Ableger
AFachbegriffe (Aquaristik/Terraristik/Vogelhaltung) > Vogelhaltung & Imkerei
Definition & Überblick
Der Begriff Ableger stammt ursprünglich aus der Imkerei und bezeichnet ein gezielt gebildetes, neues Bienenvolk, das aus einem bestehenden, starken Muttervolk heraus entwickelt wird. In der erweiterten Tierhaltung – insbesondere in der Vogelhaltung – wird der Ausdruck gelegentlich analog verwendet, um die kontrollierte Aufzucht einer neuen Zuchtgruppe aus einem etablierten Bestand zu beschreiben. Im engeren und gebräuchlichsten Sinn bezieht sich „Ableger" jedoch auf die Vermehrung von Honigbienenvölkern und ist einer der zentralen Fachbegriffe der praktischen Imkerei.
Das Prinzip ist vergleichsweise einfach: Aus einem gesunden, vitalen Wirtschaftsvolk werden Brutwaben, Bienen und gegebenenfalls eine Königin entnommen und in eine neue Beute (Bienenkasten) umgesiedelt. Ziel ist es, den Bienenbestand artgerecht zu erweitern, Völkerverluste auszugleichen oder gezielt Schwarmstimmung im Muttervolk zu unterbinden. Die Ablegerbildung gehört zum Grundhandwerk jedes Imkers und ist gleichzeitig ein wirksames Instrument der Varroa-Bekämpfung und Gesunderhaltung der Völker.
Grundlagen & Voraussetzungen
Die erfolgreiche Ablegerbildung setzt mehrere Bedingungen voraus:
- Starkes Muttervolk: Nur ein Volk, das mindestens sieben bis zehn dicht besetzte Wabengassen aufweist und über ausreichend verdeckelte Brut verfügt, eignet sich als Spendervolk. Schwache oder kranke Völker dürfen nicht zur Ablegerbildung herangezogen werden – das widerspricht sowohl den Grundsätzen des Tierschutzes als auch der imkerlichen Sorgfaltspflicht.
- Richtige Jahreszeit: Die klassische Zeit für die Ablegerbildung liegt zwischen Ende April und Anfang Juli, abhängig von Klima, Tracht und Volksentwicklung. In dieser Phase sind genügend Jungbienen vorhanden, die den Ableger pflegen und aufbauen können.
- Ausreichend Material: Benötigt werden eine leere Beute (Zarge mit Boden und Deckel), Mittelwandrähmchen, eine Futtertasche oder Futterzarge sowie Werkzeug zur Wabenpflege.
- Königin oder Weiselzelle: Der Ableger braucht entweder eine bereits begattete Königin, eine reife Weiselzelle oder jüngste Brut, aus der die Bienen selbst eine Nachschaffungskönigin heranziehen können.
Die gesetzlichen Grundlagen variieren regional. In Deutschland unterliegt die Bienenhaltung dem Tiergesundheitsgesetz, und jeder Bienenstand muss beim zuständigen Veterinäramt gemeldet werden. Auch ein neu gebildeter Ableger ist meldepflichtig, sobald er als eigenständiges Volk geführt wird.
Praktische Umsetzung
Die gängigste Methode ist der Brutableger. Der Ablauf im Detail:
- Schritt 1 – Kontrolle des Muttervolks: Das Spendervolk wird geöffnet und auf Gesundheit, Brutqualität und Stärke geprüft. Die Königin sollte dabei aufgefunden und markiert werden, damit sie nicht versehentlich in den Ableger gerät.
- Schritt 2 – Wabenentnahme: Zwei bis drei Brutwaben mit verdeckelter und offener Brut sowie ansitzenden Bienen werden vorsichtig entnommen. Zusätzlich kommt eine Futterwabe in die neue Beute.
- Schritt 3 – Aufstellung: Der Ableger wird in ausreichendem Abstand (mindestens drei Kilometer oder direkt am selben Stand mit verschlossenem Flugloch für zwei Tage) aufgestellt, damit die Flugbienen nicht ins Muttervolk zurückkehren.
- Schritt 4 – Zusetzen einer Königin: Wird eine begattete Königin zugesetzt, geschieht dies über einen Zusetzkäfig. Das langsame Freifressen durch den Futterteigverschluss sorgt dafür, dass die Bienen die neue Königin annehmen.
- Schritt 5 – Fütterung: Da der Ableger noch kein eigenes Sammelvolumen hat, muss er in den ersten Wochen mit Zuckerlösung (Verhältnis 1:1) zugefüttert werden.
Eine weitere verbreitete Methode ist der Kunstschwarm, bei dem ausschließlich Bienen (ohne Waben) in eine neue Beute geschüttelt und mit einer Königin vereint werden. Diese Technik dient zusätzlich der Varroabekämpfung, da mit den brutfreien Bienen kaum Milben übertragen werden.
Häufige Fehler
- Zu schwache Ableger: Wer nur eine Brutwabe und eine Handvoll Bienen entnimmt, riskiert, dass der Ableger die Brut nicht wärmen kann und eingeht. Mindestens zwei gut besetzte Brutwaben sind notwendig.
- Königin versehentlich entnommen: Wird die Königin des Muttervolks nicht zuvor lokalisiert, kann sie unbeabsichtigt in den Ableger gelangen. Das Muttervolk wird dann weisellos und gerät in Schwierigkeiten.
- Fütterung vergessen: Ein Ableger ohne Trachtangebot oder Zufütterung verhungert innerhalb weniger Tage. Gerade bei später Ablegerbildung im Juni oder Juli ist die Versorgung mit Futter überlebenswichtig.
- Standortwahl ignoriert: Wird der Ableger direkt neben dem Muttervolk aufgestellt, fliegen die Sammelbienen zurück. Der Ableger verliert dann so viele Bienen, dass er sich nicht entwickeln kann.
- Krankheiten verschleppen: Waben aus faulbrutverdächtigen Völkern dürfen niemals für Ableger verwendet werden. Die Amerikanische Faulbrut ist eine anzeigepflichtige Tierseuche.
Tipps für Anfänger
Wer zum ersten Mal Ableger bildet, sollte sich an einen erfahrenen Imkerpaten oder den örtlichen Imkerverein wenden. Die meisten Vereine bieten Praxiskurse an, in denen die Handgriffe unter Anleitung geübt werden. Folgende Empfehlungen helfen zusätzlich:
- Beginnen Sie mit einem einzigen Ableger aus Ih