Borkenkäfer
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Scolytinae (Unterfamilie); bekannteste Art: Buchdrucker (Ips typographus)
- Ordnung: Käfer (Coleoptera)
- Familie: Rüsselkäfer (Curculionidae)
- Unterfamilie: Borkenkäfer (Scolytinae), weltweit ca. 6.000 Arten, in Mitteleuropa rund 150 Arten
- Lebensraum: Wälder der gemäßigten und tropischen Klimazonen, bevorzugt Nadelwälder
- Größe: 1–9 mm je nach Art, Buchdrucker ca. 4–5,5 mm
- Gewicht: wenige Milligramm (artabhängig ca. 5–15 mg)
- Lebenserwartung: ca. 1 Jahr (gesamter Lebenszyklus), Imagines leben wenige Monate
Aussehen & Merkmale
Borkenkäfer sind kleine, gedrungen gebaute Käfer mit einem walzenförmigen Körper. Die Körperfarbe reicht von hellbraun bei frisch geschlüpften Exemplaren bis zu dunkelbraun oder schwarz bei ausgereiften Tieren. Die Deckflügel (Elytren) sind hart und glatt oder fein behaart und bedecken das Abdomen vollständig. Bei zahlreichen Arten weist das hintere Ende der Flügeldecken eine sogenannte Absturzkante auf – eine steil abfallende Fläche, die bei manchen Gattungen mit Zähnen, Dornen oder Höckern besetzt ist. Diese Struktur dient unter anderem dem Herausschieben von Bohrmehl aus den Fraßgängen.
Der Kopf ist relativ klein und nach unten geneigt, sodass er von oben betrachtet teilweise vom Halsschild verdeckt wird. Die kurzen, geknieten Fühler enden in einer deutlichen Keule, die mit Sinnesorganen zur Wahrnehmung von Duftstoffen ausgestattet ist. Die Mundwerkzeuge sind kräftig und zum Nagen in Rinde und Holz geeignet. Die Beine sind kurz und stämmig, die Tarsen zum Festkrallen an der Borke angepasst.
Vom nah verwandten Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) unterscheidet sich der Buchdrucker durch seine Größe und die Form der Absturzkante. Andere in Mitteleuropa häufige Vertreter der Unterfamilie sind der Große Waldgärtner (Tomicus piniperda) und der Gestreifte Nutzholzborkenkäfer (Trypodendron lineatum).
Lebensraum & Verbreitung
Borkenkäfer besiedeln nahezu alle bewaldeten Regionen der Erde. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den borealen Nadelwäldern Skandinaviens und Sibiriens über die gemäßigten Mischwälder Mitteleuropas bis in die tropischen Regenwälder Südamerikas und Südostasiens. In Europa ist das bevorzugte Habitat der wirtschaftlich relevanten Arten der Fichtenwald, wobei sowohl Monokulturen als auch naturnahe Bestände befallen werden.
Die Käfer leben den Großteil ihres Lebens innerhalb der Rinde oder im Splintholz ihrer Wirtsbäume. Gesunde Bäume können sich durch Harzfluss gegen Angriffe wehren. Gestresste, geschwächte oder frisch abgestorbene Bäume – etwa durch Windwurf, Dürre oder Schneebruch – bieten dagegen ideale Brutbedingungen. In den vergangenen Jahrzehnten haben steigende Temperaturen und häufigere Trockenphasen die Vermehrung der Borkenkäfer in Mitteleuropa erheblich begünstigt.
Ernährung
Die Ernährungsweise variiert innerhalb der Unterfamilie deutlich. Man unterscheidet zwei Hauptgruppen: Rindenbrüter und Holzbrüter (Ambrosiakäfer).
Rindenbrüter wie der Buchdrucker und der Kupferstecher fressen sich durch die Bastschicht – das nährstoffreiche Gewebe direkt unter der Borke, in dem der Baum Zucker und Stärke transportiert. Die Larven ernähren sich vom selben Gewebe und legen dabei artspezifische Fraßgangmuster an.
Holzbrüter bohren sich tiefer ins Splintholz und kultivieren dort symbiontische Pilze (Ambrosia-Pilze), die als eigentliche Nahrungsquelle für Larven und Adulte dienen. Der Käfer trägt die Pilzsporen in speziellen Hauttaschen, den Mycangia, mit sich und impft damit neue Gangsysteme.
Verhalten & Lebensweise
Borkenkäfer sind überwiegend tagaktiv, wobei der Schwärmflug stark von der Temperatur abhängt. Der Buchdrucker beginnt ab einer Lufttemperatur von etwa 16–18 °C zu fliegen. Der Erstflug im Frühjahr, meist im April oder Mai, wird von den Männchen eingeleitet, die gezielt geschwächte Bäume anfliegen und mit dem Einbohren beginnen.
Hat ein Pioniermännchen einen geeigneten Wirt gefunden, produziert es artspezifische Aggregationspheromone. Diese Duftstoffe locken Artgenossen beiderlei Geschlechts an und lösen einen Massenanflug aus. Durch die koordinierte Besiedlung überwinden die Käfer die Harzabwehr selbst vitaler Bäume – ein Verhalten, das als kooperative Wirtsbaumüberwindung beschrieben wird. Sobald der Baum besetzt ist, ändern die Käfer das Pheromonmuster und senden Antiaggregationspheromone aus, die weitere Artgenossen auf andere Bäume umlenken.
Natürliche Feinde der Borkenkäfer sind Spechte, die nach Larven unter der Rinde suchen, räuberische Käfer wie der Ameisenbuntkäfer (Thanasimus formicarius), verschiedene Schlupfwespen (Ichneumonidae) sowie Erzwespen (Chalcidoidea), deren Larven parasitoid in den Borkenkäferlarven leben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach dem Einbohren in die Rinde legt das Männchen eine Rammelkammer an – einen erweiterten Hohlraum unter der Borke. Dort paart es sich mit einem oder mehreren Weibchen (Polygynie). Jedes Weibchen frisst anschließend einen Muttergang in das Bastgewebe und legt