blut und Gewebereste im Gefieder festsetzen. Ihr Magensaft weist einen extrem niedrigen pH-Wert auf, der selbst gefährliche Krankheitserreger wie Clostridium botulinum oder Milzbrandsporen abtötet.

Fakultative Aasfresser

Die Mehrzahl der Aasfresser sind Opportunisten, die Kadaver neben anderen Nahrungsquellen nutzen. Diese Gruppe umfasst ein breites Artenspektrum aus verschiedenen Tierklassen:

  • Säugetiere: Hyänen, Schakale, Kojoten, Füchse, Dachse, Waschbären und Bären fressen regelmäßig Aas. Besonders die Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta) wird häufig als Aasfresser wahrgenommen, obwohl sie den Großteil ihrer Nahrung selbst erjagt. Umgekehrt ernähren sich Löwen in manchen Regionen zu einem erheblichen Anteil von Kadavern, die sie anderen Prädatoren abnehmen – ein Verhalten, das als Kleptoparasitismus bezeichnet wird.
  • Vögel: Rabenvögel (Krähen, Kolkraben, Elstern), Marabus, Riesensturmvögel und verschiedene Möwenarten nutzen Aas als wichtige Nahrungsquelle. Der Kolkrabe (Corvus corax) gilt in gemäßigten Breiten als einer der bedeutendsten gefiederten Aasfresser.
  • Insekten: Aaskäfer (Silphidae), Schmeißfliegen (Calliphoridae), Fleischfliegen (Sarcophagidae) und verschiedene Käferlarven gehören zu den ersten Besiedlern eines Kadavers. Die Totengräber (Nicrophorus) vergraben kleine Tierkadaver im Boden und nutzen sie als Brutsubstrat.
  • Aquatische Arten: Im Meer übernehmen Hagfische, verschiedene Krebstiere, Haie und Tiefseefische die Rolle der Aasfresser. Sogenannte Walstürze – auf den Meeresboden gesunkene Walkadaver – bilden ganze Ökosysteme, die über Jahrzehnte hinweg Dutzende von Arten ernähren.

Ökologische Bedeutung

Aasfresser erfüllen unverzichtbare Funktionen im Ökosystem. Durch den raschen Abbau von Kadavern verhindern sie die unkontrollierte Vermehrung pathogener Mikroorganismen. Studien haben gezeigt, dass der Rückgang von Geierpopulationen in Südasien – verursacht durch den Tierarzneistoff Diclofenac – zu einem dramatischen Anstieg verwesender Rinderkadaver, einer Zunahme verwilderter Hunde und in der Folge zu höheren Tollwutraten beim Menschen führte.

Im Nährstoffkreislauf beschleunigen Aasfresser die Remineralisierung organischer Substanz. Die von ihnen aufgenommenen und an anderer Stelle ausgeschiedenen Nährstoffe werden über weite Strecken verteilt, was zur Bodenfruchtbarkeit beiträgt. Darüber hinaus regulieren sie indirekt die Populationsdichten anderer Arten, indem sie die Verfügbarkeit von Kadavern als Ressource beeinflussen.

Anpassungen an die Nekrophagie

Aasfresser haben im Laufe der Evolution verschiedene physiologische und morphologische Anpassungen entwickelt:

  • Immunsystem und Verdauung: Viele Aasfresser verfügen über eine extrem aggressive Magens