Beringung
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Definition & Überblick
Als Beringung bezeichnet man das Anbringen eines Kennzeichnungsrings am Bein eines Vogels. Der Ring dient als eine Art Personalausweis und ermöglicht die eindeutige Identifikation des Tieres. In der Vogelhaltung und Vogelzucht ist die Beringung weit mehr als ein freiwilliges Hilfsmittel – für zahlreiche Vogelarten stellt sie eine gesetzliche Pflicht dar, insbesondere bei besonders geschützten und meldepflichtigen Arten nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) sowie der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV).
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen geschlossenen Ringen (auch Zuchtring genannt) und offenen Ringen. Der geschlossene Ring wird dem Jungvogel innerhalb eines bestimmten Zeitfensters über den Fuß gestreift und gilt als Nachweis der Nachzucht in menschlicher Obhut. Der offene Ring hingegen kann auch bei älteren Vögeln oder Wildvögeln nachträglich angebracht werden, hat jedoch eine geringere Beweiskraft hinsichtlich der legalen Herkunft. Darüber hinaus gibt es in der Ornithologie die wissenschaftliche Beringung von Wildvögeln durch lizenzierte Beringer, die der Vogelzugforschung und Populationsüberwachung dient – dieser Bereich fällt jedoch nicht in die Zuständigkeit des Tierhalters.
Grundlagen & Voraussetzungen
Die Beringung in der artgerechten Vogelhaltung und Vogelzucht setzt einige Grundkenntnisse voraus. Der Halter und Züchter muss wissen, welche Vogelarten der Ringpflicht unterliegen. Grundsätzlich gilt: Alle in Anlage 6 der BArtSchV aufgeführten Arten müssen mit einem geschlossenen Ring gekennzeichnet werden. Dazu gehören unter anderem viele einheimische Finkenarten, Stieglitze, Kernbeißer, Gimpel sowie zahlreiche Papageien- und Sitticharten.
Die Ringe werden in Deutschland von autorisierten Stellen ausgegeben, vor allem von den Zuchtverbänden wie dem Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz (BNA), der Vereinigung für Zucht und Erhaltung einheimischer und fremdländischer Vögel (AZ) oder dem Deutschen Kanarien- und Vogelzüchterbund (DKB). Jeder Ring trägt eine individuelle Ringnummer, die Angabe des Zuchtjahres, die Züchternummer sowie ein Verbandskürzel. Dadurch lässt sich jeder beringte Vogel eindeutig seinem Züchter und Geburtsjahr zuordnen.
Die Ringgröße ist entscheidend und muss exakt zur jeweiligen Vogelart passen. Jeder Zuchtverband gibt hierzu detaillierte Ringgrößentabellen heraus. Ein zu kleiner Ring kann das Bein einschnüren, ein zu großer Ring verrutscht und kann hängenbleiben – beides stellt eine erhebliche Gefährdung des Tierschutzes dar.
Praktische Umsetzung
Der geschlossene Ring wird dem Jungvogel in den ersten Lebenstagen über den Fuß gestreift. Der genaue Zeitpunkt hängt von der Art ab: Bei Wellensittichen etwa erfolgt die Beringung um den 7. bis 9. Lebenstag, bei Nymphensittichen zwischen dem 8. und 12. Tag, bei großen Papageien entsprechend später. Das Zeitfenster ist eng bemessen – wird es verpasst, ist der Fuß zu groß und der Ring passt nicht mehr darüber.
Die praktische Vorgehensweise im Detail:
- Den Jungvogel vorsichtig aus dem Nistkasten oder der Bruthöhle nehmen.
- Die drei nach vorn gerichteten Zehen zusammenlegen und den Ring darüber schieben.
- Die nach hinten gerichtete Zehe wird zunächst an den Lauf angelegt, sodass der Ring darüber gleiten kann.
- Anschließend die hintere Zehe vorsichtig unter dem Ring hervorziehen, gegebenenfalls mit einem stumpfen Zahnstocher oder einer Streichholzspitze nachhelfen.
- Kontrollieren, ob der Ring frei am Lauf sitzt und sich drehen lässt.
Bei der Beringung ist Ruhe und Sorgfalt oberstes Gebot. Die Elterntiere sollten möglichst wenig gestört werden. Manche Altvögel reagieren auf Veränderungen am Nachwuchs empfindlich und versuchen, den Ring zu entfernen oder die Jungvögel aus dem Nest zu werfen. Erfahrene Züchter beringen daher bevorzugt zu Zeiten, in denen die Altvögel das Gehege oder die Voliere zur Nahrungsaufnahme verlassen.
Häufige Fehler
- Falscher Zeitpunkt: Wird zu früh beringt, fällt der Ring wieder ab und kann im Nistmaterial verloren gehen. Wird zu spät beringt, passt der geschlossene Ring nicht mehr über den Fuß.
- Falsche Ringgröße: Ein Ring, der nicht zur Art passt, verursacht Verletzungen oder geht verloren. Im schlimmsten Fall schnürt ein zu enger Ring das Bein ab und führt zu Nekrosen – ein gravierender Verstoß gegen den Tierschutz.
- Fehlende Kontrolle nach der Beringung: In den Tagen nach dem Anbringen muss regelmäßig überprüft werden, ob der Ring noch sitzt, ob die Zehen frei beweglich sind und ob keine Schwellung auftritt.
- Vernachlässigung der Dokumentation: Ringnummern müssen sorgfältig notiert und den zuständigen Behörden gemeldet werden. Fehlende Meldungen können bei geschützten Arten ordnungswidrig sein.
- Ringe bei adulten Vögeln nicht kontrollieren: Auch im späteren Leben kann sich Schmutz, Kot oder Fasermaterial unter dem Ring ansammeln und zu Entzündungen führen. Regelmäßige Sichtkontrollen gehören zur artgerechten Haltung.
Tipps für Anfänger
Wer zum ersten Mal Vögel züchtet, sollte sich die Beringung von einem erfahrenen Züchter zeigen lassen, bevor er sie selbst durchführt. Viele Zuchtvereine bieten entsprechende Schulungen an. Der Beitritt zu einem Zuchtverband ist ohnehin empfehlenswert, da über diesen die