Bienenvolk
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Definition & Überblick
Als Bienenvolk bezeichnet man die Gesamtheit aller Individuen einer Honigbienenkolonie (Apis mellifera), die als sozialer Superorganismus in einer festen Behausung – der sogenannten Beute – zusammenleben. Ein gesundes Bienenvolk besteht im Sommer aus 40.000 bis 60.000 Arbeiterinnen, einigen Hundert Drohnen (männliche Bienen) und einer einzigen Königin, auch Weisel genannt. Im Winter schrumpft die Volksstärke auf etwa 5.000 bis 15.000 Tiere.
Obwohl die Imkerei historisch zur Landwirtschaft zählt, wird sie in der Tierhalterpraxis häufig im Kontext der Vogelhaltung und Kleintierzucht mitbehandelt, da viele Hobbyhalter Bienenvölker ergänzend zu anderen Tieren auf ihrem Grundstück pflegen. Die artgerechte Haltung eines Bienenvolkes unterliegt der Bienenseuchen-Verordnung und erfordert eine Anmeldung beim zuständigen Veterinäramt sowie beim örtlichen Imkerverein.
Die drei Wesen im Bienenvolk übernehmen klar getrennte Aufgaben: Die Königin legt bis zu 2.000 Eier pro Tag und sichert den Fortbestand. Die Arbeiterinnen durchlaufen im Laufe ihres Lebens verschiedene Stationen – von der Brutpflege über den Wabenbau bis hin zum Sammelflug. Die Drohnen dienen ausschließlich der Begattung junger Königinnen und werden nach der Schwarmzeit aus dem Stock vertrieben (sogenannte Drohnenschlacht).
Grundlagen & Voraussetzungen
Wer ein Bienenvolk halten möchte, muss mehrere Grundvoraussetzungen erfüllen:
- Standortwahl: Der Stellplatz der Beute sollte windgeschützt, leicht sonnig bis halbschattig und trocken sein. Ein ausreichendes Trachtangebot im Umkreis von drei Kilometern ist entscheidend – Obstwiesen, Linden, Raps oder naturnahe Gärten liefern Nektar und Pollen.
- Rechtliche Rahmenbedingungen: In Deutschland ist jeder Bienenhalter verpflichtet, seine Völker beim Veterinäramt zu melden. Zudem gelten landesspezifische Regelungen zu Mindestabständen gegenüber Nachbargrundstücken. Der Tierschutz schreibt vor, dass Bienenvölker artgerecht versorgt und vor vermeidbarem Leid geschützt werden.
- Beutensystem: Gängige Systeme in Deutschland sind die Zander-Beute, die Dadant-Beute und die Deutsch-Normal-Beute. Anfänger sollten sich frühzeitig für ein System entscheiden, da Rähmchenmaße nicht kompatibel sind.
- Fachwissen: Ohne fundierte Kenntnisse über den Bien – so nennt der Imker das Volk als Gesamtorganismus – ist eine verantwortungsvolle Haltung nicht möglich. Ein Anfängerkurs beim lokalen Imkerverein ist dringend empfohlen.
Praktische Umsetzung
Das Bienenjahr gliedert sich in klar definierte Phasen, die jeweils spezifische Eingriffe durch den Imker erfordern:
- Frühjahr (März–Mai): Auswinterung, erste Durchsicht der Völker, Kontrolle der Volksstärke und des Futtervorrats. Schwache Völker werden gegebenenfalls vereinigt. Die Königin beginnt mit der intensiven Eilage, der Brutraum wird bei Bedarf erweitert.
- Schwarmzeit (Mai–Juni): In dieser Phase neigen starke Völker zur natürlichen Vermehrung durch Schwärmen. Schwarmkontrolle – etwa durch das Brechen von Weiselzellen oder gezielte Ablegerbildung – gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben. Wer Ableger bildet, kann gleichzeitig den Völkerbestand erweitern.
- Sommer (Juni–August): Honigernte mit Hilfe einer Honigschleuder, anschließende Auffütterung mit Zuckerwasser oder Futtersirup, damit das Volk ausreichend Wintervorräte anlegen kann.
- Herbst/Winter (September–Februar): Die Varroabehandlung ist die zentrale Maßnahme zum Gesunderhalt des Volkes. Die Varroamilbe (Varroa destructor) ist der bedeutendste Parasit der Honigbiene. Behandelt wird mit organischen Säuren wie Oxalsäure oder Ameisensäure. Im Winter befindet sich das Volk in der Wintertraube und sollte möglichst nicht gestört werden.
Häufige Fehler
Gerade unerfahrene Imker machen typische Fehler, die das Überleben des Bienenvolkes gefährden:
- Vernachlässigung der Varroabehandlung: Ohne konsequente Bekämpfung der Varroamilbe bricht ein Volk in der Regel innerhalb von ein bis zwei Jahren zusammen. Wer die Behandlungszeitpunkte verpasst, riskiert den Totalverlust.
- Zu späte Einfütterung: Wird nach der Honigernte nicht rechtzeitig gefüttert, kann das Volk nicht genügend Wintervorräte einlagern und verhungert.
- Fehlende Schwarmkontrolle: Unkontrolliertes Schwärmen schwächt das Muttervolk erheblich und kann zu Konflikten mit der Nachbarschaft führen, wenn sich der Schwarm in ungewünschten Bereichen niederlässt.
- Zu häufiges Öffnen der Beute: Jede Durchsicht bedeutet Stress für das Volk. Der Wärmehaushalt wird gestört, das Kittharz (Propolis) an den Rähmchen aufgebrochen. Erfahrene Imker beschränken sich auf gezielte, zügige Eingriffe.
- Falscher Standort: Zu feuchte, zugige oder vollschattige Aufstellorte begünstigen Krankheiten wie Nosemose und schwächen das Volk langfristig.