Feld
FBiologie & Ökologie > Lebensräume – Typen
Definition und Überblick
Als Feld wird in der Ökologie und Landschaftskunde eine offene, weitgehend baumfreie Fläche bezeichnet, die überwiegend landwirtschaftlich genutzt wird. Im engeren Sinne handelt es sich um Ackerflächen, auf denen Kulturpflanzen wie Getreide, Raps, Kartoffeln oder Mais angebaut werden. Im weiteren Sinne umfasst der Begriff auch Brachen, Feldraine und angrenzende Randstrukturen, die zusammen die Feldflur bilden. Als Lebensraum betrachtet, stellt das Feld ein stark vom Menschen geprägtes Ökosystem dar – eine sogenannte Kulturlandschaft –, das dennoch zahlreichen Tierarten Nahrungs-, Brut- und Rückzugsräume bietet.
Felder gehören zur Kategorie der Offenlandlebensräume und stehen ökologisch in enger Beziehung zu Wiesen, Weiden und Steppen. Ihre Entstehung geht auf die Rodung von Wäldern und die Einführung des Ackerbaus in der Jungsteinzeit zurück. Seitdem hat sich eine spezialisierte Tier- und Pflanzenwelt entwickelt, die an die regelmäßige Bodenbearbeitung, saisonale Vegetationswechsel und offene Strukturen angepasst ist.
Charakteristische Merkmale des Lebensraums
Das Feld unterscheidet sich von anderen Offenlandlebensräumen durch mehrere Eigenschaften:
- Regelmäßige Bodenbearbeitung: Pflügen, Eggen und Ernten verändern die Bodenstruktur und Vegetationsdecke in kurzen Zyklen. Tiere, die hier leben, müssen an diese Störungen angepasst sein.
- Monokultur oder Fruchtfolge: Die Vegetation wird vom Menschen bestimmt. Statt einer vielfältigen Pflanzengemeinschaft dominiert meist eine einzige Kulturpflanze pro Anbauperiode.
- Saisonale Dynamik: Zwischen kahlem Ackerboden im Winter und dicht stehendem Getreide im Sommer verändert sich der Lebensraum innerhalb weniger Monate grundlegend.
- Geringe vertikale Strukturvielfalt: Bäume und Sträucher fehlen auf der eigentlichen Ackerfläche. Die Vegetationshöhe bleibt niedrig bis mittelhoch.
Die Bodentypen variieren regional stark – von schweren Lehmböden über Lössböden bis hin zu sandigen Substraten. Die Bodenqualität bestimmt maßgeblich, welche Kulturen angebaut werden und welche Tiergemeinschaften sich einstellen.
Typische Tierarten der Feldflur
Trotz der intensiven Nutzung beherbergt die Feldflur eine charakteristische Fauna. Zu den bekanntesten Feldvögeln zählt die Feldlerche (Alauda arvensis), die ihr Nest direkt am Boden zwischen den Kulturpflanzen anlegt. Ihr Gesang im Steigflug gilt als akustisches Kennzeichen offener Agrarlandschaften. Weitere typische Brutvogelarten sind das Rebhuhn (Perdix perdix), die Schafstelze (Motacilla flava) und der Kiebitz (Vanellus vanellus), der bevorzugt auf feuchten Äckern brütet.
Unter den Säugetieren ist der Feldhase (Lepus europaeus) die emblematische Art dieses Lebensraums. Er nutzt die offene Landschaft zur Nahrungssuche und verlässt sich auf seine Tarnung und Schnelligkeit, um Fressfeinden zu entgehen. Feldmäuse (Microtus arvalis) besiedeln Äcker und Feldraine in teils hoher Dichte und bilden die Nahrungsgrundlage für Greifvögel wie Mäusebussard und Turmfalke sowie für den Rotfuchs und das Hermelin.
Die Insektenfauna der Felder umfasst zahlreiche Laufkäferarten (Carabidae), Heuschrecken, Wildbienen und Schwebfliegen. Viele dieser Arten sind auf die Ackerbegleitflora – also Wildkräuter wie Kornblume, Klatschmohn und Kamille – angewiesen, die zwischen den Kulturpflanzen wächst. Im Boden leben Regenwürmer, Springschwänze und zahlreiche Mikroorganismen, die für die Bodenfruchtbarkeit und den Nährstoffkreislauf unverzichtbar sind.
Ökologische Bedeutung von Randstrukturen
Für die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft spielen die Übergangsbereiche eine entscheidende Rolle. Feldraine, Hecken, Ackerrandstreifen und Gräben bilden ein Netzwerk aus Kleinstrukturen, die als Rückzugsgebiete, Überwinterungsquartiere und Wanderkorridore dienen. Hecken bieten Brutplätze für Vögel wie den Neuntöter (Lanius collurio) und die Goldammer (Emberiza citrinella). Unbewirtschaftete Randstreifen ermöglichen Insekten die Nahrungsaufnahme an Blütenpflanzen, wenn die Ackerfläche selbst kaum Ressourcen bietet.
Extensiv bewirtschaftete Brachflächen sind ökologisch besonders wertvoll. Hier entwickelt sich eine artenreiche Krautvegetation, die Insekten, Kleinsäugern und Bodenbrütern Lebensraum gibt. Solche Strukturen sind in der modernen Agrarlandschaft jedoch selten geworden.
Gefährdung und Bestandsentwicklung
Die Intensivierung der Landwirtschaft seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat zu einem drastischen Rückgang der Feldflurbewohner geführt. Zu den Hauptursachen zählen:
- Flurbereinigung: Die Zusammenlegung kleiner Parzellen zu großen Schlägen hat Feldraine, Hecken und Brachflächen weitgehend beseitigt.
- Pestizideinsatz: Herbizide reduzieren die Ackerbegleitflora, Insektizide dezimieren die Nahrungsgrundlage für Vögel und andere Insektenfresser.
- Frühe