T Tierlexikon.net
← Lexikon

Blatthornkäfer

B

Tierart – Insekten > Käfer

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Scarabaeoidea (Überfamilie)
  • Ordnung: Käfer (Coleoptera)
  • Familie: Scarabaeidae (Blatthornkäfer im engeren Sinne), dazu zahlreiche weitere Familien innerhalb der Überfamilie
  • Verbreitungsgebiet: Weltweit, auf allen Kontinenten außer der Antarktis
  • Größe: 2 mm (kleinste Arten) bis über 17 cm (Herkuleskäfer, Dynastes hercules)
  • Gewicht: Wenige Milligramm bis über 100 g (Goliathkäfer, Goliathus goliatus)
  • Lebenserwartung: Imagines wenige Wochen bis mehrere Monate; Gesamtentwicklung je nach Art ein bis fünf Jahre
  • Artenzahl: Weltweit über 35.000 beschriebene Arten, davon rund 200 in Mitteleuropa

Aussehen & Merkmale

Das namensgebende Merkmal aller Blatthornkäfer ist die charakteristische Fühlerkeule: Die letzten drei bis sieben Fühlerglieder sind zu blattartigen Lamellen verbreitert, die fächerartig aufgespreizt werden können. Dieses sogenannte lamellate Fühlerorgan dient vor allem der Chemorezeption und ermöglicht es den Tieren, Nahrungsquellen und Sexualpartner über größere Distanzen wahrzunehmen.

Der Körperbau ist in der Regel gedrungen und oval, die Chitinpanzerung kräftig ausgebildet. Die Deckflügel (Elytren) sind meist glatt oder längsgerippt und schützen die darunterliegenden häutigen Hinterflügel. Die Farbpalette reicht von unscheinbarem Braun und Schwarz über metallisches Grün und Kupfer bis hin zu leuchtend goldenen oder irisierenden Tönen, wie sie etwa bei den Rosenkäfern (Cetonia) auftreten. Viele Arten weisen einen ausgeprägten Sexualdimorphismus auf: Bei Hirschkäfern (Lucanus cervus) tragen die Männchen stark vergrößerte Mandibeln, bei Nashornkäfern (Oryctes nasicornis) ein auffälliges Kopfhorn.

Die Beine sind je nach Lebensweise unterschiedlich gestaltet. Grabende Arten wie der Gemeine Mistkäfer (Geotrupes stercorarius) besitzen kräftige, bedornte Schaufelbeine, während blütenbesuchende Arten schlankere Tarsen aufweisen.

Lebensraum & Verbreitung

Blatthornkäfer besiedeln nahezu alle terrestrischen Habitate. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von tropischen Regenwäldern über Savannen, Steppen und Wüstenränder bis hin zu gemäßigten Laub- und Mischwäldern. In Mitteleuropa finden sich typische Vertreter in lichten Wäldern, auf extensiv genutzten Wiesen, an Waldrändern und in Gärten. Besonders artenreich sind die Tropen: Allein in der neotropischen Region kommen mehrere Tausend Arten vor.

Entscheidend für das Vorkommen ist die Verfügbarkeit geeigneter Larvalhabitate. Der Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) benötigt lockere Böden zur Eiablage, während Arten wie der Eremit (Osmoderma eremita) auf alte Baumhöhlen mit Mulm angewiesen sind. Koprophage Arten wie Skarabäen siedeln dort, wo größere Pflanzenfresser Dung produzieren. Die Biotopbindung variiert also erheblich innerhalb der Überfamilie.

Ernährung

Die Ernährungsstrategien der Blatthornkäfer sind außerordentlich vielfältig. Grob lassen sich folgende Ernährungstypen unterscheiden:

  • Phytophag (pflanzenfressend): Die Larven vieler Maikäferarten fressen an Pflanzenwurzeln, die Imagines an Blättern und Blüten. Rosenkäfer ernähren sich als Adulte von Pollen, Nektar und reifen Früchten.
  • Koprophag (dungfressend): Pillendreher (Scarabaeus) und Mistkäfer (Geotrupes, Aphodius) verwerten den Kot großer Säugetiere. Sie spielen eine zentrale Rolle im Nährstoffkreislauf.
  • Saprophag (sich von Totholz und Humus ernährend): Die Larven der Nashornkäfer und des Eremiten zersetzen morsches Holz und Mulm und tragen so zur Humusbildung bei.
  • Mycetophag (pilzfressend): Einige wenige Arten ernähren sich von Pilzmyzel im Boden.

Diese ökologische Breite macht die Gruppe zu einem Schlüsselelement in zahlreichen Ökosystemen.

Verhalten & Lebensweise

Die Mehrheit der Blatthornkäfer ist dämmerungs- oder nachtaktiv. An warmen Sommerabenden lassen sich Maikäfer und Junikäfer (Amphimallon solstitiale) beim charakteristischen Schwärmflug beobachten. Rosenkäfer hingegen sind tagaktiv und fliegen bei Sonnenschein Blüten an – eine Besonderheit unter den Käfern, da sie ihre Deckflügel dabei geschlossen halten und die Hinterflügel seitlich unter ihnen hervorstrecken.

Dungkäfer zeigen komplexe Verhaltensweisen bei der Nahrungsbeschaffung: Pillendreher formen aus Dung eine Kugel, die sie rückwärts laufend über den Boden rollen, um sie an einem geeigneten Ort zu vergraben. Zur Orientierung nutzen sie dabei nachweislich das polarisierte Licht des Nachthimmels und sogar die Milchstraße – ein unter Insekten einzigartiges Verhalten.

Männliche Hirsch- und Nashornkäfer tragen während der Fortpflanzungszeit rituelle Kämpfe aus, bei denen sie versuchen, Rivalen mit ihren Hörnern oder Mandibeln vom Substrat zu hebeln.

Fortpflanzung & Aufzucht

Blatthornkäfer durchlaufen eine vollständige Metamorphose (Holometabolie) mit den Stadien Ei, Lar