Acker
ABiologie & Ökologie > Lebensräume – Typen
Definition und Überblick
Als Acker (auch Ackerfläche, Ackerland oder Kulturfläche) wird eine landwirtschaftlich genutzte Bodenfläche bezeichnet, die regelmäßig bearbeitet und mit Nutzpflanzen bestellt wird. Aus ökologischer Sicht stellt der Acker einen anthropogen geprägten Lebensraum dar, der trotz intensiver menschlicher Eingriffe einer Vielzahl von Tierarten als Habitat dient. In Mitteleuropa gehört der Acker zu den flächenmäßig bedeutendsten Lebensraumtypen: Rund ein Drittel der Gesamtfläche Deutschlands wird ackerbaulich genutzt. Damit zählt die Agrarlandschaft zu den prägendsten Elementen der Kulturlandschaft und beeinflusst die Biodiversität in erheblichem Maße.
Entstehung und Charakteristik
Der Acker ist kein natürlicher, sondern ein vom Menschen geschaffener Lebensraum. Seine Entstehung geht auf die Sesshaftwerdung und den Beginn des Ackerbaus in der Jungsteinzeit zurück. Durch Rodung von Wäldern, Trockenlegung von Feuchtgebieten und regelmäßige Bodenbearbeitung entstand ein offener, periodisch gestörter Standort. Typische Merkmale eines Ackers sind:
- Regelmäßiges Pflügen, Eggen und Bestellen des Bodens
- Saisonaler Wechsel zwischen vegetationsfreien Phasen und Bestandsschluss durch Feldfrüchte
- Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden und Bewässerung in unterschiedlicher Intensität
- Fruchtfolge und Fruchtwechsel, die das ökologische Gefüge periodisch verändern
- Offene, sonnenexponierte Flächen mit wenig dauerhafter Vegetationsstruktur
Die Bodenstruktur eines Ackers unterscheidet sich deutlich von ungestörten Böden. Durch regelmäßiges Pflügen wird die natürliche Bodenschichtung zerstört, was sich unmittelbar auf die Bodenorganismen und damit auf die gesamte Nahrungskette auswirkt. Gleichzeitig schafft die Bodenbearbeitung ein lockeres Substrat, das bestimmten Tierarten günstige Bedingungen bietet.
Der Acker als Tierlebensraum
Obwohl der Acker auf den ersten Blick lebensfeindlich wirkt, beherbergt er eine spezialisierte Fauna. Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen Arten, die den Acker als dauerhaften Lebensraum nutzen, und solchen, die ihn zeitweise als Nahrungshabitat oder Durchzugsgebiet aufsuchen.
Bodenlebewesen bilden die Grundlage der Ackerfauna. Regenwürmer, Springschwänze, Milben, Nematoden und zahlreiche Insektenlarven besiedeln den Ackerboden. Der Regenwurm (Lumbricus terrestris) spielt eine Schlüsselrolle für die Bodenfruchtbarkeit, ist aber durch intensive Bodenbearbeitung und Pestizideinsatz vielerorts stark dezimiert. Laufkäfer, Kurzflügelkäfer und Spinnen gehören zu den wichtigsten Prädatoren am Boden und erfüllen als natürliche Schädlingsbekämpfer eine bedeutende ökosystemare Funktion.
Unter den Vögeln ist die Feldlerche (Alauda arvensis) die Charakterart der Ackerlandschaft schlechthin. Sie brütet direkt am Boden zwischen den Kulturpflanzen. Weitere typische Ackerbrüter sind das Rebhuhn (Perdix perdix), die Schafstelze (Motacilla flava) und der Kiebitz (Vanellus vanellus). Alle diese Arten verzeichnen seit Jahrzehnten dramatische Bestandsrückgänge, die direkt mit der Intensivierung der Landwirtschaft zusammenhängen.
Unter den Säugetieren sind der Feldhase (Lepus europaeus), die Feldmaus (Microtus arvalis) und der Hamster (Cricetus cricetus) eng an den Lebensraum Acker gebunden. Der Feldhamster, einst als Ernteschädling verfolgt, gehört heute zu den am stärksten bedrohten Säugetierarten Europas. Greifvögel wie Mäusebussard und Turmfalke nutzen Ackerflächen intensiv als Jagdrevier, insbesondere nach der Ernte, wenn die Bodenoberfläche freigelegt ist und Kleinsäuger leichter erbeutet werden können.
Amphibien wie die Knoblauchkröte (Pelobates fuscus) graben sich tagsüber in lockere Ackerböden ein und nutzen diese als Landlebensraum, sofern geeignete Laichgewässer in der Nähe vorhanden sind.
Ökologische Bedeutung und Bedrohung
Die ökologische Qualität eines Ackers hängt entscheidend von der Bewirtschaftungsintensität ab. Extensiv bewirtschaftete Äcker mit geringem Pestizideinsatz, breiten Ackerrandstreifen und vielfältiger Fruchtfolge bieten deutlich mehr Lebensraum als intensiv genutzte Monokulturen. Die Ackerbegleitflora – also Wildkräuter wie Kornblume, Klatschmohn und Kamille – bildet die Nahrungsgrundlage für zahlreiche Insektenarten, darunter Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge.
Die wesentlichen Bedrohungsfaktoren für die Artenvielfalt auf dem Acker sind:
- Pestizideinsatz (Herbizide, Insektizide, Fungizide), der die Nahrungsketten unterbricht
- Verlust von Strukturelementen wie Feldrainen, Hecken, Brachestreifen und Lesesteinhaufen
- Zunehmende Schlaggrößen durch Flurbereinigung
- Frühe und häufige Mahd- und Erntetermine, die Bodenbrüter gefährden
- Überdüngung