Alpaka
ATierart – Säugetiere > Huftiere – Kamele & Lamas
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Vicugna pacos
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Unterordnung: Schwielensohler (Tylopoda)
- Familie: Kamele (Camelidae)
- Gattung: Vikunjas (Vicugna)
- Lebensraum: Hochanden Südamerikas, weltweit in Zuchtbetrieben
- Größe: 80–100 cm Schulterhöhe
- Gewicht: 55–80 kg
- Lebenserwartung: 20–25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Das Alpaka ist die kleinere der beiden domestizierten Kamelarten Südamerikas und deutlich zierlicher gebaut als das verwandte Lama (Lama glama). Der Körperbau ist kompakt, die Beine sind schlank, und der Hals ist lang, aber kürzer als beim Lama. Der Kopf wirkt rundlich mit kurzer Schnauze und großen, ausdrucksstarken Augen. Die Ohren sind speerförmig und aufrecht stehend.
Das auffälligste Merkmal ist das dichte, weiche Vlies, das den gesamten Rumpf, die Beine und häufig auch Stirn und Wangen bedeckt. Es existieren zwei Rassen, die sich vor allem in der Faserstruktur unterscheiden: Das Huacaya-Alpaka trägt ein dichtes, gleichmäßig gekräuseltes Fell mit feiner Kräuselung (Crimp), das dem Tier ein rundliches, teddyartiges Erscheinungsbild verleiht. Das seltenere Suri-Alpaka besitzt hingegen lange, glatte, seidig glänzende Faserstränge, die in Locken vom Körper herabhängen. Die Farbpalette umfasst über 20 natürliche Farbtöne – von reinem Weiß über Beige, Braun und Grau bis hin zu Tiefschwarz. Mehrfarbige und gescheckte Tiere kommen ebenfalls vor.
Wie alle Schwielensohler besitzen Alpakas keine Hufe im eigentlichen Sinn, sondern weiche, gepolsterte Sohlen mit zwei Zehen, die jeweils einen Zehennagel tragen. Diese Anpassung schont den Untergrund und gibt den Tieren auf felsigem Terrain sicheren Halt. Das Gebiss weist eine Besonderheit auf: Im Oberkiefer fehlen die Schneidezähne; stattdessen besitzen die Tiere eine harte Kauplatte, gegen die die unteren Schneidezähne arbeiten.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Alpakas liegt in den Hochanden Perus, Boliviens, Chiles und Argentiniens. Dort lebt die Art auf Höhenlagen zwischen 3.500 und 5.000 Metern in der sogenannten Puna – einer baumarmen, windexponierten Hochebene mit karger Grasvegetation und starken Temperaturschwankungen. Dieses Habitat zeichnet sich durch intensive UV-Strahlung, geringe Niederschläge und nächtliche Fröste aus.
Peru beherbergt mit rund 3,5 Millionen Tieren den größten Bestand weltweit – etwa 80 Prozent der globalen Population. Seit dem späten 20. Jahrhundert hat sich die Alpakazucht jedoch auf alle Kontinente ausgebreitet. Mittlerweile werden Alpakas in Nordamerika, Australien, Neuseeland und zahlreichen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, Österreich und die Schweiz, gehalten. In Mitteleuropa werden die Tiere vorwiegend in Kleinherden auf Weiden und Offenlandbiotopen gehalten.
Ernährung
Alpakas sind reine Pflanzenfresser und gehören zu den Wiederkäuern im weiteren Sinn, obwohl sich ihr Verdauungssystem von dem der echten Wiederkäuer (Ruminantia) unterscheidet. Der Magen ist in drei Abschnitte unterteilt – nicht in vier wie bei Rindern oder Schafen. Die Verdauung erfolgt dennoch durch mikrobielle Fermentation, was den Tieren eine effiziente Verwertung faserreicher, nährstoffarmer Gräser ermöglicht.
Im natürlichen Habitat der Puna besteht die Nahrung überwiegend aus harten Gräsern, Kräutern und Moosen. In der Haltung außerhalb Südamerikas erhalten die Tiere Weidegras, Heu und bei Bedarf Mineralfutter. Im Vergleich zu Pferden oder Rindern nehmen Alpakas relativ wenig Futter auf – etwa 1,5 bis 2 Prozent ihres Körpergewichts pro Tag an Trockenmasse.
Verhalten & Lebensweise
Alpakas sind ausgeprägte Herdentiere. In der Gruppe herrscht eine feste Rangordnung, die durch Drohgebärden, Spucken, Rempeln und Nackenbeißen durchgesetzt wird. Einzelhaltung führt zu schwerem Stress und Verhaltensstörungen, weshalb mindestens zwei Tiere zusammengehalten werden sollten.
Die Aktivität verteilt sich hauptsächlich auf die Tagesstunden. Morgens und am späten Nachmittag fressen die Tiere, in der Mittagszeit ruhen sie häufig in sternförmiger Anordnung am Boden – eine typische Gruppenruhe, die den Überblick über die Umgebung verbessert. Alpakas legen gemeinsame Kotplätze an, sogenannte Latrinen, die von der gesamten Herde genutzt werden. Dieses Verhalten reduziert den Parasitenbefall und hält die Weideflächen sauber.
Das Spucken, für das die Art bekannt ist, dient vorrangig der innerartlichen Kommunikation – etwa bei Rangstreitigkeiten oder wenn ein Stutentier den Hengst abweist. Gegenüber Menschen kommt es nur bei Fehlprägung oder starker Bedrängung vor. Das Lautrepertoire umfasst ein leises Summen als Kontaktlaut, ein schrilles Alarmgeräusch sowie verschiedene Grunz- und Quietschlaute.
Fortpflanzung & Aufzucht
Alpakas sind induzierte Ovulierer: Der Eisprung wird erst durch den Deckakt ausgelöst, nicht durch einen hormonellen Zyklus. Dadurch gibt es keine feste Paarungszeit, und eine Fortpflanzung ist prinzipiell ganzjährig möglich. Die Tragzeit beträgt durchschnittlich 345 Tage, also knapp 11,5 Monate. In der Regel wird ein einzelnes Jungtier geboren