Allesfresser
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Definition und Überblick
Als Allesfresser (wissenschaftlich: Omnivoren, von lateinisch omnis = alles und vorare = verschlingen) werden Tiere bezeichnet, die sich sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Nahrung ernähren. Diese Ernährungsweise steht damit zwischen der reinen Pflanzenfresserei (Herbivorie) und der ausschließlichen Fleischfresserei (Karnivorie). Omnivorie ist keine taxonomische Kategorie, sondern eine ökologische Ernährungsstrategie, die in zahlreichen, nicht miteinander verwandten Tiergruppen unabhängig voneinander entstanden ist.
Die Bezeichnung „Allesfresser" ist dabei etwas irreführend, denn kein Tier frisst tatsächlich alles. Gemeint ist vielmehr ein breites Nahrungsspektrum, das sowohl pflanzliche Bestandteile wie Früchte, Samen, Blätter und Wurzeln als auch tierische Kost wie Insekten, Würmer, Eier oder Aas umfasst. Der Anteil pflanzlicher und tierischer Nahrung kann je nach Art, Jahreszeit, Lebensraum und Nahrungsverfügbarkeit stark variieren.
Anatomische Merkmale
Der Körperbau von Allesfressern zeigt typische Anpassungen, die eine vielseitige Nahrungsaufnahme ermöglichen. Besonders deutlich wird dies am Gebiss: Omnivoren verfügen in der Regel über verschiedene Zahntypen, die sowohl zum Zerreißen als auch zum Zermalmen von Nahrung geeignet sind. So besitzen etwa Schweine scharfe Eckzähne neben breiten Backenzähnen mit flachen Kauflächen. Beim Braunbären finden sich neben kräftigen Fangzähnen abgeflachte Molaren, die das Zerkauen von Pflanzenkost erlauben.
Der Verdauungstrakt von Allesfressern nimmt eine Mittelstellung zwischen dem langen, komplexen Darm der Pflanzenfresser und dem kurzen, einfach gebauten Darm der Fleischfresser ein. Die Darmlänge ist moderat, der Magen meist einhöhlig. Diese Bauweise erlaubt die Verdauung verschiedenster Nahrungsbestandteile, ohne auf einen bestimmten Typ spezialisiert zu sein. Enzyme wie Amylase im Speichel, die Stärke spaltet, kommen bei vielen Omnivoren in höherer Konzentration vor als bei reinen Karnivoren.
Bekannte Vertreter im Tierreich
Omnivorie kommt in nahezu allen großen Tiergruppen vor. Zu den bekanntesten Allesfressern zählen:
- Wildschwein (Sus scrofa) – frisst Eicheln, Wurzeln, Pilze, aber auch Insektenlarven, Würmer, Kleinsäuger und Gelege bodenbrütender Vögel.
- Braunbär (Ursus arctos) – ernährt sich saisonal von Beeren, Gräsern, Honig, Fisch, Aas und gelegentlich größeren Beutetieren.
- Dachs (Meles meles) – bevorzugt Regenwürmer, nimmt aber auch Früchte, Getreide, Insekten und kleine Wirbeltiere zu sich.
- Rabenvögel (Corvidae) – Krähen, Elstern und Kolkraben nutzen ein extrem breites Nahrungsspektrum von Sämereien über Insekten bis hin zu Aas und menschlichen Abfällen.
- Hausschwein (Sus scrofa domesticus) – als domestizierter Allesfresser wird es mit pflanzlichen und tierischen Futtermitteln ernährt.
- Mensch (Homo sapiens) – der Mensch ist aus biologischer Sicht ein typischer Omnivore mit einem entsprechend angepassten Gebiss und Verdauungssystem.
Auch unter den Reptilien gibt es Allesfresser. Zahlreiche Schildkrötenarten, etwa die Griechische Landschildkröte im Jugendalter oder verschiedene Wasserschildkröten, nehmen sowohl pflanzliche als auch tierische Nahrung auf. Unter den Fischen gelten viele Buntbarscharten (Cichlidae) und der Karpfen (Cyprinus carpio) als omnivore Arten.
Ökologische Bedeutung
Allesfresser nehmen in Nahrungsnetzen und Ökosystemen eine besondere Stellung ein. Da sie auf mehreren trophischen Ebenen gleichzeitig agieren – als Konsumenten erster Ordnung (Pflanzenfresser) und als Konsumenten zweiter oder höherer Ordnung (Räuber) – wirken sie stabilisierend auf die Struktur von Lebensgemeinschaften. Fällt eine Nahrungsquelle aus, können Omnivoren auf andere Ressourcen ausweichen. Diese Nahrungsflexibilität macht sie weniger anfällig für Umweltveränderungen als spezialisierte Arten.
Gleichzeitig können Allesfresser als Samenverbreiter (Zoochorie) fungieren, wenn sie Früchte fressen und die unverdauten Samen an anderer Stelle wieder ausscheiden. Wildschweine tragen durch ihr Wühlen im Boden zudem zur Durchmischung und Belüftung von Waldböden bei, beeinflussen aber auch die Populationen bodenlebender Tiere erheblich.
In anthropogen veränderten Landschaften sind Allesfresser oft besonders erfolgreich. Arten wie Waschbär, Steinmarder, Wanderratte und Rabenkrähe profitieren vom Nahrungsangebot menschlicher Siedlungen und gelten als Kulturfolger. Ihre Anpassungsfähigkeit kann allerdings zum Problem werden, wenn sie als invasive Arten in fremde Ökosysteme eingeführt werden und dort einheimische Spezialisten verdrängen.
Abgrenzung zu verwandten Ernährungstypen
Die Grenzen zwischen Omnivorie und anderen Ernährungsstrategien sind fließend. Viele als Karnivoren eingestufte Arten nehmen gelegentlich pflanzliche Nahrung auf – der Rotfuchs etwa frisst im Herbst regelmäßig Beeren und Fallobst, wird aber aufgrund seiner Zugehörigkeit zur Ordnung der Raubtiere (Carnivora) oft nicht als Allesfresser wahrgenommen. Umgekehrt nehmen manche Pflanzenfresser bei Gelegenheit tierisches Eiweiß