Bestäubung
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Definition & Überblick
Der Begriff Bestäubung beschreibt im Kontext der Imkerei und Vogelhaltung den biologischen Vorgang, bei dem Pollen von den Staubblättern einer Blüte auf die Narbe derselben oder einer anderen Blüte übertragen wird. Während dieser Prozess in der Botanik allgemein bekannt ist, spielt er für Tierhalter aus zwei Perspektiven eine zentrale Rolle: Zum einen ist die Bestäubungsleistung der Honigbiene ein wirtschaftlich und ökologisch bedeutsamer Aspekt der Imkerei – sie gilt sogar als deren eigentlicher volkswirtschaftlicher Hauptzweck, weit vor der Honigproduktion. Zum anderen tragen auch gehaltene und wildlebende Vögel, insbesondere Nektarvögel, Kolibris und bestimmte Papageienarten, aktiv zur Bestäubung bei. Man spricht hier von Ornithophilie (Vogelblütigkeit).
Die Bestäubung ist damit kein abstraktes Naturphänomen, sondern ein Thema, das jeden Imker und viele Vogelhalter direkt betrifft – sei es bei der Standortwahl für Bienenvölker, bei der Bepflanzung von Volieren oder bei der artgerechten Ernährung nektartrinkender Vogelarten.
Grundlagen & Voraussetzungen
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Formen der Bestäubung:
- Selbstbestäubung (Autogamie): Pollen gelangt auf die Narbe derselben Blüte oder derselben Pflanze.
- Fremdbestäubung (Allogamie): Pollen wird zwischen verschiedenen Pflanzenindividuen übertragen – diese Form sichert die genetische Vielfalt und wird überwiegend durch Tiere vermittelt.
In der Imkerei ist die Honigbiene (Apis mellifera) der wichtigste Bestäuber in Mitteleuropa. Ein einzelnes Bienenvolk kann an einem Tag mehrere Millionen Blüten anfliegen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Bestäubungsleistung sind ein gesundes, starkes Volk mit ausreichend Flugbienen, ein vielfältiges Trachtangebot im Flugradius von etwa drei Kilometern sowie geeignete Wetterbedingungen (Temperaturen über 10 °C, wenig Wind, kein Dauerregen).
Bei der Vogelhaltung betrifft die Bestäubung vor allem Halter von Loris (Loriidae), Kolibris und Nektarvögeln (Nectariniidae). Diese Arten sind in ihrem natürlichen Lebensraum wichtige Bestäuber tropischer und subtropischer Pflanzen. Wer solche Vögel in einer bepflanzten Voliere oder einem großzügigen Gehege hält, kann beobachten, wie die Tiere beim Trinken von Nektar Pollen im Gefieder und am Schnabel transportieren und so Blüten bestäuben. Die Voraussetzung dafür: eine durchdachte Bepflanzung mit geeigneten, ungiftigen Blühpflanzen und ein artgerechtes Raumangebot, das den Vögeln natürliches Flugverhalten und Beschäftigung ermöglicht.
Praktische Umsetzung
In der Imkerei: Die gezielte Bestäubung wird als Bestäubungsimkerei oder Wanderimkerei praktiziert. Dabei stellt der Imker seine Völker gezielt an Obstplantagen, Rapsfeldern oder Beerenkulturen auf, oft im Rahmen vertraglicher Vereinbarungen mit Landwirten. Folgende Punkte sind zu beachten:
- Aufstellung der Völker in unmittelbarer Nähe der zu bestäubenden Kultur (idealerweise unter 300 Meter Entfernung).
- Empfohlene Volksstärke: mindestens zwei bis drei starke Völker pro Hektar Obstanbaufläche.
- Timing: Die Völker sollten erst bei Blühbeginn aufgestellt werden, damit die Bienen sich nicht auf andere Trachtquellen einfliegen.
- Rücksicht auf den Tierschutz: Transport nur in den kühlen Abend- oder Nachtstunden, Fluglöcher während des Transports verschlossen, aber ausreichende Belüftung sicherstellen.
- Nach der Blüte Völker rechtzeitig wieder abziehen, insbesondere bei drohendem Pflanzenschutzmitteleinsatz.
In der Vogelhaltung: Wer nektartrinkende Vögel hält, kann die natürliche Bestäubung in der Voliere fördern, indem geeignete Futterpflanzen wie Hibiskus, Fuchsien, Aloe oder Grevillea-Arten integriert werden. Die Pflanzen bieten den Vögeln eine natürliche Nahrungsquelle und dienen gleichzeitig als Beschäftigung und Umweltanreicherung (Environmental Enrichment). Der Auslauf in einer bepflanzten Freiflugvoliere ist dabei artgerechter als die reine Käfighaltung.
Häufige Fehler
- Zu wenige Völker pro Fläche: Viele Obstbauern unterschätzen die notwendige Bienendichte. Unzureichende Bestäubung führt zu Mindererträgen und missgebildeten Früchten.
- Pflanzenschutzmittel während der Blüte: Der Einsatz bienengefährlicher Pestizide bei blühenden Kulturen ist nicht nur gesetzlich verboten, sondern ein gravierendes Tierschutzproblem. Imker sollten klare Absprachen mit Landwirten treffen.
- Monotone Trachtlandschaft: Steht den Bienen nur eine einzige Tracht zur Verfügung, kann das Volk nach der Blüte in eine Versorgungslücke geraten. Ein vielfältiges Blütenangebot im Umfeld ist essenziell.
- Giftige Pflanzen in Vogelvolieren: Nicht jede blühende Pflanze ist für Vögel unbedenklich. Oleander, Eibe und Engelstrompete sind hochgiftig und dürfen keinesfalls in ein Gehege mit Vögeln gepflanzt werden.
- Vernachlässigung der Bienengesundheit: Nur gesunde Völker mit niedriger Varroabelastung erbringen eine gute Bestäubungsleistung. Regelmäßige Gesundheitskontrolle und fachgerech