Aaskäfer
ATierart – Insekten > Käfer
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Silphidae
- Ordnung: Käfer (Coleoptera)
- Familie: Aaskäfer (Silphidae)
- Unterfamilien: Silphinae und Nicrophorinae (Totengräber)
- Anzahl der Arten: Weltweit ca. 180–200 Arten, in Mitteleuropa rund 35 Arten
- Lebensraum: Wälder, Wiesen, Felder, Parks – überall dort, wo tierische Kadaver anfallen
- Größe: 10–35 mm je nach Art
- Gewicht: 0,1–4 g
- Lebenserwartung: Etwa 6–18 Monate (adulte Tiere)
Aussehen & Merkmale
Aaskäfer sind mittelgroße bis große Käfer mit einem meist abgeflachten, oval gestreckten Körperbau. Die Deckflügel (Elytren) sind häufig breit und bedecken den Hinterleib nicht immer vollständig – bei einigen Gattungen wie Nicrophorus sind sie deutlich verkürzt. Die Chitinpanzerung ist robust und häufig dunkel gefärbt, wobei viele Arten schwarze oder dunkelbraune Grundtöne aufweisen. Die Totengräber (Nicrophorus) fallen durch auffällige orangerote oder gelbe Querbinden auf den Deckflügeln auf, was sie von den eher unauffälligen Vertretern der Unterfamilie Silphinae unterscheidet.
Die Fühler sind keulenförmig verdickt und tragen an der Spitze eine charakteristische Keule aus drei bis vier Gliedern. Sie dienen als hochempfindliche Geruchsorgane, mit denen die Käfer Aas über Entfernungen von mehreren hundert Metern wahrnehmen können. Die Beine sind kräftig und zum Graben geeignet, besonders bei den Totengräbern, die tote Kleintiere aktiv im Erdreich versenken. Die Mundwerkzeuge sind als kauend-beißender Typ ausgebildet und ermöglichen das Zerkleinern sowohl von verwesendem Gewebe als auch von Insektenlarven.
Lebensraum & Verbreitung
Die Familie Silphidae ist nahezu weltweit verbreitet, mit Schwerpunkten in der Holarktis. Die meisten Arten besiedeln die gemäßigten Zonen Europas, Asiens und Nordamerikas. In tropischen Regionen treten Aaskäfer seltener auf, da dort Ameisen und Fliegen die Rolle der Kadaverbeseitigung weitgehend übernehmen.
Innerhalb Mitteleuropas besiedeln Aaskäfer ein breites Spektrum an Habitaten. Laub- und Mischwälder stellen das bevorzugte Biotop vieler Arten dar, doch auch offene Kulturlandschaften, Gärten und Grünland werden genutzt. Der Schwarze Aaskäfer (Necrodes littoralis) findet sich häufig in Gewässernähe, während der Gemeine Totengräber (Nicrophorus vespilloides) vorwiegend in Waldgebieten vorkommt. Die Verbreitungsgebiete einzelner Arten überschneiden sich vielfach, sodass an einem einzigen Kadaver mehrere Silphiden-Arten gleichzeitig auftreten können.
Ernährung
Aaskäfer sind – wie der deutsche Name nahelegt – in erster Linie Aasverwerter (Nekrophagen). Sowohl die adulten Käfer als auch die Larven ernähren sich von toten Wirbeltieren in unterschiedlichen Verwesungsstadien. Dabei nehmen sie nicht nur das Gewebe des Kadavers auf, sondern fressen auch die Eier und Larven von Aasfliegen (Calliphoridae), die als Konkurrenten auftreten.
Einige Vertreter der Unterfamilie Silphinae weichen von der reinen Aasernährung ab. Die Gattung Silpha umfasst Arten, die sich teilweise oder überwiegend von Schnecken ernähren. Aclypea opaca, der Rüben-Aaskäfer, ist sogar ein pflanzenfressender Vertreter der Familie und kann gelegentlich als Schädling an Kulturpflanzen auftreten. Die Ernährungsweise innerhalb der Silphidae ist somit vielfältiger, als der Familienname vermuten lässt.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Aaskäfer sind vorwiegend nachtaktiv und fliegen in den Abend- und Nachtstunden auf der Suche nach frischen Kadavern. Licht zieht einige Arten an, weshalb sie gelegentlich an künstlichen Lichtquellen auftauchen. Die Orientierung zum Aas erfolgt primär über den Geruchssinn: Schwefelwasserstoff und andere Verwesungsgase werden von den Fühlern bereits in geringsten Konzentrationen registriert.
Totengräber der Gattung Nicrophorus zeigen ein besonders komplexes Verhalten. Ein Paar – Männchen und Weibchen – findet sich an einem Kadaver zusammen und vergräbt ihn gemeinsam. Dabei wird der tote Kleinsäuger oder Vogel Stück für Stück unter die Erdoberfläche befördert, indem die Käfer das Erdreich unter dem Kadaver lockern und abtragen. Dieser Vorgang kann mehrere Stunden dauern. Um Konkurrenten fernzuhalten, sondern die Käfer antibakterielle und antimykotische Sekrete ab, die den Verwesungsprozess verlangsamen und den Kadaver konservieren.
Zwischen Artgenossen kommt es an Kadavern regelmäßig zu Rivalenkämpfen. Größere Individuen verdrängen kleinere, und bei Nicrophorus-Arten setzen sich in der Regel die stärksten Paare durch, während unterlegene Käfer den Kadaver verlassen müssen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung der Aaskäfer ist eng an das Nahrungsangebot gekoppelt. Bei den Totengräbern findet die Paarung unmittelbar am oder auf dem Kadaver statt. Nach dem Vergraben der Tierleiche formt das Weibchen eine Brutkammer im Erdreich und legt 10–30 Eier in die Nähe des vergrabenen Kadavers. Die Larven schlüpfen nach wenigen Tagen und werden bei Nicrophorus-Arten von beiden Elterntieren aktiv gefüttert – ein für Käfer äußerst ungewöhnliches Brutpflegeverhalten. Die Eltern würgen vorverdaute Nahrung hervor und geben sie an die Larven ab, ä