Brackwasser
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Definition und Überblick
Brackwasser bezeichnet Wasser, dessen Salzgehalt zwischen dem von Süßwasser und dem von Meerwasser liegt. Während reines Süßwasser einen Salzgehalt von unter 0,5 Promille aufweist und ozeanisches Meerwasser durchschnittlich etwa 35 Promille erreicht, bewegt sich die Salinität von Brackwasser in einem Bereich von roughly 0,5 bis 30 Promille. Dieser Übergangscharakter macht Brackwasserlebensräume zu ökologisch eigenständigen Zonen, die weder dem marinen noch dem limnischen Milieu vollständig zugeordnet werden können. Brackwasserzonen entstehen überall dort, wo Süßwasser und Salzwasser aufeinandertreffen und sich vermischen – in Flussmündungen, Lagunen, Haffs, Mangrovengebieten und Küstenseen.
Entstehung und Verbreitung
Brackwasserzonen bilden sich an der Schnittstelle zwischen Meer und Festland. Die klassischen Entstehungsgebiete sind Ästuare, also trichterförmige Flussmündungen, in denen Gezeitenströmungen salzhaltiges Meerwasser flussaufwärts drücken und sich dort mit dem abfließenden Flusswasser vermischt. Weitere typische Brackwassergebiete sind:
- Boddengewässer und Haffs – flache, teilweise vom Meer abgetrennte Küstengewässer, wie sie an der deutschen Ostseeküste verbreitet sind
- Lagunen – durch Nehrungen oder Sandbänke vom offenen Meer getrennte Wasserflächen
- Mangrovensümpfe – tropische und subtropische Gezeitenwälder mit stark schwankendem Salzgehalt
- Binnensalzstellen – seltene Vorkommen im Landesinneren, etwa durch aufsteigendes salzhaltiges Grundwasser
- Die Ostsee – als größtes Brackwassermeer der Erde mit einem Salzgradienten, der von West nach Ost und von der Oberfläche zur Tiefe abnimmt
Der Salzgehalt in diesen Lebensräumen ist selten stabil. Er schwankt mit den Gezeiten, den Jahreszeiten, dem Niederschlag, der Windrichtung und dem Zufluss aus dem Binnenland. Diese permanente Fluktuation stellt an die dort lebenden Organismen besondere physiologische Anforderungen.
Physikalische und chemische Eigenschaften
Brackwasser unterscheidet sich nicht nur durch seinen Salzgehalt von Süß- und Meerwasser. Die Dichte des Wassers steigt mit zunehmender Salinität, was zur Bildung von Salzgehaltsschichtungen führen kann. In Ästuaren liegt häufig eine sogenannte Halokline vor – eine Grenzschicht, an der sich das leichtere Süßwasser über dem schwereren Salzwasser befindet. Solche Schichtungen beeinflussen den Sauerstoffaustausch und die Nährstoffverteilung erheblich.
Durch den hohen Eintrag von Sedimenten und organischem Material aus den Zuflüssen sind Brackwasserzonen oft nährstoffreich (eutroph). Die Trübung ist in der Regel höher als im offenen Meer, was die Lichtverhältnisse unter Wasser einschränkt. Der pH-Wert liegt typischerweise im leicht alkalischen Bereich, kann aber je nach biologischer Aktivität und Sedimentzusammensetzung variieren.
Tierwelt im Brackwasser
Brackwasserlebensräume gelten als Artenminimum-Zonen: Im Vergleich zu reinem Süß- oder Salzwasser leben hier weniger Arten, da nur speziell angepasste Organismen die stark schwankenden Salzgehalte tolerieren. Biologen bezeichnen diese Fähigkeit als Euryhalinität. Euryhaline Tierarten können ihren Wasserhaushalt und ihre Ionenkonzentration über einen weiten Salinitätsbereich regulieren – im Gegensatz zu stenohalinen Arten, die an einen engen Salzgehaltsbereich gebunden sind.
Zu den typischen Brackwasserbewohnern zählen:
- Fische – Der Flunder (Platichthys flesus), der Dreistachlige Stichling (Gasterosteus aculeatus) und verschiedene Grundelarten sind klassische Brackwasserfische. Auch wirtschaftlich bedeutende Arten wie der Zander (Sander lucioperca) dringen in Brackwasserbereiche vor. Wanderfische wie Lachs und Aal durchqueren Brackwasserzonen auf ihren Zügen zwischen Meer und Fluss.
- Krebstiere – Die Strandkrabbe (Carcinus maenas), verschiedene Garnelen der Gattung Palaemon und die Seepocke besiedeln Brackwasserregionen in großer Zahl.
- Muscheln und Schnecken – Die Miesmuschel (Mytilus edulis) kommt bis in mäßig ausgesüßte Bereiche vor, bleibt dort allerdings deutlich kleiner als im Vollmeerwasser. Die Wandermuschel (Dreissena polymorpha) toleriert ebenfalls geringe Salzgehalte.
- Würmer – Der Wattwurm (Arenicola marina) und verschiedene Polychaetenarten besiedeln brackige Sedimentböden.
- Vögel – Brackwassergebiete dienen zahlreichen Wat- und Wasservögeln als Nahrungs- und Rastgebiet. Säbelschnäbler, Austernfischer, Brandgänse und verschiedene Entenarten nutzen das reiche Nahrungsangebot dieser produktiven Zonen.
In tropischen Brackwassergebieten kommen zudem Bullhaie (Carcharhinus leucas) vor, die als eine der wenigen Haiarten auch weit in Flüsse aufsteigen, sowie Krokodilarten wie das Leistenkrokodil, das sowohl im Meer als auch in Flussmündungen jagt.
Ökologische Bedeutung
Trotz ihrer vergleichsweise geringen Artenvielfalt gehören Brackwasserzonen zu den produktivsten Ökosystemen der Erde. Der ständige Nährstoffeintrag aus dem Binnenland fördert das Wachstum von Phytoplankton, Algen und Wasserpflanzen wie dem Seegras. Diese Primärproduktion bildet die Grundlage für komplexe Nahrungsnetze.
Ästuare und Lagunen dienen vielen marinen